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  • Agrar- & Ernährungspolitik
  • 02/2022
  • Ulrich Post

Glossar: Wer macht was in der internationalen Ernährungspolitik

Es gibt nicht die eine Autorität, die weltpolitische Prioritäten setzt. Vielerlei Akteure teilen sich unübersichtliche Mandate. Die wichtigsten Gremien und ihre Ziele im Überblick.

Virtuelle Sitzung des Welternährungsausschusses der FAO 2021 mit den Generaldirektoren führender Institution und UN-Generalsekretär Antonio Guterres (oben mitte). © FAO

Die Themen Landwirtschaft, ländliche Entwicklung, Welternährung und Ernährungssicherheit werden von sehr vielen und sehr unterschiedlichen internationalen Organisationen und Initiativen bearbeitet. Es gibt nicht die eine prägende Organisation, die zusammenführen und als eine Art globale Autorität auftreten könnte, wie zumindest ansatzweise etwa die WHO im Gesundheitsbereich.  Das hängt nicht nur, aber auch damit zusammen, dass diese Themen von zahlreichen Politikfeldern mit zum Teil divergierenden Interessen mitgestaltet werden. Doch die Unübersichtlichkeit bei den Akteuren und ihrem Zusammenspiel, Überschneidungen bei den Mandaten und teilweise unklare Zuständigkeiten führen zu einer Schwächung der Themen auf der weltpolitischen Prioritätenliste.

Eine kleine Institutionenkunde soll den Überblick über die internationalen Akteure und ihre wesentlichen Ziele und Aufgaben erleichtern. Es ist völlig unmöglich, auch nur annähernd alle aufzuführen oder ein Ranking nach ihrer Bedeutung, ihrem Einfluss oder der Größe des Budgets zu erstellen. Die Auswahl ist -bis auf die erste Gruppe- beispielhaft und nicht abschließend; die Redaktion hat jedoch auch externen fachlichen Rat bei dieser Auswahl eingeholt.

1. Vereinte Nationen

Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)

Die Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nationen wurde im Oktober 1945 in Quebec gegründet. Die auch Welternährungsorganisation genannte FAO ist eine rechtlich, organisatorisch und finanziell selbständige Sonderorganisation der UN. Sie ist die älteste und größte Sonderorganisation. Mitglied sind derzeit sind 194 Staaten sowie die EU. Seit 1951 hat die FAO ihren Sitz in Rom.

Ziel der FAO ist es, Hunger und Unterernährung weltweit zu bekämpfen und den Lebensstandard vor allem der Menschen in ländlichen Regionen zu verbessern. Um das zu erreichen, sind ihre zentralen Aufgaben

Die FAO arbeitet auf Grundlage eines zweijährigen Arbeits- und Haushaltsprogramms, das aus Pflichtbeiträgen der Mitglieder und zusätzlichen freiwilligen Beiträgen finanziert wird. Für den Zeitraum 2020 bis 2021 standen rund 1 Mrd. US-Dollar Pflichtbeiträge sowie erwartete freiwillige Beiträge in Höhe von 1.9 Mrd. Dollar zur Verfügung. Größte Beitragszahler sind die USA, China, Japan und Deutschland. Freiwillige Beiträge kamen von Mitgliedsstaaten (Top 3: EU, USA, Deutschland) sowie anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen.

FAO Generaldirektor Qu Dongyu vor der Kamera bei der Aufnahme seiner Neujahrsansprache 2021. © FAO/Alessandra Benedetti

Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD)

Der International Fund für Agricultural Development ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde 1977 gegründet und hat 178 Mitgliedsländer.

Sein Mandat umfasst die Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die Unterstützung ländlicher Entwicklung, Ernährungssicherung und die Bekämpfung der Armut in ländlichen Gebieten. Im Fokus steht der afrikanische Kontinent.

IFAD ist eine internationale Finanzierungsorganisation; der Fonds finanziert Investitionen in ländliche Entwicklung als Zuschüsse oder stellt Kredite zu vergünstigten Konditionen und Beratung zur Verfügung.

IFAD finanziert sich über freiwillige Beiträge, die für jeweils drei Jahre zugesagt werden. Für 2019-2021 wurden etwas mehr als 1 Mrd. Dollar zugesagt. IFAD hat mehr als 100 Geber; auch die ärmsten Entwicklungsländer leisten Beiträge. Einige Geber ergänzen ihre Beiträge durch Kredite und Programmgebundene Sonderbeiträge, so dass IFAD für 2019-2021 insgesamt 3,5 Mrd. Dollar zur Verfügung standen. Für den Zeitraum 2021-2024 wurden bis Januar 2022 von 94 Ländern rund 1,2 Mrd. Dollar zugesagt. Deutschland zählt zu den wichtigsten Gebern des Fonds.

Welternährungsprogramm (WFP)

Das World Food Programme der Vereinten Nationen wurde 1961 gegründet und hat seinen Sitz in Rom. Das WFP ist eine gemeinsam von der UN-Generalversammlung und der FAO getragene humanitäre Einrichtung, ist also keine eigenständige UN-Sonderorganisation. Sie leistet humanitäre Hilfe in Not- und Krisensituationen. 2020 wurde dem WFP für seinen Einsatz „im Kampf gegen den Hunger und für bessere Friedensbedingungen in Konfliktregionen“ der Friedensnobelpreis verliehen.

