Lebensmittelpreise werden wahrscheinlich hoch und volatil bleiben
Wie im internationalen Agrarhandel Kriege, Zollkonflikte und Währungseffekte die Preise beeinflussen. Arme Länder leiden unverhältnismaßig unter Inflationsrisiko und Ernährungsunsicherheit.
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Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Lebensmittelpreise weltweit gestiegen. Zwar hat sich der Anstieg der Lebensmittelpreise zuletzt verlangsamt, doch die Sorge um steigende Lebenshaltungskosten bleibt weit verbreitet. Warum ist das so? Müssen wir damit rechnen, dass die Kosten für unsere täglichen Mahlzeiten in absehbarer Zukunft noch weiter steigen werden?
Globale Lebensmittel-Preisschocks
Die internationalen Märkte für Nahrungsmittel haben nicht nur aufgrund der durch die Corona-Lockdowns verursachten Versorgungsengpässe unter starkem Druck gestanden. Seitdem wirkten sich geopolitische Konflikte – insbesondere der Ukrainekrieg – und extreme Wetterereignisse in wichtigen Anbaugebieten, wie die Überschwemmungen in Indien im Jahr 2023, auf die Märkte aus. Dies alles hat zu schwankenden und steigenden internationalen Preisen für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis, Mais, Pflanzenöle sowie Fleisch- und Milchprodukte geführt.
Der Lebensmittelpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der sich aus den Preisen dieser international gehandelten Grundnahrungsmittel zusammensetzt, zeigt seit 1990 einen starken Aufwärtstrend, der jedoch von Schwankungen geprägt ist (Abbildung 1). Während die Corona-Pandemie im Jahr 2020 eine globale Rezession auslöste, führten Störungen in den Lebensmittellieferketten zu einem gewissen Aufwärtsdruck auf die Preise. Die Inflation der Lebensmittelpreise beschleunigte sich jedoch mit der Erholung der Weltwirtschaft ab 2021, was unter anderem auf eine höhere Verbrauchernachfrage zurückzuführen ist, die durch staatliche Konjunkturprogramme unterstützt wurde. Zusammen mit anhaltenden Störungen in den Lieferketten führte dies zu einem Anstieg der Energiepreise und somit auch der Preise für Agrarrohstoffe.
Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine stiegen die Lebensmittelpreise im Jahr 2022 deutlich über ihren historischen Trend hinaus. Beide Länder sind wichtige Produzenten von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Sonnenblumen sowie von Ölsaaten. Russland ist zudem ein bedeutender Produzent von Düngemitteln (Vos et al. 2023).
Die Preisspitzen wurden durch schwere Dürren verschärft, die 2022 die Ernten in wichtigen Anbaugebieten im Mittleren Westen der USA und in den westlichen Provinzen Kanadas beeinträchtigten. Hinzu kamen Exportbeschränkungen, die viele Länder für bestimmte Lebens- und Düngemittel verhängten (Martin et al. 2024). In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 ließen einige dieser Belastungen nach, sodass die Preise auf den internationalen Märkten vorübergehend sinken konnten. Die Aufhebung der meisten Sanktionen und Verbote für den Handel mit Lebensmitteln und Düngemitteln Mitte 2022 trug beispielsweise zur Erholung der Versorgung mit international gehandelten Grundnahrungsmitteln und zu einem Rückgang der internationalen Preise bei.
Der Handelskrieg der USA
Die Auswirkungen des von den USA Im Jahr 2025 ausgelösten Handelskriegs sind noch ungewiss (Piñeiro et al. 2025). Die Zollerhöhungen wirken sich auch auf Agrar- und Lebensmittelrohstoffe aus und führen in erster Linie zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise in den USA. Es ist noch zu früh, um die Folgen für andere Länder abzuschätzen.
Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der neue Protektionismus in den Vereinigten Staaten viele Netto-Lebensmittelexporteure (wie Brasilien und Argentinien) auf andere Märkte drängt und dass die Zollerhöhungen (auf alle Produkte) das globale Wirtschaftswachstum wahrscheinlich verlangsamen werden. Beides könnte sich dämpfend auf die Lebensmittelpreise für Netto-Lebensmittelimporteure auswirken, allerdings zum Preis geringerer eigener Einkommensmöglichkeiten.
