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  • Wirtschaft & Menschenrechte
  • 10/2025
  • Dr. Lauren A. Johnston
Schwerpunkt

Weitblick: Warum China in den Handel mit Afrika investiert

Infrastrukturbau und Billigexporte waren gestern. Heute baut China mit dem jungen Kontinent strategisch den Handel aus – in Erwartung eines neuen Wachstumsmotors.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei der "China-Africa Leaders Round Table"-Konferenz zum Abschluss des Brics-Gipfels 2023 in Johannesburg. © GCIS/GovernmantZA via Flickr

Alle in der Welternährung geäußerten Ansichten sind die der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten oder die Positionen der Welternährungsredaktion oder der Welthungerhilfe wider.

Die beiden größten Volkswirtschaften China und die USA rivalisieren um ihre geoökonomische Eigenständigkeit und um die globale Führungsrolle. Mit der Europäischen Union ist Chinas Verhältnis durch andauernde Handelsspannungen geprägt. Für das Reich der Mitte, ein Land mit mittlerem Einkommen und einer schnell alternden Bevölkerung, folgt daraus die Notwendigkeit, in alternative Märkte und Wachstumsquellen zu investieren.

Schon seit 2009 ist China Afrikas erster Handelspartner, was in erster Linie auf die Nachfrage nach afrikanischen Brennstoffen und Mineralien zurückzuführen ist. Mit der wachsenden Bedeutung von Strom im Energiemix entstehen jedoch neue Wachstumsmotoren. Parallel dazu läuft die Abkehr von einem Wachstumsmodell, das sich auf intensive Infrastrukturbauten und massive Billigexporte stützte. In der Folge hat China – vor dem Hintergrund einer angespannten globalen Wirtschaftslage – es zur Priorität erklärt, den chinesisch-afrikanischen Handel zu beschleunigen, damit beide Partner die nächste Entwicklungsphase zünden können.

Die afrikanischen Länder werden ihrerseits immer ungeduldiger, was ihre Entwicklung angeht. Seit COVID-19 ist die Überschuldung zu einer Belastung geworden. Das Augenmerk der Entwicklungshilfe und ihre Finanzmittel werden abgelenkt durch sekundäre geoökonomische Ereignisse, wie etwa dem Ukrainekonflikt. China nutzt diese Spannungen für ein verstärktes Engagement in Afrika und tätigt Investitionen in handelsbezogene Infrastruktur und industrielle Entwicklung.

Allein die jüngeren Nachrichten aus Tansania umfassen die Eröffnung des von China erbauten Ostafrikanischen Handels- und Logistikzentrums in Daressalam im Juli 2025 und Chinas Zusage, mit Hilfe heimische Staatsunternehmen Tansanias Verkehrsnetz und das Binnenland Burundi mit der Eisenbahn zu verbinden. Die Strecke wird bis zur zentral gelegenen burundischen Stadt Musongati führen, in deren Nähe die zehntgrößten Nickelvorkommen der Welt sowie Gold-, Platin-, Palladium-, Kupfer- und Eisenreserven liegen.

Bereits 2010 hatte Xi Jinping, damals Vizepräsident, bei seinem Besuch in Südafrika dem Kontinent versprochen, das Volumen des Handels und die Zusammensetzung der Güter zwischen China und Afrika zu verbessern. Vor dem Hintergrund von Handelskonflikten in diversen Weltregionen erscheint dieses Versprechen heute umso bedeutsamer. Aber was unternehmen die chinesische Regierung und Unternehmen des Landes genau, um ein solches neues Wachstumsmodell für den beidseitigen Handel zu fördern?

Einen Hinweis darauf liefert die vierte China-Afrika Wirtschafts- und Handelsmesse (CAETE), die Mitte Juni 2025 in Changsha, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan, stattfand. Dieser Artikel untersucht die Ursprünge dieser alle zwei Jahre stattfindenden Handelsmesse und warum sie in der Provinz Hunan angesiedelt ist. Außerdem wird erörtert, ob die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump sich auf die Beziehungen zwischen China und Afrika auswirkt.

