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  • Krisen & Humanitäre Hilfe
  • 04/2026
  • Ulrich Post

Konflikte schüren Ernährungsunsicherheit in Afrika

Die fünf Länder mit den dauerhaft höchsten Zahlen von akut Hunger leidenden Menschen waren auch Schauplätze wiederkehrender Gewalthandlungen.

Alle in der Welternährung geäußerten Ansichten sind die der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten oder die Positionen der Welternährungsredaktion oder der Welthungerhilfe wider.

Akute Ernährungsunsicherheit liegt dann vor, wenn eine Person nicht in der Lage ist, sich ausreichend zu ernähren und dadurch das Leben oder der Lebensunterhalt unmittelbar gefährdet ist. Die Zahl der Afrikaner, die 2025 unter akuter Ernährungsunsicherheit litten, wird auf 167 Millionen geschätzt – ein trauriger Rekord.

Haupttreiber dieser Entwicklung sind nach wie vor Konflikte auf dem Kontinent. 130 Millionen oder rund 78 Prozent derjenigen mit akuter Ernährungsunsicherheit leben in Konfliktländern Afrikas. Auch Hungersnöte gab es seit 2024 auf dem Kontinent; rund 700.000 Menschen waren davon betroffen – alle in Konfliktregionen des Sudan, des Südsudan oder Malis.

Die fünf Länder mit den dauerhaft höchsten Zahlen von Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit waren ebenso Länder mit Konflikten, nämlich Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Äthiopien und Südsudan. Sie machen zusammen fast zwei Drittel der Menschen aus, die in Afrika unter unsicherer Ernährung leiden.

Eine lange Dauer von Konflikten wirkt sich negativ auf die Nahrungsmittelproduktion und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes aus. Sie verschärft auch langfristig die Ernährungsunsicherheit. In Äthiopien z.B. gab es während des Krieges in Tigray 2020-22 einen rasanten Anstieg der Zahl von Menschen mit Ernährungsunsicherheit, nämlich von 8,6 Millionen auf 23,6 Millionen. Seitdem ist die Zahl zwar zurückgegangen, sie bleibt aber viel höher als in der Zeit vor 2020.

Vier der fünf Länder mit den höchsten Zahlen der akut ernährungsunsicheren Menschen sind Nachbarn: die DR Kongo, Äthiopien, Sudan und Südsudan. Diese regionalen Verbindungen unterstreichen den Ausstrahlungseffekt von politischer Instabilität und Konflikten.

Die meisten Menschen in Ernährungsunsicherheit lebten 2025 in Ostafrika (35 Prozent oder 57,9 Millionen); es folgen Westafrika (28 Prozent oder 47,4 Millionen), Zentralafrika (23 Prozent oder 38,2 Millionen) und das südliche Afrika (14 Prozent oder 23,5 Millionen). Wie oben erwähnt, breiteten sich auch Hungersnöte seit 2024 in drei Ländern aus: Sudan, Südsudan und Mali. Im Sudan hat die paramilitärische Rapid Support Forces (RSF) gezielt die Infrastruktur der Nahrungsmittelproduktion angegriffen; während beide Kriegsparteien, also RSF und sudanesische Armee, zivile Märkte attackierten und verhinderten, dass humanitäre Hilfe die notleidende Bevölkerung erreichte.

Quelle all dieser Zusammenhänge ist das Africa Center for Strategic Studies, eine akademische Einrichtung im US-amerikanischen Verteidigungsministerium. Es verwendet Zahlen von seriösen internationalen Organisationen.

Konflikte in abhängigen Ländern steigen nach Kürzungen der Geber

Hochinteressant ist im Zusammenhang von Konflikten und Ernährung eine im Februar 2026 veröffentlichte Studie von drei australischen Ökonomen über die kurzfristigen Folgen des Rückgangs von Auslandshilfe auf Konflikte in Subsahara-Afrika. Mit dieser Studie hat sich auch das Center for Global Development zustimmend auseinandergesetzt. Ausgangspunkt der Studie war die abrupte Beendigung der USAID-Auslandsprogramme im Februar 2025. In Subsahara-Afrika sanken die Auszahlungen um ca. 90 Prozent im folgenden Monat im Vergleich zum Vorjahr.

In Ländern, die stark von Auslandshilfe abhängig sind, nahmen danach bewaffnete Konflikte zwischen organisierten Akteuren im Vergleich zu weniger abhängigen Ländern um etwa 15 Prozent zu, wobei dieser Effekt in den ersten drei Monaten nach dem Stopp der Hilfe am stärksten war. Gewalt gegen Zivilisten stieg um zehn Prozent; sie wurde eher von Milizen verursacht als von regulären Armeen oder Rebellengruppen.

Nach Ansicht der australischen Wissenschaftler sind die Folgen weniger ausgeprägt in Ländern  mit höherer staatlicher Leistungsfähigkeit, besserer öffentlicher Verwaltung und territorialer Kontrolle. Sie sind deutlich höher in Ländern mit politischer Korruption. Abrupte Kürzungen der Auslandshilfe beeinflussen Konflikte nicht allein durch die Reduzierung von finanziellen Ressourcen, sondern auch durch den Bruch von Erwartungen und Zusagen, die zuvor gewaltsames Verhalten beschränkten.

Prträt: Ulrich Post, Leiter Team Grundsatzfragen.
Ulrich Post Welternährung
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