2020 unterstützte das WFP als eine global führende Organisation im Kampf gegen Hunger 115,5 Millionen Menschen in 84 Ländern. Größtenteils handelte es sich dabei um die Versorgung von Menschen in Not mit Nahrungsmitteln oder Bargeldtransfers. Außerdem unterstützt das WFP durch Wiederaufbauhilfe, langfristige Ernährungsprogramme, Schulspeisungen und Spezialoperationen z.B. im Bereich der Logistik. Zwei Drittel der Arbeit fanden in von Konflikten betroffenen Gebieten statt.  Das WFP kooperiert dabei insbesondere mit zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Das WFP finanziert sich ausschließlich aus freiwilligen Zuwendungen, vor allem von Regierungen, aber auch von Unternehmen und Einzelpersonen. Durchschnittlich unterstützen jährlich mehr als 60 Regierungen die Arbeit des WFP; 2020 kamen so 8,4 Mrd. Dollar zusammen, 2021 sogar 9,3 Mrd. Dollar. Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Geber.

Das World Food Program WFP gehört zur UN-Familie und ist die größte Nothilfeorganisation weltweit. © FAO/IFAD/WFP/Michael Tewelde

Welternährungsausschuss (CFS)

Das Committee on World Food Security ist keine rechtlich eigenständige UN-Organisation, sondern eine zentrale internationale und zwischenstaatliche Plattform zur Bekämpfung des Hungers und der Verbesserung der Ernährungssicherheit weltweit. Es berichtet an die UN-Generalversammlung durch den Wirtschafts- und Sozialausschuss der UN (ECOSOC) und die FAO-Konferenz.

Das CFS wurde 1974 als zwischenstaatliches Gremium und Steuerungsgremium der FAO eingerichtet und 2009 grundlegend zum Multi-Stakeholder-Komitee reformiert. Es bindet neben Regierungen und UN- und anderen internationalen Institutionen auch zivilgesellschaftliche Organisationen, den Privatsektor sowie Wissenschaft und Forschung mit ein. Gemeinsam entwickeln diese Gruppen Politikempfehlungen, Strategien und freiwillige Richtlinien, die die Bekämpfung des Hungers, die Ernährungssicherung und die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung fördern. Der inklusive Charakter des CFS ist im UN-System einmalig.

Zu den im CFS entwickelten Leitlinien zählen z.B.

Das Plenum des CFS trifft sich alljährlich im Oktober in Rom; bei der FAO in Rom ist auch das CFS-Sekretariat angesiedelt. Die Hochrangige Sachverständigengruppe für Ernährungssicherheit und Ernährung (HLPE - High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition) liefert wissenschaftliche Berichte, die als Grundlage für politische Diskussionen im CFS dienen.

Finanziert wird das CFS gemeinsam von den drei römischen Organisationen FAO, WFP und IFAD. Damit das CFS arbeitsfähig ist, sind zusätzliche freiwillige Beiträge von Mitgliedsstaaten notwendig. Die Bundesregierung zählt zu den politischen und finanziellen Unterstützern des CFS.

Weitere zwischenstaatliche Organisationen mit breiterem Mandat

Neben FAO, IFAD und WFP gibt es eine Reihe von Unter- oder Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, die sich auch, aber nicht auschließlich, mit Ernährung und Landwirtschaft befassen. Dazu zählen die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation/WHO) für den Bereich der Ernährung, das UN-Umweltprogramm (UNEP) z.B. für den Bereich der Umweltverträglichkeit der Agrarproduktion oder das Entwicklungsprogramm der UN (UNDP), das Projekte und Programme in Entwicklungsländern durchführt und die Arbeit der UN-Organisationen vor Ort koordinieren soll.

Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization/WTO) ist die internationale Organisation, die sich mit der Regelung der weltweiten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt. Sie wurde 1995 gegründet und ist die Nachfolgeorganisation des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens GATT mit erweiterter Zielsetzung. Sie ist eine eigenständige Organisation im System der Vereinten Nationen. Zurzeit hat sie 164 Mitgliedstaaten; ihr Sitz ist in Genf.

Die Aufgaben der WTO als Nachfolgeorganisation sind erweitert auf den Abbau von Handelshemmnissen aller Art, um so den internationalen Handel zu fördern. Die WTO umfasst nun auch Dienstleistungen, geistiges Eigentum und landwirtschaftliche Produkte. D.h. auch agrarpolitische Instrumente wie Zölle oder Agrar- und Exportsubventionen. Die Liberalisierung des Agrarhandels bedeutet jedoch nicht, dass es generell keine Handelsschranken mehr geben darf. So dürfen z.B. Maßnahmen zum Schutz vor Tier- oder Pflanzenkrankheiten ergriffen werden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbankgruppe zählen zu den Sonderorganisationen der UN. Sie sowie die regionalen Entwicklungsbanken IDB, AfDB, CDB und ADB (die nicht zum UN-System zählen) sind eigenständige internationale Organisationen mit eigener Mitgliedschaft. Über ihre Programme und Projekte, Kreditbedingungen und makro-ökonomischen Empfehlungen bestimmen sie über die Agrar- und Agrarhandelspolitik in Entwicklungsländern mit; sie können erhebliche Summen bspw. in die Infrastruktur oder den Agrarsektor investieren.

Auch regionale Organisationen wie die EU, ASEAN oder die Afrikanische Union können für die internationale Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle spielen, etwa durch die Handels- und Agrarpolitik. Die Afrikanische Union (AU) verfügt mit dem Agrarförderprogramm CAADP (Comprehensive Africa Agriculture Development Programme), das von der ihrer Implementierungsagentur NEPAD (New Partnership for Africa's Development) umgesetzt wird, über einen politischen Rahmen für die Umgestaltung der Landwirtschaft, für Ernährungssicherheit und Ernährung.

