Zwei Kulturen, eine Krise: Der Klimawandel bedroht Kakao und Tee
Da der Klimawandel Niederschläge, Temperaturen und Schädlingsbefall verändert, bemühen sich die Kakaobranche in Ghana und der Teesektor in Kenia um Hilfen für Anpassung.
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Jeder Schluck kenianischen Tees und jedes Stück ghanaischer Schokolade birgt eine versteckte Last: den zunehmenden Druck der Klimaerwärmung. Zwei einflussreiche Institutionen – die Kenya Tea Development Agency (KTDA) und das Ghana Cocoa Board (Cocobod) – stehen an einem kritischen Scheideweg und müssen entscheiden, wie sie die Lebensgrundlage bedrohter Kleinbauern sichern, Ökosysteme schützen und die Wettbewerbsfähigkeit im Export in einer sich schnell verändernden Welt erhalten. Unter zunehmendem Druck unternehmen diese Institutionen einige Anstrengungen, um den Bauern bei der Anpassung zu helfen. Aber die Umsetzung geht nur langsam voran, während Experten warnen, dass keine Zeit zu verlieren ist.
„Jede Pflanze, die Sie jetzt in den Boden setzen, wird in 20 bis 30 Jahren noch dort stehen“, sagt Christian Bunn, Klimaforscher am International Center for Tropical Agriculture (CIAT) in Kolumbien, der sich mit dem Kakaogürtel Westafrikas befasst. „Unabhängig von den anfänglichen Klimafolgen, die zunehmend Realität werden, besteht also immer auch die unbestreitbare Notwendigkeit, die in Zukunft erforderlichen Anpassungen in Angriff zu nehmen.“
Zwischen Juli 2022 und Februar 2024 stiegen die weltweiten Kakaopreise um 136 Prozent – ein Anstieg, der maßgeblich durch Ertragseinbußen aufgrund extremer Wetterbedingungen im Kakaogürtel Westafrikas verursacht wurde. Bei Tee war der Preisanstieg weniger dramatisch, aber in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 sank die Teeproduktion Kenias um 11,5 Prozent. Eine umfassende Auswertung globaler Studien zu Teeerträgen zeigt, dass dies zumindest teilweise auf steigende Temperaturen und andere klimatische Belastungen zurückzuführen ist.
Was sind Cocobod und Tea Agency?
Rohstoffagenturen wie die KTDA in Kenia und das Cocoa Board in Ghana – abgekürzt Cocobod – sind zentrale Vermittler zwischen Millionen Kleinbauern und dem Weltmarkt. Sie wurden gegründet, um wichtige Cash-Crop-Sektoren zu stabilisieren, die die Grundlage der nationalen Wirtschaft bilden.
Bei Tee stammen mehr als 60 Prozent der weltweiten Produktion aus Kleinbauernbetrieben, die den Lebensunterhalt von etwa 13 Millionen Menschen sichern. Bei Kakao ist die Abhängigkeit noch größer – etwa 90 Prozent des weltweiten Kakaos werden von Kleinbauern angebaut, meist auf Flächen von nur wenigen Hektar. Rund 50 Millionen Menschen sind für ihr Einkommen von der Kakao-Lieferkette abhängig.
Ghanas Cocobod, gegründet 1947, ist eine staatliche Regulierungsbehörde. Sie stellt den Bauern manchmal Setzlinge, Düngemittel und Werkzeuge zur Verfügung, aber ihr Hauptnutzen besteht darin, dass sie den Preis stabilisiert. Die Bauern erhalten zu Beginn jeder Saison einen Abnahmepreis für ihre Kakaobohnen auf Grundlage der prognostizierten internationalen Preise. Damit sollen sie vor Marktschwankungen geschützt werden. Im Gegenzug behält Cocobod jedoch 30 Prozent ein.
Ghanas Wirtschaft ist stark vom Kakao abhängig, der etwa 20 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes ausmacht. Die Konzentration der Produktion auf Kleinbauern in Verbindung mit einem globalen Markt, der von einer Handvoll Käufern und Schokoladenherstellern dominiert wird, macht Ghanas Wirtschaft besonders anfällig für Schwankungen der internationalen Kakaopreise und klimabedingte Schocks. Jede Störung – von Krankheitsausbrüchen bis hin zu veränderten Niederschlagsmustern – kann sich auf ländliche Gemeinden und die nationale Wirtschaft auswirken und unterstreicht die Anfälligkeit.
