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  • Wirtschaft & Menschenrechte
  • 12/2025
  • Dr. Thomas Daum
Schwerpunkt

Mechanisierte Landwirtschaft spart Arbeit – aber geht das ohne ökologische Rückschritte?

Der Globale Süden hat die Chance, mit geringerem Arbeitseinsatz produktiver zu werden, ohne umweltschädliche industrielle Monokulturen zu kopieren.

Feldermosaik in Madagaskar. Die Mechanisierung der Landwirtschaft steckt in den Anfängen. Die Branche macht zwar mehr als 20 Prozent des BIP aus, ist aber von Subsistenzwirtschaft geprägt. © Marcel Crozet / ILO via Flickr CC BY-NC-ND 2.0

Alle in der Welternährung geäußerten Ansichten sind die der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten oder die Positionen der Welternährungsredaktion oder der Welthungerhilfe wider.

Einleitung: Angesichts der stark wachsenden Nutzung vieler arbeitssparender Technologien im globalen Süden stellt sich die drängende Frage: Ist es möglich, die schwere Arbeit in der Landwirtschaft zu verringern, ohne das umweltschädliche Modell industrieller Monokulturen zu kopieren?

Die Rolle der Arbeit hat schon immer im Mittelpunkt des Wandels in der Landwirtschaft gestanden. Im Laufe der Geschichte haben Bauern stets nach Möglichkeiten gesucht, die Arbeit zu erleichtern, indem sie neue Werkzeuge erfanden und die Kraft von Feuer, Wind, Wasser und Tieren nutzten. Bereits um 4000 v. Chr. kamen in Mesopotamien Ochsenpflüge zum Einsatz und etwa 1000 v. Chr. gab es in China wasserbetriebene Mühlen.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich der technische Wandel dann dramatisch beschleunigt. Arbeitssparende Technologien wie Traktoren führten zu großen Produktivitätssteigerungen und leiteten einen umfassenden Strukturwandel ein. Diese Entwicklungen haben das Gesicht der Landwirtschaft grundlegend verändert: Es entstanden großflächige Monokulturen, wodurch wertvolle Pflanzenvielfalt und komplexe Mosaike aus Feldern, Wiesen, Wäldern und Gewässern verschwanden. Diese Veränderungen sind  für den rasanten Verlust biologischer Vielfalt und eine abnehmende Klimaresilienz verantwortlich.

Landwirtschaft macht nicht immer Spaß

Die Landwirtschaft der weltweit rund 550 Millionen Familienbetriebe ist meist sehr arbeitsintensiv. In Sambia beispielsweise benötigen Kleinbauernfamilien mehr als 1.000 Stunden, um einen Hektar Mais zu bewirtschaften – von der Bodenvorbereitung über das Jäten von Unkraut bis zur Ernte (Adu-Baffour et al., 2019). Der Großteil dieser Arbeit wird von unbezahlten Familienmitgliedern, darunter Frauen und Kinder, verrichtet.

Landwirtschaftliche Arbeit kann zwar Spaß machen und lohnend sein, doch das ist nicht immer der Fall. So ist die Bodenvorbereitung oder das Jäten mit einfachen Hacken unter heißen, feucht-tropischen Bedingungen körperlich sehr anstrengend und kann der Gesundheit schaden. Durch den Klimawandel dürften diese Arbeiten für die Menschen noch belastender werden (Dasgupta et al., 2021).

Die hohe Anzahl an Arbeitsstunden pro Hektar steht in engem Zusammenhang mit der geringen Arbeitsproduktivität und letztlich mit der anhaltenden Armut in ländlichen Gebieten. Aufgrund der langen Arbeitszeiten auf dem Feld können die Bauern kaum einer Nebenbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft nachgehen oder haben wenig Zeit für wichtige Aufgaben im Haushalt wie Kochen und Kinderbetreuung. Wenn Kinder auf dem Hof arbeiten, versäumen sie den Schulunterricht oder haben kaum Zeit zum Spielen.

