Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

  • Entwicklungspolitik & Agenda 2030
  • 08/2025
  • Ulrich Post

Höhere Steuern für Superreiche?

Prinzipiell wollen die führenden Industrie- und Schwellenländer eine wirksamere Besteuerung von Milliardären. Eine Umsetzung steht in den Sternen.

Laut dem World Inequality Report von 2022 besitzen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung gut drei Viertel des globalen Vermögens. Die ärmsten 52,5 Prozent teilen sich etwa 1,2 Prozent. Auch innerhalb fast aller Länder sind die Vermögen sehr ungleich verteilt; in Deutschland z.B. besitzt das reichste Prozent rund ein Drittel des Privatvermögens. Diese Ungleichverteilungen führen zu Spannungen und Ungerechtigkeitsempfinden.

Die fehlende globale Kooperation in Steuerfragen führt zudem zu einem Steuerwettbewerb, in dem sich Staaten gegenseitig unterbieten. Ungleiche Besteuerung und Steuerflucht entziehen den staatlichen Haushalten viel Geld. Eine globale Mindeststeuer auf Vermögen könnte dem entgegenwirken.

Das jedenfalls brachte die brasilianische Regierung dazu, während ihrer G20-Präsidentschaft im Jahr 2024 die Idee einer globalen Mindeststeuer auf die Tagesordnung zu setzen. Und tatsächlich haben sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer bei ihrem Treffen in Brasilien Ende 2024 darauf verständigt, künftig für eine wirksame Besteuerung von Milliardären zusammenzuarbeiten. „Unter voller Beachtung der Steuerhoheit wollen wir gemeinsam sicherstellen, dass Individuen mit einem ultrahohen Vermögen effizient besteuert werden“, heißt es in der Gipfelerklärung.

Die Grundidee für eine Superreichen-Steuer entwickelte der französische Ökonom Gabriel Zucman im Auftrag der brasilianischen Regierung. Er schlug in zwei Szenarien vor, dass Privatpersonen mit einem Vermögen von über 1 Mrd. bzw. von über 100 Mio. US-Dollar jährlich mindestens zwei Prozent ihres Vermögenswertes als Steuer entrichten. Andere Steuern, wie etwa auf Kapitalerträge, würden angerechnet. Eine Milliardärssteuer würde laut Zucman  jährlich global 200-250 Mrd. US-Dollar mehr Staatseinnahmen einbringen; würde man alle mit einem Vermögen über 100 Mio. US-Dollar einbeziehen, kämen noch 100 bis 140 Mrd. US-Dollar dazu.

Der  Wortlaut der G20-Erklärung ist jedoch so vage, dass niemand mit einer schnellen Umsetzung des Mindeststeuerplans rechnet. Denn es gilt die Steuerhoheit der einzelnen Staaten; sie sind nicht verpflichtet, eine solche Steuer auch einzuführen. Zudem lässt die Schlusserklärung offen, wer genau superreich ist und wie viel Steuern Superreiche genau zahlen sollen. Insbesondere die USA, aber auch Deutschland, hatten sich gegen eine Milliardärssteuer ausgesprochen. Zudem gibt es Uneinigkeit darüber, in welchem Rahmen eine solche Steuer erhoben werden könnte. Während vor allem Entwicklungsländer die UN-Rahmenkonvention für internationale Steuerkooperation (UN-Framework Convention for International Tax Cooperation) favorisieren, setzen die reichen Industrieländer auf die OECD, die bisher als Standardsetzerin für internationale Steuerregeln gilt. Die USA haben sich bereits Anfang 2025 aus der Kooperation im UN-Rahmen zurückgezogen.

In den USA leben bei weitem die meisten Dollar-Millionäre, nämlich fast 24 Millionen und damit fast 40 Prozent der Millionäre weltweit. China folgt auf dem zweiten Platz, danach kommen Frankreich, Japan und Deutschland. Die Stichprobe vom UBS Global Wealth Report 2025 umfasst weltweit fast 60 Millionen Dollar-Millionäre, die zusammen etwa 226 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten besitzen.