Kritiker werfen dem System des Cocobod vor, zu teuer und ineffizient zu sein und die Kosten für die Bauern in die Höhe zu treiben, wie aus einem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgeht. Viele Bauern klagen darüber, dass der Preis, den sie zu Beginn der Saison erhalten, viel zu niedrig ist, insbesondere im Vergleich zu ihren Nachbarn in der Elfenbeinküste. Die haben ähnliche Kakaoerträge, aber keine Behörde, die den Preis kontrolliert. Inzwischen dürfen in Ghana auch einige lizenzierte Einkaufsunternehmen (LBCs) Kakao ankaufen. In der Saison 2018-2019 kauften etwa ein Dutzend LBCs 57 Prozent der gesamten Ankaufsmenge. Die LBCs unterliegen jedoch der Aufsicht der Cocobod und müssen ihr auch die Bohnen zum Export übergeben. Damit agieren sie in Partnerschaft mit dem Cocobod und nicht als Konkurrenz.
Die 1964 gegründete KTDA verwaltet 71 Teefabriken, die sich im gemeinsamen Besitz von Kleinbauern befinden. Die KTDA war ursprünglich eine staatliche Behörde, wurde jedoch im Jahr 2000 privatisiert und ist nun ein Unternehmen, dessen Anteilseigner die Bauern sind. Die Bauern liefern frische Teeblätter an die von der KTDA verwalteten Fabriken, und die Agentur hilft unter anderem bei der Fermentierung, Trocknung und Verpackung. Anschließend wird ein auktionsbasiertes System mit Preisschwankungen je nach globaler Nachfrage verwendet.
Die KTDA wurde wegen mangelnder Transparenz kritisiert, wobei sich die Bauern oft darüber beschweren, dass sie nicht verstehen, was von den Auktionspreisen an Zahlungen weitergegeben wird. Kritiker argumentieren zudem, dass die Agentur zentral geführt wird, mit hohen Verwaltungskosten und nur begrenztem Einfluss der Bauern, obwohl sie technisch gesehen in ihrem Besitz ist. Die kenianische Regierung hat kürzlich eine Prüfung angeordnet, wie die Mittel verwendet werden.
Obwohl Tee einen geringeren Anteil am BIP Kenias ausmacht als Kakao in Ghana, ist er das wichtigste Exportgut des Landes. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist zudem stark regionalisiert: Bezirke wie Embu, Kericho und Nandi sind in Bezug auf Beschäftigung, Einkommen und kommunale Dienstleistungen vom Tee abhängig. Diese lokale Abhängigkeit bedeutet, dass Klimaschocks, Schädlingsbefall oder Preisschwankungen direkte Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen und die soziale Stabilität in den wichtigsten Teeanbaugebieten haben.
Konfrontation mit einer sich erwärmenden Welt
Der Klimawandel zwingt den Kakaosektor in Ghana und die Teeindustrie in Kenia, sich den klimatischen Risiken zu stellen und Wege zu finden, für die Bauern relevant und nützlich zu bleiben. Die beiden Institutionen reagieren deutlich unterschiedlich.
Im Kakaogürtel Ghanas beobachten die Bauern bereits „eine Verschiebung des Regenzeitpunkts mit häufigeren Trockenperioden und insgesamt extremeren Wetterbedingungen“, so der Experte Bunn. „Die Eignung nimmt bereits ab“, fügt er hinzu und verweist auf die Tatsache, dass Kakao extrem wetterempfindlich ist und unter starken Schwankungen zwischen Dürre und Regen nur schwer überleben kann. Dies werde zu Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Produktivität führen.