In der manuellen Landwirtschaft sind zwar viele Menschen beschäftigt, doch ein Großteil dieser Arbeit ist unbezahlt und sehr anstrengend. Das erklärt, warum Landwirte weltweit versuchen, die Arbeitsbelastung zu verringern. Dieser allgemeine Trend ist zuletzt besonders stark in Asien und in Teilen Afrikas zu beobachten, nämlich in Ländern, die einen Strukturwandel durchlaufen und in denen junge Menschen zunehmend besser bezahlte Jobs in den wachsenden Industrie- und Dienstleistungsbranchen der Städte finden. In der Folge greifen Landwirte oftmals schneller auf arbeitssparende Technologien zurück, sobald sich die Möglichkeit dazu bietet.

In Nordamerika und Europa sind Traktoren und Erntemaschinen zum Inbegriff der Landwirtschaft geworden. In weiten Teilen Asiens haben sich in den vergangenen Jahrzehnten kleine vier- und zweirädrige Traktoren rasch verbreitet, letztere insbesondere im Reisanbau. In Afrika südlich der Sahara war der Grad der Mechanisierung traditionell weitaus geringer, nimmt jetzt aber stetig zu (Daum, 2023). Gleichzeitig stützt sich die Landwirtschaft zunehmend auf Pestizide, insbesondere Unkrautbekämpfungsmittel. Dies gilt für den Globalen Norden und verstärkt auch für den Globalen Süden. In Afrika sprechen einige Forscher von einer "Pestizidrevolution", die durch eine "Flut" kostengünstiger Generika-Chemikalien aus China und Indien angeheizt wird (Schwarze et al., 2023).

Viele Landwirte schätzen Traktoren und Pestizide, weil sie die Arbeitszeit verkürzen und die schwere körperliche Belastung verringern. In Sambia konnten Bauernfamilien, die Traktoren für die Bodenbearbeitung einsetzen, die den zeitlichen Aufwand von über 200 auf 10 Stunden pro Hektar senken (Adu-Baffour et al., 2019). In Mali ließ sich der Arbeitsaufwand für das Jäten durch den Einsatz von Herbiziden von 12 Tagen auf ein bis zwei Tage pro Hektar verringern (Haggblade et al., 2017). In Burkina Faso bezeichnen Bäuerinnen Herbizide inzwischen als „kleine Helfer der Mütter” (Moseley und Pesser, 2022).

Die Risiken arbeitssparender Technologien

Für Landwirte sind arbeitssparende Technologien zwar sehr attraktiv, doch sie haben erhebliche Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Landwirtschaft betrieben wird (Daum et al., 2023). In vielen Ländern hat der verstärkte Einsatz großer Maschinen dazu geführt, dass kleinere Parzellen zu großen, rechteckigen Feldern umgestaltet wurden. Dem fielen Bäume, Hecken und andere Landschaftselemente zum Opfer. Die landschaftliche Vielfalt, die auch eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beherbergte, wurde zerstört.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung in Sambia lebt von der Landwirtschaft, meistens Kleinbauern, für die sich eigene Traktoren selten lohnen. © Courtesy of Thomas Daum

Außerdem geht Mechanisierung oft mit sinkender Anbauvielfalt einher, es entstehen Monokulturen mit schädlichen Folgen für die Biodiversität. Die maschinelle Bodenbearbeitung kann, insbesondere wenn sie nicht mit guten landwirtschaftlichen Praktiken einhergeht, auch die Qualität der Böden und der darin lebenden Mikroorganismen schädigen. Falsch eingesetzte Herbizide können Insektenpopulationen, Bodenlebewesen sowie Grundwasser, Seen und Flüsse gefährden.

Die hohe Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft erklärt nicht nur, warum arbeitssparende Technologien für Landwirte attraktiv sind. Oft erklärt sie auch, warum Landwirte keinen agrar-ökologischen Landbau betreiben, wie das integrierte Management der Bodenfruchtbarkeit, Mischkulturen und Agroforstwirtschaft.

Diese Anbaumethoden sind zwar sehr nachhaltig und fördern beispielsweise die Artenvielfalt. Viele Bauern meiden sie jedoch, da sie mehr Arbeit verursachen und die Arbeitsbedingungen verschlechtern können (Dahlin und Rusinamhodzi, 2019), was oftmals vor allem Frauen negativ trifft (Farnworth et al., 2016). Eine interessante Studie eines Forschungsteams der Universität Hohenheim und der China Agricultural University zeigt etwa, dass die Abwanderung aus ländlichen Gebieten und der folgende Arbeitskräftemangel für das „langsame Aussterben der Mischkultur” in China verantwortlich sind (Feike et al., 2012). 

