Ein Ranking der „Entwicklungsfreundlichkeit“
Der Commitment to Development Index 2025 misst mehr als blanke Finanzierung.
Seit 2003 veröffentlicht das Washingtoner Center for Global Development jährlich den Commitment to Development Index (CDI). Der CDI bewertet reiche Länder und einige mit mittlerem Einkommen danach, wie ihre politischen Entscheidungen die Menschen in den ärmeren Ländern beeinflussen. Dabei geht der Index über die gewohnten Vergleichsgrößen wie die Finanzierung von Entwicklungshilfe hinaus. Er vergleicht die „Entwicklungsfreundlichkeit“ einer Reihe von Politikbereichen der Länder.
Der CDI 2025 nutzt mehr als 40 Indikatoren, um Rankings für jeden der acht ausgesuchten politischen Bereiche sowie für das Gesamtengagement der ausgewählten Länder für Entwicklung zu erstellen. Unter den drei Oberkategorien a) Entwicklungsfinanzierung, b) Austausch und c) Globale öffentliche Güter finden sich die Bereiche a) Qualität und Quantität der Finanzierung, b) Investitionen, Migration, Handel, und c) Umwelt, Gesundheit, Sicherheit und Technologie.
Länder erzielen gute Ergebnisse z.B. für großzügige und hochwertige Entwicklungsfinanzierung, für transparente Investitionen, niedrige Handelsbarrieren gegenüber armen Ländern, oder für eine offene und integrationsfördernde Migrationspolitik. Politische Maßnahmen zum Vorteil globaler öffentlicher Güter erzielen ebenfalls hohe Punktzahlen. Dazu zählen Klimaschutz und Schutz der biologischen Vielfalt, die Förderung der globalen Gesundheit durch Prävention, Unterstützung der technologischen Forschung sowie der Beitrag zur globalen Sicherheit.
Für den Commitment to Development Index 2025 wurden 38 Länder bewertet, darunter acht mit mittlerem Einkommen. Schweden führt das Gesamt-Ranking an, gefolgt von Deutschland und Norwegen. Finnland und Großbritannien belegen die Plätze vier und fünf. Das gute Abschneiden Deutschlands hängt auch mit seiner Einwanderungspolitik zusammen, die von den Autoren auf Platz eins gesetzt wurde.
Die letzten fünf Plätze im Gesamtranking nehmen China, Indonesien, Indien, Mexiko und Argentinien ein. Unter den OECD-Ländern schneiden Polen (Rang 27) und die USA (Rang 28) am schlechtesten ab.
In einem aufwändigen Verfahren erstellten die Wissenschaftler auch ein zweites einkommensangepasstes Ranking der 38 Länder, mit Berücksichtigung des Bruttonationaleinkommens pro Kopf, in dem Deutschland Platz eins belegt, gefolgt von Portugal und Schweden.
Insgesamt stellt der CDI fest, dass eine Mehrheit der untersuchten Länder weniger Geld für internationale Entwicklung ausgegeben hat als 2023. Diese Feststellung erfolgte noch vor den Ankündigungen einiger Länder, ihre Entwicklungs-Budgets z.T. sehr stark zu kürzen. Auffallend ist auch, dass viele Länder den Anteil ihrer Entwicklungsfinanzierungen an multilaterale Organisationen reduzierten. Verbesserungen gab es dagegen auf anderen – auch entwicklungsrelevanten – Gebieten. Dazu zählen gestiegene Zahlen bei der Aufnahme von Migranten und Geflüchteten und die Senkung der Emissionen pro Kopf in der Mehrzahl der 38 Länder. Jedoch stiegen die Subventionen für fossile Brennstoffe wieder. Im Handelsbereich sind die Folgen der Zollpolitik der zweiten Regierung Trump noch nicht erfasst, aber es ist jetzt schon klar, dass sie erheblichen negativen Einfluss auf Länder mit niedrigem Einkommen haben.
28 der 38 Länder haben zudem schädliche landwirtschaftliche Subventionen gesenkt – das gilt jedoch nicht für die EU-Länder und ihre gemeinschaftliche Agrarpolitik. Bei den Schlüsselindikatoren für Sicherheit machen sich die steigenden geopolitischen Spannungen und Konflikte bemerkbar. Doch die Unterstützung von Peacekeeping- Truppen z.B. ist von der Hälfte der 38 Länder gekürzt worden. Gestiegen sind dagegen die Rüstungsexporte.
