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  • Entwicklungspolitik & Agenda 2030
  • 02/2026
  • Christopher Korb, Helena Kresimon, Sebastian Schuster*
Schwerpunkt

Wirkung nachweisen in Zeiten systemischer Komplexität

Wie ist zu ermessen, was Menschen zur Überwindung von Hunger und Armut befähigt? Ein ganzheitlicher Blick gibt Aufschluss.

Im Süden Malawis verkauft Asiyatu Issa Gemüse im Dorf Chilonga. Dort führt die Welthungerhilfe das Programm "Nutrition Smart Community" durch, das Wissen über Ernährung mit Anbauhilfen und Kooperation mit lokalen Institutionen systemisch verbindet. © WHH/Tchikondi 2024

Was bedeutet es, Wirkung in einer Welt glaubhaft nachzuweisen, die von sich überschneidenden Krisen und systemischer Fragilität geprägt ist? Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe sind die Erwartungen an Transparenz und Wirksamkeit erheblich gestiegen. Geber, Politiker und die Öffentlichkeit verlangen zunehmend nicht nur Nachweise darüber, was erreicht wurde, sondern auch Klarheit darüber, was sich durch eine Intervention verändert hat und warum.

Gleichzeitig machen Klimaextreme, Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und wachsende Ungleichheiten den sozialen Wandel weniger linear und weniger vorhersehbar. Von Organisationen wird erwartet, dass sie mit begrenzten Ressourcen, oft in fragilen Kontexten, sinnvolle Ergebnisse erzielen. Diese Erwartung ist legitim, wirft jedoch grundlegende Fragen darüber auf, wie Wirkung unter komplexen Bedingungen verstanden und nachgewiesen werden kann.

Die traditionelle Berichterstattung über Leistungen hat klare Grenzen. Output-Indikatoren zeigen, was erbracht wurde und wie viele Menschen erreicht wurden, aber sie sagen wenig über die Tiefe, Dauerhaftigkeit oder Verbreitung von Wandel aus. Reichweitenzahlen werden oft als Beleg für den Erfolg präsentiert, doch Umfang allein zeigt nicht, dass sich Lebensbedingungen verbessert oder Systeme verändert haben. Wird die Wirkung auf leicht messbare Indikatoren reduziert, besteht die Gefahr einer trügerischen Genauigkeit. Wird hingegen Komplexität geltend gemacht, um eine Analyse der Ursachen zu vermeiden, untergräbt dies die Rechenschaftspflicht und Lerneffekte.

Vor diesem Hintergrund hat die Welthungerhilfe ihr Verständnis von Ergebnissen und Wirkung überarbeitet. Die Organisation möchte nicht einfach eine weitere Berichtsebene hinzufügen. Vielmehr will sie die Wirkungsorientiertheit tiefer in die Planung und Entscheidungsfindung einbetten. Für eine Organisation, die sich für die Beseitigung des Hungers und die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung einsetzt, kann Wirkung nicht auf vereinzelte Projektergebnisse verkürzt werden. Sie muss widerspiegeln, ob die Maßnahmen Fähigkeiten, Institutionen und systemische Bedingungen stärken, die es den Menschen ermöglichen, Hunger und Armut nachhaltig zu überwinden. In dem Wirkungsbericht 2.0 wird dieser überarbeitete Rahmen für Ergebnisse und Wirkungen systematisch angewendet. Er zeigt, wie kausales Denken und mehrdimensionale Analysen einen verantwortungsvolleren Umgang bei der Messung von Beiträgern zu transformativen Veränderungen begünstigen können.