Gleichzeitig blieben aufgrund des anhaltenden Ukrainekriegs die Märkte für Weizen, Mais und Düngemittel angespannt. Überschwemmungen in Indien und anderen Teilen Südasiens trieben zudem die internationalen Reispreise in die Höhe. Der US-Dollar hat im Jahr 2025 gegenüber anderen wichtigen Währungen stark an Wert eingebüßt. Da der internationale Rohstoffhandel überwiegend in US-Dollar abgewickelt wird, führt ein schwächerer Dollar zu höheren Rohstoffpreisen, da Händler bei einem Wertverlust des Dollars einen höheren Nominalpreis verlangen. Dies hat vorerst zu einem neuen Aufwärtstrend bei den internationalen Lebensmittelpreisen geführt (Abbildung 1), so dass die Preise im historischen Vergleich hoch bleiben.
Abb. 1 Internationale Preise für Grundnahrungsmittel, 01/1990-08/2025 (Index 2014-16=100)
Was bedeutet das für Verbraucher und Ernährungssicherheit?
Für Verbraucher sind die Folgen dieser Marktentwicklungen nicht immer unmittelbar spürbar, da der Großteil der weltweit konsumierten Lebensmittel von inländischen Anbietern stammt. Dennoch haben die vielfältigen Schocks die Lebensmittelpreise für Verbraucher weltweit in die Höhe getrieben. Laut einer aktuellen Analyse verschiedener UN-Organisationen (FAO u.a. 2025) waren die durch Versorgungsengpässe infolge der Corona-Pandemie und den Ukrainekrieg verursachten globalen Lebensmittel- und Energiepreisschocks in den Jahren 2021 und 2022 zu 47 Prozent für die Preisanstiege von Lebensmitteln für Verbraucher in den USA und zu 35 Prozent in den Ländern der Eurozone verantwortlich. Dies zeigt, dass internationale Schwankungen der Lebensmittelpreise nicht vollständig auf die Inlandspreise durchschlagen.
Verbraucher in Ländern mit niedrigem Einkommen sind seit dem Ausbruch von Corona unverhältnismäßig stark von steigenden Lebensmittelpreisen betroffen. Während die durchschnittliche globale Lebensmittelpreisinflation von 2,3 Prozent im Dezember 2020 auf über 14 Prozent im Januar 2023 stieg und sich anschließend im August 2025 auf 4,5 Prozent abkühlte, erlebten Länder mit niedrigem Einkommen deutlich stärkere Anstiege: Ihre jährlichen Teuerungsraten erreichten im August 2024 einen Höchststand von über 50 Prozent und lagen ansonsten seit Anfang 2023 bei etwa 25 Prozent oder höher (Abbildung 2). Auch in Ländern mit mittlerem Einkommen blieben die Inflationsraten deutlich über denen in Ländern mit hohem Einkommen. In den letzten zwei Jahren sind sie jedoch von zweistelligen auf einstellige Werte gesunken.
Abb. 2 Inflationsraten für Verbraucherpreise nach Ländergruppen (jährlich, zum Vorjahr, in Prozent)
Inländische Faktoren und höhere Lebensmittelpreise
Auch wenn höhere Preise teilweise durch globale Preisentwicklungen bedingt sind, haben inländische Faktoren starken Einfluss ausgeübt. Das erklärt auch die großen Unterschiede bei den Inflationsraten in Entwicklungsländern.
Konflikte und die damit verbundenen Störungen in der Nahrungsmittelproduktion und -verteilung haben in mehreren armen Ländern zu höheren Lebensmittelpreisen geführt, insbesondere in Äthiopien, Haiti, dem Sudan und dem Südsudan. Im Sudan hat beispielsweise der anhaltende Bürgerkrieg zu einer Nahrungsmittelknappheit beigetragen und die Inflation der Lebensmittelpreise weiter angeheizt. Diese erreichte Anfang 2021 fast 600 Prozent. Obwohl keine offiziellen Daten mehr veröffentlicht werden, wird geschätzt, dass die Inflation seitdem deutlich über 50 Prozent liegt. Laut dem Marktmonitor des Welternährungsprogramms (WFP) sind die Kosten für einen lokalen Warenkorb im August 2024 um 153 Prozent im Vergleich zu 2023 gestiegen. Die erneuten politischen Spannungen im Südsudan haben die Lebensmittelinflation dort seit Ende 2023 auf heute weit über 100 Prozent erhöht.