Das Vermögen der global reichsten 0,0001 Prozent ist demnach seit den 1980er Jahren stetig gewachsen – um durchschnittlich 7,1 Prozent pro Jahr. 0,0001 Prozent entsprechen einem Haushalt pro einer Million Haushalte oder insgesamt rund 3.000 Haushalten. Diesen gehörte 1987 ein Vermögen in Höhe von drei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, bis 2024 wuchs dieser Anteil auf über 13 Prozent. Kein Wunder also, dass über eine stärkere Besteuerung dieser Haushalte nachgedacht wird. Dazu kommt, dass die Steuersätze für Superreiche in Hocheinkommensländern niedriger sind als für Normalverdiener. Dies würde sich mit der von Zucman vorgeschlagenen Mindeststeuer im Umfang von zwei Prozent des Vermögens von Superreichen zumindest ändern. Unter Berücksichtigung aller Steuern würde die tatsächliche Steuerlast für diese Gruppe von 22 Prozent der Einkommen vor Steuern auf 39 Prozent steigen. Damit würden sie an die 99 Prozent Haushalte mit niedrigeren Einkommen heranrücken – die tatsächliche Steuerrate der Milliardäre wäre also nicht mehr niedriger als die von normalen Steuerzahlern.

Die Idee, Superreiche stärker zu besteuern, hat in Zeiten klammer Kassen und schwachen Wachstums auch in Deutschland viele Anhänger. Hierzulande gibt es 255 Haushalte mit einem Nettovermögen von mehr als 1 Mrd. US-Dollar – allerdings haben nicht alle ihren Wohnsitz auch in Deutschland und zahlen auch nicht den Großteil ihrer Steuern hier.

Wenn die Bundesregierung eine Mindeststeuer von zwei Prozent auf die Vermögen hier ansässiger Milliardäre einführen würde, dann kämen immerhin fast 5,7 Mrd. Euro zusammen. Wenn man die Steuer auf Nettovermögen von mehr als 100 Mio. Euro ausweiten würde, kämen fast 17 Mrd. Euro zusätzlich in die Kassen. Damit ließe sich schon das eine oder andere Haushaltsloch stopfen, z.B. in der Entwicklungszusammenarbeit oder der humanitären Hilfe. Trotzdem melden sich viele Kritiker einer Mindeststeuer zu Wort, obwohl – wie der DIW-Ökonom Marcel Fratzscher schreibt – es weltweit kaum ein Land gibt, „das Arbeit stärker und Vermögen geringer besteuert als Deutschland“.

In Deutschland musste bis 1997 Jede und Jeder ein Prozent Steuern auf Vermögen zahlen, also Vermögen aus Betrieben, Immobilien, Sparguthaben, Lebensversicherungen und Wertpapieren sowie Luxus- und Kunstgegenständen. Allerdings gab es einen Freibetrag von 120.000 DM. Wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes wurde die Vermögensteuer ab 1997 ausgesetzt – bis heute.

Hoffnung macht dagegen, dass sich auch eine ganze Reihe von Reichen für eine höhere Besteuerung einsetzen, z.B. in der Initiative „taxmenow“, in der sich Vermögende „aktiv für mehr Steuergerechtigkeit einsetzen“. Selbst  Superreiche  sind für höhere Steuern, wie z.B. die Amerikaner Warren Buffett oder Bill Gates. Buffett  sagte vor einigen Jahren in einem CNBC-Interview: „Die Wohlhabenden sind ganz sicher zu gering besteuert im Verhältnis zur Normalbevölkerung.“

Prträt: Ulrich Post, Leiter Team Grundsatzfragen.
Ulrich Post Welternährung
  • Die URL wurde in die Zwischenablage kopiert

Das könnte Sie auch interessieren

pageLoader