Chinas Handelsagenda aus Hunan begann unter Trumps erstem Handelskrieg

Es war im Januar 2018, als Trump als der 45. Präsident der USA allgemeine Zölle verkündete, die die Volksrepublik China mehr als alle anderen Handelspartner treffen sollten. (Tabelle 1) Die Spannungen haben sich seither noch intensiviert.

Tabelle 1: Wegmarken der Handelspolitik 2018-2019

Datum

Ereignis

Januar 18

US-Präsident Donald Trump verhängt Zölle auf alle importierten Waschmaschinen und Solarpanele (nicht nur aus China, aber China war besonders betroffen); der Handelskrieg zwischen den USA und China beginnt.

März 18

Vereinbarung des African Continental Free Trade Agreement (AfCFTA)

April 18

China und USA verhängen gegenseitige Handelsbeschränkungen.

Juli 18

China belegt Sojaimporte aus den USA mit 25 Prozent Zöllen.

Okt. 18

Chinas Präsident Xi Jinping kündigt eine China-Afrika-Handelsmesse an und umfassende landwirtschaftliche Zusammenarbeit.

Mai 19

AfCFTA tritt in Kraft.

Juni 19

Erste China-Afrika Wirtschafts- und Handelsmesse in Changsha eröffnet.

Source: Johnston, Lauren A. (2025), ‘The “Hunan Model”: From “African Shenzhen” to China’s “Africa Shenzhen”, SSRN Working Paper.

Unabhängig von den bilateralen Spannungen entwickelt sich die intraregionale Handelsagenda Afrikas stetig weiter. Der Startschuss zu einer kontinentalen Freihandelsvereinbarung war schon bei der 18. Sitzung der Versammlung der Afrikanischen Union im Januar 2012 gefallen. Die Verabschiedung des Afrikanischen Kontinentalen Freihandelsabkommens (AfCFTA) erfolgte im März 2018 – zwei Monate nach Beginn des Handelskriegs zwischen den USA und China. Das AfCFTA hat zum Ziel, zur Förderung des innerafrikanischen Handels einen einheitlichen kontinentalen Markt für Waren und Dienstleistungen mit freiem Personen- und Kapitalverkehr zu schaffen und damit den Weg zu einer kontinentalen Zollunion zu ebnen. Im Oktober des gleichen Jahres richtete China in Peking das alle drei Jahre stattfindende Forum für chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit (FOCAC) aus, das sechste seiner Art. In seiner Plenarrede versprach Staatspräsident Xi den rund 50 anwesenden afrikanischen Staatschefs, dass China eine chinesisch-afrikanische Handelsmesse ins Leben rufen werde. 

Unmittelbar danach wurde in Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, bei einem Treffen von Regierungsvertretern beider Seiten die „Changsha-Erklärung zur fortgesetzten Solidarität und Zusammenarbeit des globalen Südens” verabschiedet. Sie bekräftigt das Engagement für den Aufbau einer chinesisch-afrikanischen Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft, die in der Lage ist, komplexe globale Herausforderungen – von wirtschaftlicher Instabilität bis hin zu geopolitischen Umbrüchen – mit Solidarität und Gerechtigkeit zu bewältigen. 

China-Afrika-Wirtschafts- und Handelsmesse (CAETE)

Während der Handelskrieg zwischen den USA und China bereits in vollem Gange war, trat im Mai 2019 das AfCFTA in Kraft (s. Tabelle 1). Und wie von Xi versprochen hatte im Monat darauf die erste China-Afrika Wirtschafts- und Handelsmesse (CAETE) in Changsha Premiere. Die CAETE ist zum einen eine Dauerausstellung in einer Halle des Gaoqiao Grand Market in Changsha, dem drittgrößten Großhandelsmarkt Chinas, der über 8.000 Händler beherbergt und jährlich Hunderte Millionen Besucher zählt (Abbildung 1). Sie zeigt Zentren zur Handelsförderung, darunter das African Nut Trading Centre und das African Cacao Marketing Centre.