2. Sonstige internationale, rechtlich unabhängige Organisationen für Ernährung und Landwirtschaft

Es gibt zahlreiche internationale, rechtlich unabhängige Organisationen, die sich auf die Themen Ernährung und Landwirtschaft konzentrieren. Einige Beispiele:

Beratungsgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR)

Im Jahr 1971 wurde die Consultative Group on International Agricultural Research gegründet – ein Verbund von 15 Forschungszentren auf fünf Kontinenten. Dazu zählen unter anderem das internationale Reisforschungsinstitut (IRRI), das Mais- und Weizenforschungsinstitut (CIMMYT), das Internationale Forschungsinstitut für Nahrungsmittelpolitik (IFPRI) oder das World Fish Center.

Die CGIAR-Institute stellen neue Erkenntnisse und Technologien bereit, die massgeblich zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Agenda 2030 beitragen sollen.

Ziel von CGIAR ist es, mit Hilfe internationaler Agrarforschung Armut und Hunger zu verringern, die Gesundheit und Ernährung der Menschen zu verbessern und die Resilienz von Ökosystemen zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der CGIAR-Verbund auf landwirtschaftliche Produktivitätssteigerung, einen verbesserten Zugang zu erschwinglichen Grundnahrungsmitteln und Mikronährstoffen sowie einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Die Ergebnisse der Forschungszentren sind allgemein zugänglich und dürfen nicht patentiert werden.

Die CGIAR verfügte im Jahr 2020 über ein Forschungsportfolio von rund 736 Mio. US-Dollar und beschäftigte 11.000 MitarbeiterInnen in mehr als 70 Ländern weltweit. CGIAR bietet unterschiedliche Möglichkeiten für nationale Regierungen, multilaterale Finanzierungs- und Entwicklungsagenturen und private Stiftungen, um Agrarforschungen zu finanzieren. So gibt es die Möglichkeit, in einen Treuhandfonds einzuzahlen – ein mehrjähriger Mechanismus mit mehreren Geldgebern, der finanzielle Mittel für die CGIAR-Forschung und wichtige Systemfunktionen bereitstellt. Alternativ gibt es die bilaterale Finanzierung von bestimmten Projekten einzelner Forschungszentren. Der Treuhandfonds ist die wichtigste Einnahmequelle, danach folgen die Gates-Stiftung, die USA und Deutschland

Globaler Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt (Crop Trust)

Der Global Crop Diversity Trust (Crop Trust) ist eine internationale Organisation mit Sitz in Bonn. Ziel des Crop Trust ist es, die Biodiversität in der Landwirtschaft (Agrobiodiversität) und die Vielfalt von Nutzpflanzen zu bewahren und verfügbar zu halten, um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Er wurde 2004 als unabhängige Stiftung nach internationalem Recht gegründet und fungiert seither als ein Finanzierungsinstrument des Internationalen Saatgutvertrages. Der Sitz war zunächst Rom und wurde 2013 nach Bonn verlegt.

Der Crop Trust unterstützt den Erhalt der wichtigsten Sammlungen pflanzengenetischer Ressourcen. Er unterstützt die globale Verfügbarkeit dieser Ressourcen und bietet hierzu Informationen und technische Hilfe an. Der Crop Trust betreibt auch gemeinsam mit der norwegischen Regierung und dem Nordic Gene Resource Centre den Svalbard Global Seed Vault, den globalen Saatguttresor auf Spitzbergen. Saatgutbanken sammeln und konservieren Saatgut der wichtigsten Kulturpflanzen und deren "wilde" Verwandten und haben eine große Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität und die Nahrungsversorgung der Menschheit.

Zur Erfüllung seiner Aufgaben entnahm der Crop Trust im Jahr 2020 10,7 Mio. Dollar aus den Zinserträgen seines Stiftungsvermögens. Im selben Jahr zahlten Geber insgesamt 17,9 Mio. Dollar neu in den Fonds ein. Davon stammten 12,4 Mio. Dollar von der Bundesregierung. Der Marktwert des Stiftungsvermögens betrug am 31. Dezember 2020 365,5 Mio. Dollar, verglichen mit 312,8 Mio. Dollar Ende 2019. Das Fundraising-Ziel des Crop Trust ist ein Fondswert von 850 Mio. Dollar. Das Erreichen dieses Ziels würde genügend jährliche Einnahmen generieren, um eine stabile, dauerhafte finanzielle Unterstützung für die Sammlung, Konservierung und Verfügbarkeit aller weltweit wichtigen nutzpflanzengenetischen Ressourcen sicherzustellen.

Globale Allianz für verbesserte Ernährung (GAIN)

Die Global Alliance for Improved Nutrition ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Genf. GAIN wurde auf der UN- Sondersitzung 2002 der Generalversammlung für Kinder gegründet und arbeitet heute in Afrika, Asien, Nordamerika und Europa.

Ziel von GAIN ist es, nahrhafte Lebensmittel für die am stärksten von Unterernährung betroffenen Menschen bereitzustellen. Dafür mobilisiert sie öffentlich-private Partnerschaften und leistet finanzielle und technische Unterstützung. Dabei arbeitet GAIN mit Regierungen, UN-Organisationen, dem Privatsektor und Nichtregierungsorganisationen zusammen. GAIN setzt in vielen Bereichen auf marktbasierte Ernährungslösungen.

Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln in großem Maßstab, die Verbesserung und Angemessenheit der Ernährung von Müttern und Kindern sowie die Verbesserung des Nährstoffgehalts von landwirtschaftlichen Produkten.

GAIN ist auch ein Unterstützer von Scaling Up Nutrition. Zusammen mit dem Welternährungsprogramm ist GAIN Mitträger des SUN Business Network.