Von linearen Modellen zu kausalem Denken

Herkömmliche Bewertungsrahmen stellen Erbrachtes, Ergebnis und Wirkung oft als aufeinanderfolgende Hierarchieebenen dar, die voneinander abhängen, wobei die Wirkung als die relevanteste, höchste Ebene oder als langfristige Veränderung angesehen wird. Dieser Ansatz weist mehrere epistemologische und methodologische Probleme auf: Erstens sind die Attribute „höchste Ebene” und „langfristig” sehr subjektiv und eignen sich daher in der Praxis nicht, um zwischen Ergebnis und Wirkung zu unterscheiden. Zweitens implizieren sie, dass Ergebnisse auf höherer Ebene Ergebnisse auf niedrigerer Ebene nicht beeinflussen können, was nicht richtig ist. Armut wirkt sich auf Bildung aus, Hunger auf Ernährungs- und Sorgeverhalten und so weiter. In Wirklichkeit entstehen Veränderungen aus komplexen Zusammenspielen von Akteur*innen, Handlungen, Orten und Faktoren, die selbst in umfassendere, sich ebenfalls ständig entwickelnde Systeme eingefügt sind.

Um dieser Vielschichtigkeit besser Rechnung zu tragen, verlagert das überarbeitete Outcome & Impact Framework der Welthungerhilfe (1) (siehe Abbildung 1) den Fokus von hierarchischen Ebenen auf kausale Zusammenhänge. Das Framework unterscheidet zwischen mittelbaren, höheren und systemischen Ergebnissen und definiert Wirkung als Ergebnisse, die auf Interventionen als Ganzes oder in Teilen zurückzuführen sind und die für Menschen relevant sind, die von Hunger und Armut betroffen sind. Ergebnisse verstehen wir als sichtbare Veränderungen in Verhalten, Wohlergehen, Institutionen und Systemen, die mit einer Intervention in einem plausiblen Zusammenhang stehen. Ein plausibler kausaler Zusammenhang kann anhand zuvor vorhandener Evidenz, Kenntnisse und theoretischer Ableitungen hergestellt werden. Ergebnisse dürfen daher nur dann als Wirkungen bezeichnet werden, wenn ein plausibler kausaler Zusammenhang durch stichhaltige Evidenz belegt ist.

Abb. 1: Überarbeitetes Outcome & Impact Framework der Welthungerhilfe

Evidenz ist dann sachgerecht, wenn sie die Unsicherheit über den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung durch Methoden der Kontributions- oder Attributionsanalyse minimiert. Die Genauigkeit und Kosten dieser Methoden müssen in angemessenem Verhältnis zur Komplexität der Intervention, zum verfügbaren Wissensstand und zur Kontextverträglichkeit stehen. Zuverlässige Evidenz verlangt keinen einheitlichen methodischen Ansatz. Sie kann experimentelle, quasi-experimentelle oder beitragsorientierte Methoden umfassen. Sie verlangt jedoch immer eine systematische Untersuchung, wie eine Intervention zu Veränderungen beiträgt, die Erwägung alternativer Einflussfaktoren und eine transparente Darlegung von Kausalitätslogik und Annahmen.

Eine Besonderheit des Frameworks ist seine ausdrückliche Beachtung systemischer Ergebnisse, die bei herkömmlichen Monitoring- und Evaluierungsverfahren oft außer Acht gelassen werden. Diese sind Veränderungen im Systemverhalten, in seiner Struktur oder seinen Paradigmen und entstehen durch das Zusammenspiel mehrerer Akteure innerhalb komplexer Systeme. Da systemische Ergebnisse oft aus komplexen Wechselwirkungen und Rückkopplungsschleifen hervorgehen, erfordern sie analytische Ansätze jenseits linearer Projektlogik.

Um das zu erreichen, hat die Welthungerhilfe im Jahr 2025 ergänzende Instrumente eingeführt: einen Systemmarker zur Bewertung der transformativen Ausrichtung von Projektdesigns und einen Evidenzmarker zur systematischen Bewertung der Evidenzstärke, die jeder Theorie des Wandels zugrunde liegt. Der Evidenzmarker berücksichtigt lokales Wissen, Auswertungen, Forschung, Programm- und Wirkungs-Evaluierungen sowie systematische Überprüfungen sowohl aus dem betreffenden Kontext als auch aus anderen Kontexten. Überdies hat die Welthungerhilfe begonnen, systemische Ergebnis- und Wirkungsanalysen zu skalieren, die an nichtlineare Logik und systemische Ergebnisse angepasst wurden. Zusammen sollen diese Instrumente die Programmgestaltung, das Monitoring und das Learning mit dem Engagement der Organisation für transformative Wirkung in Einklang bringen.