Kakaobäume leben viele Jahre lang und produzieren Jahr für Jahr Kakaoschoten, was bedeutet, dass die Bauern bei der Pflanzung eines Baumes langfristige Entscheidungen treffen müssen. Dies macht die Anpassung besonders schwierig. „Kakao ist eine mehrjährige Kulturpflanze, daher treffen die Bauern heute Entscheidungen, die sie für 20 oder 30 Jahre binden“, erläutert Bunn. Angesichts der sich verändernden Niederschlagsmuster und des zunehmenden Krankheitsdrucks auf die Pflanzen zögern viele Bauern, zusätzliche arbeitsintensive Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit zu ergreifen. Dazu gehören z.B. das Pflanzen von Schattenbäumen, die Diversifizierung der Kulturen, die Installation von Bewässerungssystemen, häufigeres Beschneiden und Mulchen oder die Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten durch agroforstwirtschaftliche Techniken. „Sie wollen nicht mehr in ein System investieren, das ohnehin schon risikobehaftet ist“, so Bunn weiter, wobei sich viele dafür entscheiden, „den Kakaoanbau eher mit geringem Aufwand fortzusetzen, als intensiver zu bewirtschaften“.
Die kenianische Teeindustrie sieht sich laut Sudi Biko Matara, Geschäftsführer und geschäftsführender Treuhänder der KTDA-Stiftung, die als separate, von der KTDA finanzierte Einrichtung tätig ist, mit ähnlichen klimatischen Störungen konfrontiert. Die Stiftung konzentriert sich auf Bildung, Gesundheitsversorgung, Frauenförderung, Jugendprogramme, Wasser und Sanitärversorgung sowie die Unterstützung der Lebensgrundlagen in den Teeanbaugebieten. Er sagt, dass die Bauern mit „unvorhersehbaren Regenfällen, längeren Trockenperioden und extremen Temperaturschwankungen“ zu kämpfen haben, die sich alle direkt auf die Erträge und die Blattqualität auswirken. Frost und Hagel – Ereignisse, die früher als selten galten – „vernichten heute ganze Teile der Sträucher“, sagt er.
Matara merkt an, dass auch die Fragmentierung der Flächen zu einem großen Problem geworden ist, da viele Bauern im Bemühen, Klimaverluste auszugleichen, zu kleine Parzellen bewirtschaften, statt in neue Anbaumethoden zu investieren. Im Gegensatz zu Kakao erfordert Tee keine jahrzehntelange Planung für neue Sträucher, aber die Pflanze reagiert sofort auf Feuchtigkeits- und Temperaturstress, was zu starken Qualitätsschwankungen der Ernten führt.
Zwei Wege zu größerer Widerstandsfähigkeit
Bei ähnlich dringenden klimatischen Belastungen sind die Systeme der Bewirtschaftung der Pflanzen der entscheidende Faktor im Umgang mit dem Klimawandel – wobei in Kenia die Herausforderung bei der Mobilisierung und dem Potenzial privater Investitionen liegt, und Ghana mit staatlicher Sparsamkeit im Umgang mit Mitteln für die Anpassung konfrontiert ist.
Viele Kleinbauern in Ghana verfügen nicht über formelle Landrechte, was bedeutet, dass ihre Fähigkeit, in langfristige Resilienz zu investieren, von öffentlicher Unterstützung abhängt. Die Anpassung ist daher eine Herausforderung für den öffentlichen Sektor und hängt von staatlichen Zuschüssen, technischer Hilfe und regulatorischer Unterstützung ab.
Im Gegensatz dazu bedeutet die privatisierte Struktur des Teesektors in Kenia, dass ein erheblicher Teil der Produktion bei den unter der KTDA zusammengeschlossenen Kleinbauern liegt, sowie bei einigen großen Plantagen, die multinationalen oder privaten Unternehmen gehören. Somit entfällt ein großer Teil der Last und der Chancen der Klimaanpassung in Kenia auf private Unternehmen, die mit Kapital, Ressourcen und Anreizen in Instrumente wie Bewässerungsinfrastruktur oder Schattenbäume investieren könnten.
Eine neue Phase für Kakao und Tee
In beiden Ländern führen die jeweiligen Branchen Anpassungsmaßnahmen ein, um sich gegen die Veränderungen zu wappnen. In Ghana bemühen sich Forschung und Institutionen um verbessertes Pflanzmaterial, klimafreundliche Optionen wie die Integration von Schattenpflanzen, dürreresistente Sorten und Bodenbewirtschaftungstechniken. Cocobod versucht, klimafreundliche Praktiken auszuweiten, vor allem durch seinen technischen Zweig, die Cocoa Health and Extension Division (CHED). Die CHED organisiert Schulungen in landwirtschaftlichen Betrieben, verteilt verbesserte Setzlinge und fördert Praktiken wie Baumschnitt und eine bessere Schädlingsbekämpfung.