Die Einnahmen von GAIN betrugen im Jahr 2020 rund 45 Mio. Dollar. Zu den wichtigen Geldgebern zählen die Bill und Melinda Gates-Foundation sowie USAID, die Niederlande, Großbritannien, Kanada und Irland.

Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)

Die Alliance for a Green Revolution in Africa wurde 2006 als eine in Afrika ansässige und geführte Organisation gegründet, die im Rahmen des Comprehensive Africa Agricultural Development Program (CAADP) arbeitet, Afrikas Bezugsrahmen für landwirtschaftliche Transformation, Schaffung von Wohlstand, Ernährungssicherheit und Ernährung, Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Finanziert wurde die Gründung von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) und der Rockefeller Foundation, die Partner von AGRA sind. Sitz von AGRA ist Nairobi.

Die Vision von AGRA ist es, die afrikanische Landwirtschaft „von einem einsamen Überlebenskampf in ein florierendes Geschäft zu verwandeln, das die Bauern in das Zentrum der wachsenden Wirtschaft des Kontinents zu stellen“ (Selbstdarstellung). Helfen sollen dabei u.a. Hochertragssaatgut, Düngemittel, gesunde Böden und ein besserer Markzugang.

Agnes Kalibata, Vorsitzende der Alliance for a Green Revolution on Africa (AGRA), 2016 mit dem damaligen FAO-Generaldirektor Jose Graziano da Silva. © FAO/Giuseppe Carotenuto

AGRA setzte sich zunächst das Ziel, bis 2020 die Ernährungsunsicherheit in 20 Ländern um 50 Prozent zu reduzieren, die Einkommen von 20 Millionen Kleinbauern zu verdoppeln, und 15 Ländern eine Grüne Revolution zu ermöglichen, die Kleinbauern unterstützt, die Umwelt schützt und die Anpassung an den Klimawandel erleichtert. Da sich dieses Ziel als zu ambitioniert herausstellte, änderte man es später dahingehend ab, dass AGRA zu einer Erhöhung der Einnahmen und zu einer verbesserten Ernährungssicherheit von 30 Millionen bäuerlichen Haushalten bis 2021 beitragen und elf Ländern bei ihrer landwirtschaftlichen Transformation helfen wollte.

AGRA hat seit der Gründung etwa 1,4 Mrd. Dollar an Zuschüssen erhalten, den Großteil von der Gates-Stiftung (589 Mio. Dollar), aber auch von anderen Gebern wie den USA, Großbritannien und Deutschland. Im Jahr 2020 betrugen die Einnahmen 96 Mio. Dollar.

DerInternationale Getreiderat 

(International Grains Council, IGC) ist eine zwischenstaatliche Organisation, die das Getreidehandelsübereinkommen von 1995 beaufsichtigt und die Zusammenarbeit im weltweiten Getreidehandel fördern will. Er hat die Aufgabe, die Marktstabilität und die weltweite Ernährungssicherheit zu verbessern, indem er die Marktransparenz verbessert. Das geschieht durch Informationsaustausch und regelmäßige Berichterstattung über Markt- und politische Entwicklungen und Analysen zu den Angebots- und Nachfragegrundlagen im Getreide- und Ölsaatensektor. Mitglieder des IGC sind die 30 Unterzeichnerstaaten des Getreidehandelsübereinkommen. Der Hauptsitz befindet sich in London, wo der IGR die jährliche Getreidekonferenz veranstaltet, die internationale Käufer und Verkäufer, Vertreter der Industrie und politische Entscheidungsträger zusammenbringt.

3. Rechtlich nicht eigenständige internationale Einrichtungen

Ständiger Ausschuss der Vereinten Nationen für Ernährung (UNSCN)

Das United Nations System Standing Committee on Nutrition wurde 1977 als Koordinierungsausschuss durch eine Resolution des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (ECOSOC) gegründet.

Zahlreiche UN-Organisationen arbeiten derzeit an verschiedenen Aspekten von Landwirtschaft und Ernährung. Die Rolle des UNSCN ist die einer Plattform für den Wissensaustausch und für die Erleichterung der Koordination der Arbeit in diesem Bereich, um kohärente und konsistente Politiken, Programme und Initiativen zur Interessenvertretung zu gewährleisten. So soll UNSCN u.a. globale strategischer Leitlinien bereitstellen und Lobbyarbeit im Bereich Ernährung leisten, um Engagement und Investitionen auf höchster Ebene zu gewährleisten und Fortschritte bei der Ernährungssicherheit für alle sicherzustellen; es soll den Dialog und die Verbindungen zwischen UN-Organisationen fördern und Konzepte harmonisieren.

Globales Programm für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit (GAFSP)

Das Global Agriculture and Food Security Program wurde von der G20 als Reaktion auf die Nahrungsmittelpreiskrise 2007/2008 gegründet, um den Bedarf an höheren Investitionen in die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit zu decken. Seit 2010 stellt es zusätzliche finanzielle und technische Ressourcen bereit, um Armut, Hunger und Unterernährung in Ländern mit niedrigem Einkommen zu verringern.

GAFSP ist ein multilateraler Finanzierungsmechanismus, der resiliente und nachhaltige Agrarsysteme unterstützt. Er bietet eine Reihe von öffentlichen und privaten Investitionsinstrumenten wie Zuschüsse, technische Hilfe, Darlehen zu Vorzugsbedingungen, Mischfinanzierungen und Beratungsdienste für die gesamte Wertschöpfungskette. Er bündelt die Ressourcen der Geber und stellt Mittel für Projekte bereit, die im Rahmen von Partnerschaften mit multilateralen Entwicklungsagenturen und Unternehmen durchgeführt werden.