Vier Dimensionen der Veränderung

Der überarbeitete Wirkungsrahmen konzipiert Ergebnisse und Wirkung als multidimensional. Anstatt sich allein auf die Anzahl der erreichten Menschen oder durchschnittliche Effektgrößen zu konzentrieren, analysiert er Veränderungen ganzheitlich entlang vier sich ergänzender Dimensionen: Reichweite, Ausmaß, Dauer und Gleichheit. Diese Dimensionen wollen Projekte nicht bewerten oder normative Werturteile fällen. Sie bieten vielmehr analytische Blickwinkel, die helfen, Ergebnisse im Kontext zu interpretieren, Kompromisse sichtbar zu machen und fundierte Bewertungen der Wirksamkeit zu erleichtern.

Abbildung 2 veranschaulicht diese Perspektive als ein Feld von Grashalmen, wobei unterschiedliche Wachstumseigenschaften verschiedene Dimensionen der Veränderung darstellen.

Abb. 2 Dimensionen von Wirkung

REICHWEITE – Wie viele erleben Veränderung? Die Reichweite erfasst die Breite des Engagements: Wie viele Menschen, Haushalte, Gemeinschaften, Institutionen oder Teile eines Systems sind beteiligt? In der Abbildung wird dies durch die Anzahl der nebeneinander wachsenden Grashalme dargestellt. Die Größe wird sichtbar, aber es ist noch nicht ersichtlich, ob sich Leben, Verhaltensweisen oder Systeme bedeutend verändert haben.

AUSMASS – Wie stark ist die Veränderung? Das Ausmaß beschreibt, wie tiefgreifend eine Veränderung bei den Erreichten ist – wie stark sich Verhalten, Wohlergehen oder Leistung von Systemen verbessert haben. In der Abbildung stehen höhere Halme für stärkeren Wandel. Ausmaß wird anhand quantitativer Indikatoren gemessen und im Verhältnis zu den Ausgangsbedingungen, dem Kontext und bestehenden Ungleichheiten interpretiert.

DAUER – Wie lange hält die Veränderung an? Die Dauer untersucht, ob Verbesserungen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, Schocks standhalten und fortbestehen, anstatt nach Ende der Unterstützung wieder abzuklingen. Im Bild stellen die weiter hinten stehenden Halme die Veränderungen im Laufe der Zeit dar.

GLEICHHEIT – Wie gerecht ist Veränderung verteilt? Gleichheit analysiert, wer am meisten oder am wenigsten profitiert. Im Bild zeigen unterschiedliche Farben der Grashalme, wie die Veränderung auf verschiedene Gruppen verteilt ist. Gleichheit erstreckt sich über Reichweite, Ausmaß und Dauer und verdeutlicht, dass Wirkung nicht nur über Durchschnittswerte beurteilt werden kann. Um diese Perspektive zu institutionalisieren, hat die Welthungerhilfe 2025 einen Marker für Geschlechtergerchtigkeit und soziale Inklusion (GESI) eingeführt, der in ihrem Portfolio eine systematischere Analyse der Verteilungseffekte und Inklusionslücken ermöglicht.

Anwendung in der Praxis: Der Wirkungsbericht 2.0

Der Wirkungsbericht 2.0 wendet das Rahmenwerk systematisch auf das globale Portfolio der Welthungerhilfe an. Vorliegende Monitoring- und Evaluierungsdaten wurden durch die neue Methodik ausgelesen, wodurch Ergebnisse und Wirkungen kohärenter analysiert werden konnten. Gleichzeitig wurden Bereiche identifiziert, in denen sich Ansätze der Messung noch weiterentwickeln.

Der Bericht wertet 316 quantitative Ergebnisdatensätze und 79 qualitative Studien aus 188 Projekten aus,die zwischen 2022 und 2024 in 30 Ländern zusammen kamen. Im Vergleich zum ersten Wirkungsbericht von 2021 hat sich die Evidenzbasis sowohl zu Umfängen als auch zu Tiefe erheblich vergrößert. Die quantitativen Datensätze haben sich mehr als verdoppelt, die qualitativen Analysen mehr verzehnfacht, was eine stärkere Triangulation und robustere Kausalitätsketten über verschiedene Kontexte hinweg ermöglicht.