Auf den Faktor Arbeit kommt es

Aus sozioökonomischer Sicht ist die Entscheidung der Bauern für arbeitssparende Technologien durchaus sinnvoll, da sie mühselige Arbeit reduzieren, Zeit sparen und die Produktivität steigern wollen. Aus Sicht der Biodiversität führt dies jedoch zu vereinfachten Systemen, Monokulturen und letztlich zu einem ökologischen Rückschritt. Mit anderen Worten: Der Faktor Arbeit hilft erklären, warum die Landwirtschaft zu Umständen tendiert, die zwar kurzfristig den Lebensunterhalt sichern, langfristig jedoch der biologischen Vielfalt schaden. Dieser Trend ist seit langem in vielen Industrieländern zu beobachten, und auch die Länder des Globalen Südens stehen unter vergleichbarem Druck.

Was folgt daraus? Zum einen ist es besonders wichtig, den Faktor Arbeit bei Entscheidungen in der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Die meisten Landwirte werden keine agrar-ökologischen Verfahren praktizieren, die zusätzliche Arbeit erfordern, es sei denn, diese bieten erhebliche Vorteile, oder es gibt finanzielle Anreize. Arbeitssparende Technik wie Traktoren sind derweil sehr attraktiv. Angesichts der Bedeutung von Arbeit für den Lebensunterhalt der Landwirte, benötigen wir also Lösungen, welche die hohe Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft mindern und gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf die Umwelt auf ein Minimum reduzieren.

Es gibt Alternativen

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei, arbeitssparende Maschinen an die Größe des jeweiligen Betriebs anzupassen. Dazu gehören kleine vier- oder zweirädrige Traktoren, in einigen Ländern auch Zugtiere (Daum et al., 2023). Kleine Maschinen eignen sich besser für kleine Parzellen und können Bäume und Hecken einfacher umfahren. Zudem sind sie leichter zu finanzieren, zu betreiben und zu reparieren. Die Kombination von Mechanisierung mit bodenschonenden Praktiken wie der konservierenden Landwirtschaft kann zusätzlich dazu beitragen, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren (Daum, 2023). Durch integrierten Pflanzenschutz, der sich auf mechanische und biologische Lösungen konzentriert und den Einsatz von Pestiziden nur als letztes Mittel in Betracht zieht, lassen sich die negativen Auswirkungen von Pestiziden verringern.

Auf Thailands Reisfeldern sind Erntemaschinen hauptsächlich in den Ebenen im Einsatz. © Falise T. / ILO CC BY-NC-ND 2.0

Auch Präzisionssprühgeräte, die eine standortgerechte und genaue Unkrautbekämpfung ermöglichen, sind nützlich (Gerhards et al., 2022). Das Hauptziel sollte eine pestizidfreie Landwirtschaft sein – auch wenn die Landwirte sich davon vermutlich nicht überzeugen lassen, wenn sie mit geringeren Erträgen und mehr Arbeit rechnen müssen. Insbesondere, wenn sie im Gegensatz zu europäischen Landwirten nicht durch Marktprämien und Subventionen entschädigt werden.

Biologische Vielfalt schützen

Überdies sind Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt dringend erforderlich. Dazu gehören produktionsbezogene Umstellungen wie Mischanbau (Intercropping) und Patchwork-Anbau (Patch Cropping), um eine höhere Vielfalt von Nutzpflanzen zu erzielen, sowie die Umnutzung von Flächen, etwa für Bäume und Hecken (Daum et al., 2023). Bauminseln können beispielsweise die Biodiversität in Plantagen erhöhen (Zemp et al., 2023). Es bedarf jedoch weiterer Forschung, um herauszufinden, wie sich solche Maßnahmen auf die Kompromisse in Bezug auf landwirtschaftliche Flächen und Arbeitsproduktivität auswirken.