Bäuerinnen an ihren Marktständen mit Produkten am Agricultural Business Center in Simbabwe 2020.

Die Zielgruppe von GAFSP sind vor allem Kleinbauern und –bäuerinnen und ihre Beiträge zur Ernährungssicherheit in Ländern, die am stärksten von Armut betroffen sind. Regierungen bewerben sich mit eigenen Programmen um eine Finanzierung, die in Form von Zuschüssen an staatliche Träger und von Finanzpaketen für private Träger erfolgt. Seit der Gründung vor über zehn Jahren hat GAFSP mit 1,7 Mrd. Dollar über 15 Millionen Erzeuger unterstützt, ihre Produktivität zu erhöhen und die Einkommen zu stabilisieren. Die überwiegende Zahl der Programme zielt auch darauf ab, die Landwirtschaft an Wetterextreme anzupassen.

Zu den Gebern gehören Australien, die Bill & Melinda Gates Foundation, Großbritannien, Kanada, Irland, Japan, die Niederlande, Norwegen, Südkorea und Spanien. Die USA und Deutschland sind die beiden größten Geber.

Scaling up Nutrition (SUN)

Scaling up Nutrition bezeichnet sich selbst als „Bewegung“, ähnelt jedoch mehr einer öffentlich-privaten Partnerschaft oder Initiative. SUN wurde 2010 gegründet, nachdem weltweit zunehmend deutlicher wurde, dass Mangelernährung eine erhebliche Entwicklungsherausforderung darstellt und das internationale System nicht in der Lage war, sie wirksam zu bekämpfen. SUN hat keinen Rechtsstatus, sondern steht unter der Schirmherrschaft des UN-Generalsekretärs, der auch das höchste Entscheidungsgremium von SUN ernennt Das SUN-Sekretariat ist in Genf untergebracht.

SUN handelt nach eigenen Angaben nach dem Grundsatz, dass alle Menschen ein Recht auf Nahrung und gute Ernährung haben und verbreitet Ideen und Normen darüber, wie und warum Mangelernährung verstanden und angegangen werden sollte. In diesem Zusammenhang schlägt SUN spezifische Ernährungsinterventionen (z.B. Unterstützung des Stillens, Anreicherung von Nahrungsmitteln, Mikronährstoffergänzungen) und ernährungssensitive Ansätze vor (z.B. besserer Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen, Unterstützung der Resilienz, Empowerment von Frauen).

61 Länder und vier indische Bundesstaaten haben sich der SUN-Partnerschaft angeschlossen und sich verpflichtet, die Unterernährung zu reduzieren, indem sie ihre nationalen Ernährungsprioritäten aufeinander abstimmen, die Reichweite und Wirkung von Ernährungsprogrammen erhöhen und die Ernährung auf gerechtere und nachhaltigere Weise ausweiten. um die Zivilgesellschaft, Geber, Durchführungsorganisationen, UN-Organisationen, akademische Einrichtungen und den Privatsektor einzubinden, um die nationalen Bemühungen zur Reduzierung der Mangelernährung zu verbessern

SUN unterstützt die Mitgliedsländer nicht direkt mit finanziellen Mitteln, obwohl nichtstaatliche Akteure über einen "Pooled Fund" eine gewisse finanzielle Unterstützung von Gebern erhalten können. Die Hauptform der Unterstützung ist vielmehr der Aufbau technischer Kapazitäten. Der Fonds war für die Zeit von 2018-2020 mit 18,5 Mio. Dollar ausgestattet. Das Sekretariat von SUN sowie der Pooled Fund werden von der Bill & Melinda Gates Foundation, Kanada, der EU, Frankreich, Deutschland, Irland, der Schweiz und Großbritannien finanziell unterstützt.

Ein Ernährungsprojekt in Sierra Leone. Familien kochen mit nahrhaften Lebensmitteln aus der Umgebung. © Kai Loeffelbein / Welthungerhilfe

Nutrition for Growth (N4G)

Nutrition for Growth (N4G) ist eine globale Initiative, die Regierungen, Geber und Philanthropen, Unternehmen, NRO und andere Akteure zusammenbringen will, um dazu beizutragen, Unterernährung zu beenden. Der seit 2013 dritte N4G-Gipfel fand Anfang Dezember 2021 in Tokio statt. Auf dieser Veranstaltung haben staatliche und private Geber mehr als 27 Milliarden US-Dollar zugesagt, um die weltweite Unterernährungs- und Hungerkrise zu bekämpfen. 45 Länder, in denen die Unterernährung stark ausgeprägt ist, und ein Dutzend Geber machten neue politische und finanzielle Zusagen zur Bekämpfung der Unterernährung.

Obwohl Unterernährung die Hauptursache für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ist, wird derzeit weniger als ein Prozent der weltweiten Auslandshilfe für Ernährung ausgegeben. Der Gipfel konzentrierte sich auf die Verbesserung der Ernährungsergebnisse durch eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, die Umgestaltung der Nahrungsmittelsysteme und eine größere Widerstandsfähigkeit in fragilen und konfliktbetroffenen Staaten.

Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie haben die Länder Schwierigkeiten, die finanziellen und wirkungsbezogenen Ziele zu erreichen. Laut Global Nutrition Report 2021 haben die Länder bisher weniger als die Hälfte beider Ziele erreicht. 

4. Sonstige Institutionen, z.B. im Bereich Wissensgenerierung, Advocacy , Politikdialog

Internationales Expertengremium für nachhaltige Lebensmittelsysteme (IPES Food)

Das International Panel of Experts on Sustainable Food Systems ist ein unabhängiges Expertengremium, das seit 2015 die Debatten über den Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen auf der ganzen Welt mitgestaltet. Das Sekretariat des gemeinnützigen Vereins hat seinen Sitz in Brüssel.