Durch die Kombination quantitativer und qualitativer Daten und externer, peer-reviewed Forschung geht der Bericht über einzelne Erfolgsgeschichten hinaus. Er zeigt wiederkehrende Veränderungsmuster auf, analysiert die Bedingungen, unter denen Interventionen mit positiven Ergebnissen verbunden werden, und bewertet den Beitrag der Welthungerhilfe in komplexen und oft fragilen Umfeldern.

Die Ergebnisse bestätigen messbare und bedeutsame Verbesserungen in allen Handlungsfeldern, darunter Ernährungssicherheit und ausgewogene Ernährung, Wasser und Sanitärversorgung, Einkommen, Qualifikationen und Beschäftigung, klimaresistente Landwirtschaft, Teilhabe von Frauen und humanitärer Hilfe. In vielen Fällen lassen sich diese Verbesserungen anhand kombinierter Evidenz plausibel und glaubwürdig mit den Interventionen der Welthungerhilfe in Verbindung bringen.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass humanitäre Maßnahmen, wenn sie partizipativ mit der Bevölkerung, institutionell verankert und mit Systembewusstsein konzipiert werden, über Soforthilfe hinaus zu längerfristiger Resilienz und systemischer Vorsorge beitragen können.

Zwei Beispiele aus dem Wirkungsbericht 2.0 veranschaulichen, wie die Welthungerhilfe auf eine Systemtransformation hinarbeitet und geeignete Monitoring- und Evaluierungsmethoden anwendet, um ihre praktische Wirkung zu belegen. Sie greift dabei auf Erfahrungen aus der Entwicklungszusammenarbeit wie aus humanitären Kontexten zurück.

Nutrition Smart Communities: Verhalten, Institutionen und Systeme miteinander verbinden

Der Ansatz „Nutrition Smart Communities” (NSC) zeigt, wie integrierte, systemtransformative Programme sowohl das Wohlergehen der Haushalte als auch einen systemischen Wandel bewirken können. NSC-Programme wurden von der Welthungerhilfe in acht Ländern Afrikas und Asiens umgesetzt und evaluiert. Sie verbinden Landwirtschaft, gute Ernährung, Gender, WASH (Wasser und Hygiene) und lokale Governance durch sich gegenseitig verstärkende Komponenten, welche die Kapazitäten Einzelner und die Systeme der Gemeinschaften stärken.

Nach dem Ansatz „Nutrition Smart Communities” (NSC) vermitteln Trainer der Partnerorganisation FORWARD Nepal Wissen zu nährstoffreicher Ernährung in einer Gemeinde im Distrikt Rautahat, Paroha, in Nepal. © Opladen/Welthungerhilfe

Zentral für den Ansatz ist LANN+ (Linking Agriculture and Natural Resource Management towards Nutrition Security), ein partizipatives Lern- und Kommunikationskonzept, das verändertes Ernährungsverhalten, ernährungssensible Landwirtschaft und eine verstärkte Dorfplanung miteinander verbindet. Durch die explizite Verknüpfung dieser Bereiche werden gleichzeitig mehrere Ursachen für Mangelernährung angegangen.

Wirkungsanalysen in Indien, Nepal und Bangladesch unter Verwendung von Kontrollgruppen, Propensity-Score-Matching und qualitativer Vergleichsanalysezeigen eine deutlich höhere Ernährungsvielfalt bei Frauen in den teilnehmenden Gemeinden. Diese Gemeinden wiesen auch eine stärkere Verbreitung von Küchengärten, ernährungssensibler Landwirtschaft, sicheren Wasser- und Sanitärpraktiken sowie eine stärkere Beteiligung an staatlichen Programmen auf. Das verdeutlicht Wirkung durch mittelbare Ergebnisse in Form veränderter Verhaltensweisen und Praktiken, die zu einer vielfältigeren Ernährung, einer höhreren Verfügbarkeit von Nahrung und höheren Einkommen beitrugen.