Cocobod hat außerdem einen nationalen Standard für klimafreundlichen Kakao eingeführt, der eine Reihe von Leitlinien und Kriterien für bewährte Praktiken für Kakaobauern enthält. Er fördert Praktiken wie Agroforstwirtschaft, Boden- und Wasserschutz sowie schädlingsresistente Anbaumethoden mit dem Ziel, den Kakaoanbau klimaresistenter zu machen. Cocobod arbeitet auch mit großen Geldgebern zusammen – darunter die Weltbank und das Global Center on Adaptation (Ghana Tree Crop Diversification Project) –, um den Zugang zu diesen Techniken zu erweitern. Die Finanzierung stammt überwiegend von der Regierung, ergänzt durch private Mittel von großen Schokoladenherstellern wie Mars, Nestlé und Ferrero. Auch internationale Entwicklungsagenturen haben einen Beitrag geleistet.
Doch trotz der Bemühungen ist die Umsetzung vor Ort uneinheitlich. Während einige Landwirte das gesamte Paket klimafreundlicher Praktiken angenommen hätten, fehlten vielen anderen die Arbeitskräfte, Setzlinge oder Betriebsmittel, um die Empfehlungen auszuführen, erläutert Bunn. Dabei müssen große Flächen mit kranken oder alternden Kakaoplantagen noch saniert werden, was zum Teil auf den unregelmäßigen Zugang zu Beratungsstellen als großem Hindernis zurückzuführen ist. Steigende Kosten und Verschuldung erschweren es der Behörde, Subventionen und Hilfsprogramme aufrechtzuerhalten. So sind zwar die technischen Rahmenbedingungen und Partnerschaften vorhanden, doch geht die Einführung klimafreundlicher Bewirtschaftung langsam voran – sodass viele Bauern weiterhin von klimabedingten Produktivitätsrückgängen betroffen sind.
In Kenia erweitert die KTDA ihre landwirtschaftlichen Schulungsprogramme und entsendet Außendienstarbeiter, um Teebauern Ratschläge zu geben, wie sie mit „unvorhersehbaren Regenfällen, längeren Trockenperioden und extremen Temperaturschwankungen“ umgehen können, sagt Matara. Die Agentur investiert außerdem in kleine Wasserkraftwerke, um die Energieversorgung der Fabriken zu stabilisieren und die Brennstoffkosten zu senken – Maßnahmen, die den Sektor sowohl vor Klimaschwankungen als auch vor Marktvolatilität schützen sollen. Aber die Erträge gehen zurück.
Interne Auswertungen deuten laut Matara darauf hin, dass „einige Gebiete den Teeanbau, wie wir ihn kennen, möglicherweise nicht aufrechterhalten können, wenn sich diese Muster fortsetzen”. Die Botschaft der KTDA an die Landwirte wird immer deutlicher: Anpassung sei „keine Option, sondern überlebenswichtig”.
Die Stiftung hat außerdem klimafreundliche Landwirtschafts- und Diversifizierungsprogramme ins Leben gerufen, die die Widerstandsfähigkeit der Kleinbauern stärken sollen.Allein 2025 absolvierten mehr als 2.900 Teebauern im Embu County, einem der Hauptanbaugebiete, ein Schulungsprogramm von sechs Monaten zu klimaresistenter Landwirtschaft und Diversifizierung des Anbaus.
Für beide Institutionen in Kenia und Ghana hat eine neue Phase begonnen – eine Phase mit weitaus größerer Dringlichkeit, Notwendigkeit und realen Konsequenzen. „Die Diskussion hat sich seit unseren Anfängen vor zehn Jahren verändert“, sagt Bunn. „Damals ging es um den zukünftigen Klimawandel.“ Zu dieser Zeit, fügt er hinzu, konzentrierten sich die Unternehmen darauf, eine Marke aufzubauen, die etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hatte. „Jetzt ist es etwas mit Einfluss auf das Kerngeschäft. Es geht darum, die Zukunft des Landes zu sichern.“
Jesse Chase-Lubitz ist Journalistin und Mitarbeiterin der Informationsplattform DEVEX.