Zum anderen ist sie eine zweijährliche Veranstaltung in dem viel größeren Changsha International Convention and Exhibition Centre. Afrikanische Teilnehmer an CAETE-Aktivitäten berichteten anekdotisch, dass das Gesamtmodell zu stark auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus Afrika ausgerichtet sei, während gleichzeitig für große chinesische Unternehmen der Einstieg in den afrikanischen Markt erleichtert werde. Mit anderen Worten: Das Modell mag gewinnbringend für beide Seiten sein, aber Chinas Gewinn dürfte absehbar größer sein. 

Bemerkenswert ist, dass die permanente CAETE-Halle auch das physische Herzstück der China-Africa Economic and Trade Deep Cooperation Zone darstellt. Und der umgebende Gaoqiao Grand Market selbst ist kein isolierter Handelsplatz, sondern gehört zu der größeren Pilot-Freihandelszone China (Hunan). Dies illustriert, wie sehr CAETE Teil einer größeren globalen Handelsagenda Chinas und einer umfassenderen Agenda zur Erleichterung des beidseitigen Handels und der wirtschaftlichen Beziehungen ist – um Hürden abzubauen, darunter rechtliche, digitale, währungsbezogene und sprachliche.

Abb. 1 Bausteine der Chinesisch-Afrikanischen Wirtschaftszone

Alle zwei Jahre im Juni ist das Changsha International Convention and Exhibition Centre Schauplatz einer noch größeren Fachmesse zu CAETE, die ausgesuchte afrikanische Schwerpunktländer und chinesische Provinzen bewirbt. 2025 war das Motto „China und Afrika: gemeinsam auf dem Weg zur Modernisierung“ und stellte Unternehmen mit Handels- und Investitionskapazitäten in Bereichen wie saubere Energie, Technologien für die ländliche Entwicklung, industrielle Wertschöpfungsketten und die Digitalwirtschaft zur Schau. Chinas Außenminister Wang Yi hielt die Eröffnungsrede, Ehrengäste waren Premierministerin Robinah Nabbanja aus Uganda, Liberias Vizepräsident Jeremiah Koung und der kenianische Außenminister Musalia Mudavadi.

Chinesischen Staatsmedien zufolge zog die Messe fast 4.700 chinesische und afrikanische Unternehmen und über 30.000 Teilnehmer an, wobei Projekte im Gesamtwert von über 11 Mrd. Dollar vereinbart wurden. Dazu gehören eine geplante Investition von rund einer halben Milliarde Dollar zum Bau eines Lagers für Gebrauchtwagen und Autoteile in Nigeria sowie eine Verarbeitungsanlage für Baustoffe in Ägypten. Darüber hinaus hat die Firma Yadea Electric Scooters, die auf E-Zweiradfahrzeuge für besondere Straßenverhältnisse spezialisiert ist, die Errichtung einer Lade- und Batteriewechsel-Infrastruktur in Äthiopien und Marokko in Aussicht gestellt. 

Unter dem Eindruck der Handelskonflikte zwischen China und den USA im Agrarsektor war auch die landwirtschaftliche Entwicklung ein wichtiges Thema auf der diesjährigen CAETE. So wurde die Sino-Angola Agricultural Equipment & Finance Corporation gegründet, wobei die Sinomach Hainan Development Company eine Reihe von Vereinbarungen mit Angola über Landmaschinen, Finanzierung und Dienstleistungen unterzeichnete. Insgesamt investiert China 350 Mio. Dollar in die angolanische Landwirtschaft, um sich im Soja- und Maishandel unabhängiger von den USA zu machen. Gleichzeitig sollen in Angola die wirtschaftliche Diversifizierung über Erdölexporte hinaus und die Steigerung der Einkommen im ländlichen Raum gefördert werden. Ebenso wurde ein nigerianisch-chinesischer Agrarwissenschafts- und Technologiepark vereinbart, der die Produktivität der Landwirtschaft steigern und den Handel breiter aufstellen soll. Weitere Vereinbarungen betrafen eine Agro-Industrial Processing Zone im Bundesstaat Niger (Nigeria) mit der chinesischen Overseas Engineering Group (COVEC) sowie Pläne zur Ausweitung des Anbaus von Mais, Sojabohnen, Reis und Weizen. 