Mechanisierte Optionen können auch für einen besseren Mischanbau eine Lösung sein. Sind die Kosten der Mechanisierung für einzelne Landwirte höher als der Nutzen, können Bauern finanziell entschädigt werden, beispielsweise im Rahmen von Zertifizierungen oder erfassten Ökodienstleistungen. Über betriebsbezogene Lösungen hinaus sind landschaftsbezogene Maßnahmen wichtig. Dazu gehört eine sorgfältige Planung und Überwachung der Landnutzung, um Biodiversitäts-Hotspots, Lebensraum-Mosaike und vernetzte Parzellen zu erhalten.

Viele Länder des Globalen Südens haben die einmalige Chance, aus den Erfahrungen und Fehlern der Industrienationen zu lernen und großflächige Monokulturen zu vermeiden. Es ist möglich, die Produktivität zu steigern und die Umweltbelastung zu minimieren. Damit das gelingt, muss allerdings der Faktor Arbeit im Mittelpunkt stehen. Eine Vielzahl geeigneter Technologien und biodiversitätsfreundlicher Praktiken gibt es bereits. In Verbindung mit den richtigen Forschungs- und Entwicklungsbemühungen, Anreizen und politischen Begleitmaßnahmen kann die schwere Arbeit in der Landwirtschaft reduziert und gleichzeitig die Umwelt geschützt werden.

Thomas Daum, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim.
Dr. Thomas Daum University of Gothenburg, School of Global Studies

Referenzen:

Adu-Baffour, F., Daum, T., & Birner, R. (2019). Can small farms benefit from big companies’ initiatives to promote mechanization in Africa? A case study from Zambia. Food policy, 84, 133-145.

Dasgupta, S., Van Maanen, N., Gosling, S. N., Piontek, F., Otto, C., & Schleussner, C. F. (2021). Effects of climate change on combined labour productivity and supply: an empirical, multi-model study. The Lancet Planetary Health, 5(7), e455-e465.

Dahlin, A. S., & Rusinamhodzi, L. (2019). Yield and labor relations of sustainable intensification options for smallholder farmers in sub‐Saharan Africa. A meta‐analysis. Agronomy for Sustainable Development, 39(3), 32.

Daum, T., Baudron, F., Birner, R., Qaim, M., & Grass, I. (2023). Addressing agricultural labour issues is key to biodiversity-smart farming. Biological Conservation, 284, 110165.

Daum, T. (2023). Mechanization and sustainable agri-food system transformation in the Global South. A review. Agronomy for Sustainable Development, 43(1), 16.

Farnworth, C. R., Baudron, F., Andersson, J. A., Misiko, M., Badstue, L., & Stirling, C. M. (2016). Gender and conservation agriculture in East and Southern Africa: towards a research agenda. International Journal of Agricultural Sustainability, 14(2), 142-165.

Feike, T., Doluschitz, R., Chen, Q., Graeff-Hönninger, S., & Claupein, W. (2012). How to overcome the slow death of intercropping in the North China Plain. Sustainability, 4(10), 2550-2565.

Gerhards, R., Andujar Sanchez, D., Hamouz, P., Peteinatos, G. G., Christensen, S., & Fernandez‐Quintanilla, C. (2022). Advances in site‐specific weed management in agriculture—A review. Weed Research, 62(2), 123-133.

Haggblade, S., Smale, M., Kergna, A., Theriault, V., & Assima, A. (2017). Causes and consequences of increasing herbicide use in Mali. The European Journal of Development Research, 29(3), 648-674.

Moseley, W. G., & Pessereau, E. J. (2022). Mother's Little Helper: A Feminist Political Ecology of West Africa's Herbicide Revolution. In Barcus, H., Jones, R., & Schmitz, S. (Eds.). Rural transformations: globalization and its implications for rural people, land, and economies. Routledge.

Schwarze, L., Daum, T., Birner, R. (2023). “Selling pesticides like biscuits” – challenges of pesticide governance in Zambia. Rural21, 3.

Zemp, D. C., Guerrero-Ramirez, N., Brambach, F., Darras, K., Grass, I., Potapov, A., ... & Kreft, H. (2023). Tree islands enhance biodiversity and functioning in oil palm landscapes. Nature, 618(7964), 316-321.

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