Zum Projektende erreichte der Anteil der teilnehmenden Frauen, die über eine ausreichende Ernährungsvielfalt verfügen, 24 Prozent in Indien, 59 Prozent in Nepal und 50 Prozent in Bangladesch, mit statistisch signifikanten Unterschieden zu den Kontrollgruppen in Indien und Nepal. Das Haushaltseinkommen stieg für 55 Prozent der Teilnehmerinnen in Indien, 35 Prozent in Nepal und 79 Prozent in Bangladesch, was die Wirkung von NSC auf übergeordnete Ergebnisse des Wohlergehens belegt.

Ex-post-Evaluierungen in Sierra Leone zeigen, dass diese integrierten Ansätze die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks stärken, wobei verändertes Verhalten und verbesserte Lebensgrundlagen nachhaltig sind, wenn die Gemeinschaften spürbare Nutzen wahrnehmen. Über die Haushaltsebene hinaus stärkten NSC-Programme die dörflichen Institutionen, ermöglichten eine ernährungssensible Mikroplanung und erhöhte die Fähigkeit der Gemeinden, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Dies wiederum förderte nachhaltigere Veränderungen bei lokalen Kapazitäten, Regierungsführung und sozialen Normen – mit Auswirkungen auf die systemischen Ergebnisse.

WAHAFA: von Prognosen zu Handlung in der humanitären Hilfe

In der humanitären Hilfe veranschaulicht das vorausschauende WHH-Programm Anticipatory Humanitarian Action Facility (WAHAFA)(2) den systemischen Wandel. WAHAFA wird in 13 Ländern südlich der Sahara praktiziert und unterstützt Partner dabei, von reaktiven zu vorausschauenden Maßnahmen überzugehen. Dabei werden Frühwarnungen, lokales Wissen, Aktions- und Finanzpläne kombiniert.

Durch Dürren verenden tausende Rinder im südlichen Afrika. Vorausschauende Hilfe (AHA) fördert in Mbire, im Nordosten von Simbabwe, die Nutzung getrockneter Maisstengel zur Beimischung in Viehfutter. © Marima / Welthungerhilfe

Eine Evaluierung von 2025 zeigt messbare Verbesserungen bei den institutionellen Kapazitäten, bei Vorsorge innerhalb von Gemeinden und der Aufnahme vorausschauender Ansätze in nationale Katastrophenschutzsysteme. Der Beitrag von WAHAFA basiert auf drei Säulen: Kapazitätsstärkung, gemeinsam entwickelte vorausschauende Aktionspläne und vorab vereinbarte Mechanismen der  Finanzierung, um die Reaktionszeiten im Katastrophenfall zu verkürzen.

Auf Systemebene trug WAHAFA zur Transformation bei. Partnerorganisationen wurden zu Befürwortern vorausschauender Maßnahmen, Regierungen erkannten den Wert von prognose-gestützten Ansätzen, und Katastrophenmanagements integrierten zunehmend Frühwarnungen und vorausschauende Planung. Die humanitäre Hilfe geht damit über reaktives Krisenmanagement hinaus und hin zu proaktiver Vorsorge und Resilienz.

Diese Ergebnisse veranschaulichen, wie humanitäre Interventionen, wenn sie bei der Planung Systeme, Partizipation und institutionelle Verankerung berücksichtigen, nicht nur dem Ziel unmittelbarer Rettung dienen, sondern auch dem längerfristiger systemischer Resilienz.

Förderung von verantwortungsvoller Wirkungsmessung

Der Wirkungsbericht 2.0 (3) zeigt, dass ein differenzierteres und kausal hergeleitetes Verständnis von Wirkung sowohl machbar wie auch notwendig ist. Auf der Grundlage einer erweiterten und triangulierten Evidenzbasis dokumentiert der Bericht messbare Verbesserungen in verschiedenen Themenfeldern und liefert fundierte Belege für den Beitrag der Welthungerhilfe. Er veranschaulicht, wie systemische, geschlechter- und kontext-gerechte Ansätze mit stärkeren und dauerhafteren Ergebnissen einhergehen. Damit zeigt der Bericht, dass Wirkungen glaubwürdig nachgewiesen werden können, ohne Komplexität auf vereinfachte Messgrößen zu reduzieren.

Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, dass die Wirkungsmessung sich in der Praxis weiter entwickeln wird. Es erfordert angemessene, kontextsensible Methoden und kontinuierliches institutionelles Lernen, um glaubwürdige kausale Zusammenhänge in fragilen und krisengeprägten Umfeldern herzustellen. Die Erfahrungen mit dem Wirkungsbericht 2.0 deuten darauf hin, dass die Herausforderung für den Sektor nicht darin besteht, zwischen methodischer Stringenz und systemischem Denken zu wählen, sondern beides bewusst zu integrieren.

Verantwortungsvolle Wirkungsmessung muss daher darüber hinausgehen, Erbrachtes oder Reichweiten isoliert zu zählen. Sie erfordert eine transparente Formulierung kausaler Annahmen, eine systematische Reflexion alternativer Erklärungen und Aufmerksamkeit für die Verteilung und Dauerhaftigkeit von Veränderungen. So verstanden wird die Wirkungsmessung zu einem strategischen Instrument zur Steuerung transformativer Prozesse – und nicht bloß rückblickende Rechenschaftslegung.

Für die Welthungerhilfe bedeutet dies auch, systemische Perspektiven konsequenter in ihrem Portfolio zu verankern, indem sie sich mit Institutionen, Governance-Strukturen, Finanzierungsmechanismen, Verhaltensweisen und sozialen Normen auseinandersetzt, um tiefgreifendere, nachhaltigere und eigendynamischere Veränderungen zu bewegen. Eine stärkere Abstimmung zwischen Programmgestaltung, Evidenz-Findung und organisatorischem Lernen ist zentral.

In Zeiten wachsender Unsicherheit ist es unumgänglich, Komplexität zu akzeptieren und zugleich analytische Klarheit zu bewahren. Durch die Neudefinition von Wirkung als nachweisbarer Beitrag innerhalb komplexer Systeme passt die Welthungerhilfe ihre Messung an ihr übergeordnetes strategisches Ziel an: einen Beitrag zur Beseitigung des Hungers auf einem gesunden Planeten zu leisten und jene systemischen Bedingungen zu stärken, die es den Menschen ermöglichen, ihr Recht auf Nahrung nachhaltig zu verwirklichen.

Die übergeordnete Frage geht jedoch über eine einzelne Organisation hinaus. In einer Zeit multipleer Krisen und zunehmender Skepsis gegenüber internationaler Zusammenarbeit hängt die Glaubwürdigkeit von Entwicklungs- und humanitären Maßnahmen nicht nur davon ab, was geleistet wird, sondern auch, wie rigoros und transparent die Akteure mit der Komplexität von transformativem Wandel umgehen.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Wirkung gemessen werden kann, sondern ob die Institutionen bereit sind, sie so zu messen, dass Unsicherheiten anerkannt und erforderliche Kompromisse ausgetragen werden, und dabei verantwortlich bleiben für die Systeme, die sie verändern wollen.

*Alle Autoren:

Christopher Korb Measuring Success Advisor – WHH
Helena Kresimon Measuring Success Assistant – WHH
Sebastian Schuster* Lead of Monitoring, Evaluation, Accountability & Learning –WHH
Arno Bratz Head of Sector Strategy, Knowledge & Learning Unit – WHH
Tereza Kaplan Team "Monitoring, Evaluation, Accountability and Learning"

Fußnoten:

(1) Welthungerhilfe (2024): Defining Impact.

(2) WAHAFA (Welthungerhilfe Anticipatory Humanitarian Action Facility) ist eine Initiative der Welthungerhilfe, die darauf abzielt, lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen bei der Konzeption, Erprobung und Operationalisierung lokalisierter Mechanismen für vorausschauende humanitäre Maßnahmen (AHA) in ganz Subsahara-Afrika zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie unter: Vorausschauende humanitäre Maßnahmen – Welthungerhilfe

(3)  Wirkungsbericht 2025 Registrierung – Welthungerhilfe, erscheint am 20. März 2026

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