In vielen anderen Ländern haben die fiskal- und geldpolitischen Reaktionen auf die Corona-Pandemie und andere Schocks den Inflationsdruck verstärkt. Fiskalische Anreize und geldpolitische Expansionsmaßnahmen zur Bekämpfung des durch die Pandemie und andere Schocks verursachten wirtschaftlichen Abschwungs haben die Nachfrage nach Lebensmitteln wieder angeheizt. Die Lebensmittelversorgung litt allerdings weiterhin unter Störungen und auch die nationalen Währungen schwächelten, was zu einem Anstieg der Importkosten führte. Dies zusammen schuf ein stark inflationäres Umfeld, das sich nicht nur auf Lebensmittel, sondern auf alle Waren und Dienstleistungen auswirkte.
Im Zeitraum 2021–2023, in dem die hohen Lebensmittelpreise die Kaufkraft der Verbraucher schmälerten (vgl. ILO 2024; FAO u.a. 2025), blieb das Wachstum der Einkommen generell hinter den Preissteigerungen zurück. Dies betraf insbesondere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Erholung der Löhne verlief in den einzelnen Ländern uneinheitlich. Nur in wenigen Ländern konnten die Löhne mit den steigenden Lebensmittelpreisen Schritt halten. In den meisten anderen Ländern gingen die Realeinkommen zurück. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO, 2024) haben zwar mehr als die Hälfte der 160 untersuchten Länder die Mindestlöhne in den Jahren 2023 und 2024 erhöht, doch reichte dies in den meisten Fällen nicht aus, um die Einbußen der beiden Vorjahre auszugleichen.
Diese Trends haben die Kaufkraft der Haushalte geschwächt und insbesondere die Ernährungssicherheit einkommensschwacher Gruppen gefährdet. Laut FAO u.a. (2025) geht ein Anstieg der inländischen Lebensmittelpreise um zehn Prozent mit einer Zunahme der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen um 3,5 Prozent einher. Wie wir gesehen haben, lag die Lebensmittelinflation in Ländern mit niedrigem Einkommen seit 2021 deutlich über zehn Prozent und auch in Ländern mit mittlerem Einkommen lag sie im zweistelligen Bereich. Dies ist eine der Hauptursachen für den Anstieg der weltweiten Hungerzahlen um mehr als 45 Millionen Menschen im Zeitraum 2021–2022 (FAO u.a. 2025).
Mit nachlassender Lebensmittelverteuerung und einer gewissen Erholung der Kaufkraft der Haushalte in vielen Ländern im Jahr 2024 sind die Zahlen der hungernden Menschen weltweit von 695 Millionen im Jahr 2022 auf geschätzte 673 Millionen im Jahr 2024 gesunken (FAO u.a. 2025).
Das Inflationsrisiko für die Ernährungssicherheit bleibt jedoch in vielen Ländern mit niedrigem Einkommen bestehen, insbesondere in Konfliktregionen. Viele dieser Staaten liegen in Afrika, wo die Zahl der hungernden Menschen von 273 Millionen im Jahr 2022 auf 307 Millionen im Jahr 2024 gestiegen ist.
Werden die Lebensmittelpreise weiterhin hoch bleiben?
Der Preisauftrieb für Lebensmittel ist gegenüber den Höchstständen vor einigen Jahren deutlich zurückgegangen. So fällt der Anstieg inzwischen deutlich moderater aus, doch spüren die meisten Verbraucher weltweit weiterhin steigende Preise. Ist dies ein Hinweis darauf, dass Lebensmittel in Zukunft immer teurer werden? Da es weltweit mehr als genug Lebensmittel gibt, um alle Menschen zu ernähren (Martin & Vos 2024), sollte man meinen, dass dies kein Grund zur Sorge ist.
Weltweit sorgen häufige Versorgungsengpässe und der ungleiche Zugang zu Lebensmitteln und anderen Ressourcen jedoch zu Verknappungen, die zu Preisschocks bei Lebensmitteln führen – manchmal global, häufiger aber lokal, insbesondere in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen. Darüber hinaus haben die Folgen des Klimawandels und unzureichende Investitionen in neue Agrartechnologien zu einem deutlichen Rückgang im Produktivitätswachstum geführt (Martin & Vos 2024). Dies stellt einen strukturellen Faktor dar, der einen Anstieg der Lebensmittelpreise bewirkt.