Zwei weitere CAETE-bezogene Veranstaltungen außerhalb von Hunan hatten im Februar 2024 in Peking und im Oktober 2024 in Wuhan sowohl CAETE als auch die größere China-Africa Economic and Trade Deep Cooperation Zone gefeiert. Die eine richtete sich an afrikanische Botschafter. Die andere sollte die Provinz Hubei (neben Hunan) besser mit Afrika vernetzen und ein stärkeres Engagement seiner Unternehmen bei CAETE 2025 erreichen. 

Direkte Länderbeziehungen

Seit 2024 baut die CAETE auch direkte Beziehungen zu afrikanischen Ländern auf. Auf beiden Seiten wird die Vertiefung der Beziehungen zwischen der CAETE und Interessengruppen in Afrika sichtbar. Im Oktober 2023 gab die kenianische Industrie- und Handelskammer bekannt, dass sie ihre Repräsentanz in Changsha in Betrieb genommen hat. Zu den erklärten Zielen gehören die Förderung von Handels- und Investitionsbeziehungen sowie erhöhte Bekanntheit und Sichtbarkeit kenianischer Waren in China. Ende 2024 wurde das Tanzania Investment Centre gegründet, das 3 Mrd. Dollar der von Xi auf dem FOCAC-Gipfel zugesagten Investitionen in Höhe von 10 Mrd. Dollar einwerben soll. 

Parallel zu dieser zunehmenden afrikanischen Präsenz in Hunan streckt CAETE seine Arme nach Afrika aus. Im Mai 2024 organisierten das CAETE-Sekretariat und das kenianische Ministerium für Investitionen, Handel und Industrie in Kenia die erste Veranstaltung unter der Flagge von CAETE auf dem Kontinent. Die Veranstaltung hatte nicht nur die beidseitigen Beziehungen im Blick, sondern den Handel in der gesamten Subregion. Gemeldete Vertragsabschlüsse betrafen eine Fabrik zur Verarbeitung von Sonnenblumenkernen in Tansania, ein Lagerhaus in Dschibuti und den Fisch-Export von Kenia nach China. Bei Ausstellungen standen Logistik, Lebensmittel und Agrarprodukte, Maschinen und Ausrüstung sowie Biomedizin im Mittelpunkt. 

Schon im November 2024 drehte sich eine weitere CAETE-Veranstaltung in Abuja, der Hauptstadt Nigerias, um den Einstieg von Unternehmen aus Hunan in den Agrar- und Industriesektor des Landes und darüber hinaus. Nigeria ist Chinas größter Markt für Investitionen und Vertragsanbau auf dem Kontinent. Dieses erste CAETE-Event in Westafrika wurde wie in Nairobi vom CAETE-Sekretariat mit der China International Contractors Association abgehalten. Zwei Matchmaking-Veranstaltungen legten die Schwerpunkte auf Infrastruktur, neue Energien, Baumaschinen, Baustoffe, Landmaschinen und -geräte sowie auf Medizin und Gesundheitswesen.

Der Tiefseehafen Lekki Port in Nigeria ist ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem auch die China Harbour Engineering Company beteiligt ist. © LPLEL PR

Etwa zur gleichen Zeit wurde in der nigerianischen Metropole Lagos der Afrika-Sitz des Hunan-Guangdong-Africa Railway-Sea Intermodal (Nigeria) Logistics Centre eröffnet. Im Jahr davor war in der Freihandelszone von Lagos das neue Deep Seaport Container Terminal mit einer Kapazität von 2,5 Millionen TEU eröffnet worden. Das Logistikzentrum ist an Hunans intermodale Bahn- und See-Handelsroute angebunden und betreibt ein integriertes und digitales Logistiksystem für Warentransport, Lagerung und Umschlag. Fünf solche Zentren sind in Afrika geplant, das zweite wird in Ägypten bereits gebaut. Auch im Nachbarland Niger etabliert die CAETE übergeordnete China-Afrika-Zone von Hunan eine gemeinsame Sonderwirtschaftszone. Sie ist die erste derartige Verbindung zu Hunan in Niamey. Als Ziele werden die Steigerung der Deviseneinnahmen aus Nigers Exporten, die Importsubstitution und der Aufbau eines Ökosystems für chinesische Investitionen genannt. 