IPES-Food hat die Debatte über die Reform globaler Lebensmittelsysteme durch politikorientierte Forschung und direkte Beteiligung an politischen Prozessen beeinflusst. Das Gremium bringt Umweltwissenschaftler, Entwicklungsökonomen, Ernährungswissenschaftler, Agronomen und Soziologen sowie erfahrene Praktiker aus der Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen zusammen – insgesamt 23 Experten aus 16 Ländern und 5 Kontinenten. Diese verfolgen einen systemischen Ansatz, der die komplexe und vernetzte Natur der Herausforderungen in den Ernährungssystemen und die Machtverhältnisse, die die Entscheidungsfindung bestimmen, anerkennt.

IPES-Food nimmt keine Gelder von Regierungen oder Unternehmen an, um in seinen Analysen und Empfehlungen unabhängig sein zu können, wird aber von einer Reihe von privaten und politischen Stiftungen unterstützt.

Malabo Montpellier Panel

Das Malabo-Montpellier-Panel ist eine Plattform internationaler Agrarexperten, um den Dialog und den Austausch zwischen hochrangigen Entscheidungsträgern in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Ernährungssicherheit in Afrika zu erleichtern und politische Innovationen auf der Grundlage der vom Malabo-Montpellier-Panel erarbeiteten Erkenntnisse zu fördern.

Zweimal pro Jahr tritt das Forum zusammen, das politische Entscheidungsträger versammelt, um die Fortschritte der afrikanischen Länder auf dem Weg zu einem integrativen landwirtschaftlichen Wachstum und den Zielen der Erklärung von Malabo zu überprüfen.( Die Malabo-Erklärung, die 2014 von 54 afrikanischen Regierungen verabschiedet wurde, verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, die Zahl der in Armut lebenden Menschen bis 2025 durch ein integratives landwirtschaftliches Wachstum, das Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen und Frauen schafft, zu halbieren.)

Jede Sitzung des Forums wird von einem technischen Bericht begleitet, der von Mitgliedern des Malabo-Montpellier-Panels erstellt wird, einer Gruppe von 17 afrikanischen und internationalen Experten für Landwirtschaft, Ökologie, Ernährung und Ernährungssicherheit. Die Berichte analysieren und beleuchten Bereiche des Fortschritts und positiver Veränderungen auf dem gesamten Kontinent und bewerten, was erfolgreiche Länder anders gemacht haben. Auf der Grundlage dieser Analysen werden in den Berichten die wichtigsten institutionellen Innovationen sowie politische und programmatische Maßnahmen ermittelt, die von anderen Ländern nachgeahmt und ausgebaut werden können.

Das Malabo-Montpellier-Panel versucht auch, europäische und afrikanische Geber über wirksame Wege zur Unterstützung der Armutsbekämpfung durch Investitionen in eine nachhaltige afrikanische Landwirtschaft zu beeinflussen und aufzuzeigen, wie und warum sie die Landwirtschaft unterstützen können.

Das Malabo-Montpellier-Panel wird gemeinsam von AKADEMIYA2063, IFPRI, ReSAKKS, der Universität Bonn und dem Imperial College London veranstaltet und erhält finanzielle Unterstützung von der englischen und deutschen Regierung sowie von der African Development Bank.

5. Zivilgesellschaftliche und Bauernorganisationen

Bauernverbände haben sich in mehreren internationalen Verbänden organisiert. Manche regionalen Bauernorganisationen sind als Lobbygruppen sehr aktiv, insbesondere in den Industrieländern. In den UN, speziell im Welternährungsausschuss, werden sie je nach eigener Einschätzung teils zum Privatsektor, teils zur Zivilgesellschaft gerechnet.

Die Weltbauernorganisation (World Farmers‘ Organisation/WFO) ist ein mitgliederbasierter Verband, der nationale Bauernorganisationen und landwirtschaftliche Genossenschaften aus der ganzen Welt zusammenbringt; ihm gehören mehr als 70 Mitglieder an, darunter der Deutsche Bauernverband. Aufgabe der WFO ist es, die Stimme der Landwirte zu vertreten und in ihrem Namen bei allen relevanten internationalen Prozessen für sie einzutreten – vom globalen Dialog über Landwirtschaft bis hin zu Ernährung und Nachhaltigkeit.

Das World Rural Forum  (WRF) ist ein Netzwerk, das sich für bäuerliche Familienbetriebe und eine nachhaltige ländliche Entwicklung einsetzt. Es besteht aus bäuerlichen Familienverbänden und Organisationen, Organisationen für die ländliche Entwicklung sowie landwirtschaftlichen Genossenschaften und Forschungszentren. Das WRF hat knapp 50 Mitglieder.

La Via Campesina ist eine internationale Bauernorganisation mit 182 Mitgliedsorganisationen aus 81 Ländern. Sie wurde 1993 in Belgien gegründet und beschreibt sich selbst als „globale Stimme der Kleinbauern“ und „eine internationale Bewegung, die Bauernorganisationen kleiner und mittlerer Produzenten, Landarbeiter, Landfrauen und indigener Gemeinschaften aus Asien, Afrika, Amerika und Europa koordiniert”.

Via Campesina setzt sich für eine familienbetriebene nachhaltige Landwirtschaft ein und hat den Begriff „Ernährungssouveränität“ geprägt. Sie führt Kampagnen zur Verteidigung des Rechts der Bauern auf Saatgut, zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen, für eine Agrarreform und allgemein für die Anerkennung der Rechte der Bauern durch.