Lebensmittelsysteme verursachen darüber hinaus ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Sie sind maßgeblich für die Verschlechterung der Boden- und Wasserqualität sowie den Verlust der biologischen Vielfalt verantwortlich. Um die Nahrungsmittelsysteme klimaresistenter zu machen und ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern, sind dringend grundlegende Veränderungen erforderlich (Bezner Kerr u.a. 2022). Ohne derartige Veränderungen wird die Nahrungsmittelproduktion in Zukunft vor noch größeren Herausforderungen stehen.
Um die strukturellen Ursachen für die Inflation und Volatilität der Lebensmittelpreise einzudämmen, werden Investitionen in widerstandsfähige Agrar- und Ernährungssysteme weltweit unabdingbar sein. Allerdings sind mit solchen Investitionen Kosten verbunden, da sie von den Regierungen weltweit erheblich höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Infrastruktur und Anreize für Landwirte sowie für Agrar- und Lebensmittelunternehmen erfordern, um klimaresistente und emissionsmindernde Technologien, nachhaltige Land- und Bewässerungspraktiken sowie eine Verbesserung der Lagerung, des Transports und der Effizienz der Lieferketten einzuführen. Dies kann nur durch nachhaltige, langfristige Anstrengungen erreicht werden.
Mit der Zeit könnte dies dazu beitragen, die Lebensmittelkosten wieder zu senken. Für die absehbare Zukunft ist jedoch davon auszugehen, dass die Preise für Lebensmittel instabil bleiben und weiter steigen werden. Kurzfristig sollten die politischen Entscheidungsträger in den wichtigsten Erzeugerländern aus den Fällen lernen, in denen bei steigenden Lebensmittelpreisen Exportbeschränkungen verhängt wurden. Selbst wenn diese in guter Absicht erfolgen, um die Verbraucher im eigenen Land vor hoher Inflation zu schützen, haben solche restriktiven Handelspolitiken tendenziell einen gegenteiligen Effekt und verschärfen die Preisschocks auf den globalen Märkten (Martin u.a. 2024).
Für Länder, die Lebensmittel importieren, ist der Handel ein stabilisierender Faktor in Zeiten globaler oder nationaler Versorgungsschocks. Allerdings ist freier Handel kein Allheilmittel. Um stabilere Nahrungsmittelmärkte, eine angemessene Versorgung und einen besseren Zugang zu Nahrung zu erreichen, müssen produktivere, ressourceneffizientere und klimaresistentere Lebensmittelsysteme geschaffen werden.
Literatur:
Bezner Kerr, R., T. Hasegawa, R. Lasco, and others, 2022. Food, Fibre, and Other Ecosystem Products. In: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA, pp. 713–906, https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/chapter/chapter-5/
FAO, IFAD, UNICEF, WFP, and WHO. 2025. The State of Food Security and Nutrition in the World 2025. Rome: Food and Agriculture Organization of the United Nations. https://openknowledge.fao.org/bitstreams/e612e779-ec47-44c2-a3e0-499569c3422d/download
ILO. 2024. Global Wage Report 2024-25. Geneva: International Labour Organization. https://www.ilo.org/publications/flagship-reports/global-wage-report-2024-25-wage-inequality-decreasing-globally
Martin, Will and Vos, Rob. 2024. The SDGs and food system challenges: Global trends and scenarios toward 2030. IFPRI Discussion Paper 2237. Washington, DC: International Food Policy Research Institute. https://hdl.handle.net/10568/138940.
Martin, Will, Mamun, Abdullah, Minot, Nick, and Vos, Rob. 2024. Trade policy and food price volatility: Beggar thy neighbor or beggar thyself? IFPRI Blog Research Post. June 7. https://www.ifpri.org/blog/trade-policy-and-food-price-volatility-beggar-thy-neighbor-or-beggar-thyself/
Piñeiro, Valeria, Gianatiempo, Juan Pablo, Traoré, Fousseini, and Glauber, Joseph. 2025. New U.S. tariff policies: What’s at stake for sub-Saharan Africa? IFPRI Blog Issue Post. May 6. https://www.ifpri.org/blog/new-u-s-tariff-policies-whats-at-stake-for-sub-saharan-africa/
Vos, Rob, Glauber, Joseph, and Laborde, David, 2023. Is food price inflation really subsiding? IFPRI Blog Issue Post. January 24. https://www.ifpri.org/blog/food-price-inflation-really-subsiding/