Auch auf regionaler Ebene haben sich Bauern organisiert. Ein Beispiel ist das Réseau des Organisations Paysannes et de Producteurs de l’Afrique de l’Ouest  (Netzwerk der Bauernorganisationen und landwirtschaftlichen Erzeuger in Westafrika/ROPPA), der 13 nationale und zwei assoziierte Bauernorganisationen angehören. Seit seiner Gründung im Juni 2000 in Cotonou hat sich ROPPA als Instrument zum Schutz und zur Förderung der bäuerlichen Familienbetriebe positioniert, die das wichtigste System der land-, forst- und weidewirtschaftlichen Produktion in Westafrika darstellen.

Frauen haben in vielen Ländern Afrikas wenig zu sagen. Die Bäuerinnenorganisation Rural Women Assembly (RWA) vernetzt deshalb Frauen aus neun Ländern des südlichen Afrika, damit ihre Stimme und ihre Anliegen besser gehört werden – im Interesse einer vielfältigen zukunftsfähigen Landwirtschaft, die alle ernährt.

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NRO) in Industrie- wie Entwicklungsländern beschäftigen sich seit langem mit (Welt)Ernährungsfragen und Landwirtschaftspolitik. Auch in formalen Institutionen wie den UN sind die NROs mittlerweile sehr aktiv, beispielsweise haben sie im CFS einen eigenständigen Civil Society Mechanism (CSM), und auch in privatwirtschaftlichen, Standard-setzenden Gremien oder in öffentlich-privaten Partnerschaften sind NROs zunehmend präsent. Einige Beispiele:

NRO organisieren sich in wachsendem Maße auch international, zum Teil in sog. Familien mit einer zentralen Koordinierungsstelle, zum Teil in Allianzen. Beispiele für Familien sind Oxfam, Care oder Action Aid, Beispiel für einen Allianz ist z.B. die Alliance2015, eine strategische Partnerschaft von acht europäischen NRO mit einem Themenschwerpunkt Ernährungssicherung, darunter die Welthungerhilfe, Helvetas (Schweiz) und Concern Worldwide (Irland).

Grain, eine kleine, dezentral organisierte internationale Organisation, unterstützt Kleinbauernbewegungen und Netzwerke in Afrika, Asien und Lateinamerika in ihrem Widerstand gegen Agrarmultis und gegen diskriminierende Handels- und Landwirtschaftspolitiken. Ziel ist es, von den Bauern und Bäuerinnen selbst kontrollierte Ernährungssysteme zu fördern, die auf Saatgutvielfalt, Erhaltung der Artenvielfalt und ökologischer Landwirtschaft beruhen. Grain, ursprünglich in Barcelona beheimatet, arbeitet heute von elf Ländern auf vier Kontinenten aus und wird überwiegend von anderen NRO und kleineren Stiftungen finanziert.

FIAN, das FoodFirst Information- and Action Network, setzt sich als internationale Menschenrechtsorganisation dafür ein, dass alle Menschen frei von Hunger leben und sich selbst ernähren können. Ausgehend von der Unteilbarkeit und Universalität der Menschenrechte kämpft FIAN für die weltweite Verwirklichung des Rechtes auf Nahrung. Das schließt die Möglichkeit eines jeden Menschen ein, vor nationalen und internationalen Gerichten zu klagen, wenn dieses Recht verletzt wird. FIAN arbeitet über nationale Sektionen und Netzwerke in 50 Ländern. Sitz des internationalen Büros ist Heidelberg. Finanziert wird FIAN durch europäische Regierungen, Stiftungen und andere NRO.

Frau steht an Stacheldrahtzaun.
Blick über den Stacheldraht: Frauen sind die verwundbarste Gruppe, wenn es um Landrechte geht. © Jason Taylor/ILC

Die International Land Coalition (ILC) ist ein globales Bündnis von über 260 zivilgesellschaftlichen und zwischenstaatlichen Organisationen in 78 Ländern. Durch die Koalition arbeiten die Mitglieder auf ein Ziel hin: Eine auf die Menschen ausgerichtete Landbewirtschaftung zu erreichen. Das Ziel besteht darin, die Menschen, die auf und von dem Land leben, in den Mittelpunkt der Entscheidungsfindung zu stellen, auch in Bezug auf ihre Ernährungssysteme.

Auf globaler Ebene hat die ILC dazu beigetragen, dass Landrechte für die Entwicklungsagenda von zentraler Bedeutung sind. Zum Beispiel zur Bereitschaft der Regierungen, in den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) globale Ziele zur Landbewirtschaftung festzulegen. Darüber hinaus hat die ILC die Messlatte für Standards guter Praxis in der Landpolitik höher gelegt. Außerdem hat sie große Aufmerksamkeit für das Thema Land Grabbing erzielt.

Das ILC-Sekretariat ist seit ihrer Gründung im Jahr 1995 im IFAD-Gebäude in Rom angesiedelt. Wichtigste Geber sind die EU, IFAD sowie die Regierungen Deutschlands, der Schweiz, der Niederlande, Schwedens und Irlands.

Die International Federation of Organic Agriculture Movements, die ihren Namen 2015 in IFOAM – Organics International verändert hat, ist eine internationale Vereinigung mit dem Ziel einer weltweiten Einführung ökologischer, sozialer und ökonomisch sinnvoller Systeme, die auf den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft beruhen. Die Vereinigung wurde 1972 vom damaligen Präsidenten des französischen biologischen Bauernverbandes gegründet. Laut Jahresbericht 2020 hat IFOAM über 700 Mitglieds- und Partnerorganisationen in mehr als 100 Ländern. Der Sitz des Hauptbüros ist in Bonn.

IFOAM ist ein in Deutschland eingetragener gemeinnütziger Verein. Seine Mitglieder sind Organisationen und Unternehmen, die im ökologischen Landbau und der ökologischen Lebensmittelwirtschaft tätig sind.

IFOAM will den ökologischen Landbau und ähnliche Ansätze, zertifiziert oder nicht zertifiziert, verbreiten sowie die Qualität und Anzahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe steigern. Neben anderen Aktivitäten hat IFOAM einen Standard für ökologische Landwirtschaft und ein Rahmenwerk für Öko-Zertifizierungen entwickelt, das richtungsweisend für z. B. die EG-Öko-Verordnung war.

Die Organisation erzielte 2020 Einnahmen in Höhe von 3,2 Mio. Euro; darin sind jedoch nicht die Einnahmen der selbstorganisierten regionalen Strukturen enthalten (rund 2 Mio. Euro). Zu den wichtigsten Geldgebern zählen die Niederlande, die Schweiz, die EU und Deutschland.

6. Privatsektor

Der Privatsektor im Agrar- und Ernährungsbereich umfasst viele Gruppen, die sich international organisiert haben. Dazu zählen Erzeuger, Hersteller und Weiterverarbeiter u.a. landwirtschaftlicher oder zur Ernährung bestimmter Produkte. Dazu zählen auch Lieferanten von Betriebsmitteln und Investitionsgütern, Groß- und Einzelhändler sowie andere Dienstleister wie Banken, Ernteversicherer oder Beratungsdienste.  Beispiele für derartige Zusammenschlüsse sind etwa die International Dairy Federation, die die Interessen der Milchwirtschaft vertritt - von der Milcherzeugung, über die Milchverarbeitung bis hin zur Vermarktung von Milchprodukten. Ein sehr einflussreicher Verband ist die International Fertilizer Association (IFA) mit Sitz in Paris. Sie ist der einzige globale Düngemittelverband und hat mehr als 430 Mitglieder, die alle Akteure der Düngemittel-Wertschöpfungskette umfassen, von den Herstellern über die Händler und Vertreiber bis hin zu Dienstleistern, Beratern, Forschungsorganisationen und NRO.

Ebenfalls als sehr einflussreich gilt CropLife International, ein weltweiter Verband, der die pflanzenwissenschaftliche Industrie (plant science) vertritt und über ein Netzwerk von regionalen und nationalen Verbänden in fast 80 Ländern verfügt. Zu seinen Mitgliedern gehören die weltweit größten Unternehmen der Agrarbiotechnologie und der landwirtschaftlichen Pflanzenschutzmittel-Herstellung, nämlich BASF, Bayer CropScience, Corteva, FMC Corp, Sumitomo und Syngenta.

Parallel zur Internationalisierung der Agrar- und Ernährungssicherungspolitik gibt es Tendenzen, dass sich der Privatsektor stärker global engagiert, z.B. im Rahmen von Selbstverpflichtungen von privatwirtschaftlichen Unternehmen gegenüber der UN. Im Welternährungsausschuss CFS gibt es einen separaten Private Sector Mechanism (PSM), der eine organisierte Teilnahme dieser Akteursgruppe ermöglichen soll. Viele der international organisierten Verbände unterhalten enge Verbindungen zur FAO oder haben sich an Vorbereitungen und Durchführung des Food Systems Summit der UN im Jahr 2021 beteiligt. Gerade in den Industrie- und Schwellenländern spielen oft große Konzerne eine dominierende Rolle, und in einigen Bereichen wie Saatgut, Getreidehandel oder Dünge- und Pflanzenschutzmittelproduktion gibt es eine große wirtschaftliche Konzentration. In anderen Branchen ist im Nahrungsgewerbe aber auch ein mittelständisches, wenig international vernetztes Unternehmertum zu finden.

Bill Gates unterhält sich mit FAO-Generaldirektor Qu Dongyu am Rande der UN-Generalversammlung 2019 in New York. © FAO/Roberto Schmidt

7. Private Stiftungen

Nicht erst in jüngster Zeit haben private Stiftungen einen großen Einfluss auf die internationale Ernährungs- und Agrarwirtschaft. Bereits in den 1940er Jahren gab es eine Zusammenarbeit zwischen der Rockefeller Foundationund der mexikanischen Regierung, um die Produktion von Weizen, Mais und Bohnen zu steigern – ein Vorläufer der Grünen Revolution, die in den 1960er Jahren begonnene Entwicklung landwirtschaftlicher Hochleistungs- bzw. Hochertragssorten und deren Verbreitung in Entwicklungsländern, verbunden mit Bewässerung, mineralischer Düngung und Pflanzenschutz. Damals war u.a. die Ford Foundation daran beteiligt, Weizen-Hochertragssorten in Indien anzubauen.

Heute zählt vor allem die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation zu den großen Förderern der Agrarwirtschaft, in die sie einige Milliarden Dollar investiert hat. Sie unterstützt mit diesen Mitteln Forschung und Entwicklung, Agrarpolitik und Marktzugang. Größtes Projekt ist die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA, s.o.), die auch aus Mitteln der Rockefeller Foundation gegründet gefördert wird. Da die Gates-Stiftung gut mit Politik und Wissenschaft zusammenarbeitet, ist ihr Einfluss besonders groß.

Es gibt aber auch eine große Anzahl kleinerer Stiftungen, die sich im internationalen Agrar- und Ernährungssektor engagieren. Ohne sie könnten viele kritische Organisationen nicht überleben.

Prträt: Ulrich Post, Leiter Team Grundsatzfragen.
Ulrich Post Mitglied im Redaktionsbeirat
Letzte Aktualisierung 17.02.2022

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