Warum Hunan – und wie geht es weiter?

Warum gerade die Provinz Hunan für diese intensive und wegweisende nationale Vorreiterrolle beim Ausbau der Beziehungen zu Afrika ausgewählt wurde, hat China nie verraten. Eine gängige Erklärung lautet, die Gründe seien durchdacht und hochgradig strategisch, darunter die historische und gegenwärtige Wettbewerbsfähigkeit von Hunan in Branchen wie Landwirtschaft, Agrartechnologie, Bauwesen, Schwermaschinen und Verarbeitung von Erzen. Auch aus entwicklungspolitischer Sicht hat Hunan eine zentrale Rolle bei der Überwindung von Hunger und absoluter Armut gespielt – alles Ziele, die laut Chinas Agenda auch afrikanische Nationen erreichen sollen, und die auch mit den Zielen der Changsha-Erklärung verbunden sind.

Die Rolle der Provinz gewinnt bei der Handelsgestaltung jedenfalls weiter an Bedeutung. Vor kurzem hat sie ein Handelsförderungsabkommen auf Provinzebene mit der südafrikanischen Provinz Gauteng unterzeichnet, die rund sieben Prozent des afrikanischen BIP ausmacht und das Zentrum des Bergbau- und Bankensektors auf dem Kontinent ist.

Der Handel zwischen China und Afrika hat zugleich ein Allzeithoch erreicht: Nach der Erholung von COVID-19 erreichte er laut chinesischen Angaben 2024 einen Wert von rund 296 Mrd. Dollar. In den ersten acht Monaten 2025 wurde ein Anstieg um 15 Prozent auf bereits 222 Mrd. Dollar gemeldet. Andererseits weist der Kontinent wegen der niedrigeren Rohstoffpreise seit 2015 ein Handelsdefizit mit China auf. Südafrika, Angola, Nigeria, die DR Kongo und Ägypten sind Chinas wichtigste Partner auf dem Kontinent, wobei die DR Kongo sogar einen seltenen Handelsüberschuss mit China hat.

Chinas Importe sind nach wie vor stark auf den Erwerb von Rohstoffen und den Rückverkauf von Industriegütern ausgerichtet. Das Hunan-Modell und die Changsha-Erklärung sollen dieses Ungleichgewicht so beseitigen, dass Afrika in den kommenden Jahrzehnten industrialisiert werden kann. Trumps Handels- und Zölle-Agenda könnte diesen Ambitionen noch zusätzlichen Schwung verleihen. Wenn die USA und Europa für chinesische Industriegüter allerdings weniger zugänglich werden, könnte Afrika als Zielmarkt stärker in den Fokus rücken. Ob dies Afrikas Entwicklung nutzen oder schaden wird, dürfte eine Herausforderung in dieser deutlich fragmentierteren Ära des globalen Handels sein.

Was weiter geschieht, ist unklar, abgesehen von einer wahrscheinlichen Intensivierung der chinesischen Initiativen. Das lassen demografische Entwicklungen vermuten, da Afrika den weltweit größten Anteil an jungen Menschen beheimatet – den Konsumenten von morgen. Währenddessen verfolgen die afrikanischen Nationen selbst ihre Agenda zur AfCFTA, auf die sich China ebenfalls vorbereitet – sowohl zur Unterstützung als auch zum eigenen Nutzen für Wachstumspotenzial. Die anhaltenden Verschiebungen handelspolitischer Regeln und die Unvorhersehbarkeit der zweiten Amtszeit von Donald Trump dürften all diese Bemühungen forcieren – ebenso wie Versuche der Europäischen Union, ihren Markt für hochwertige Industriegüter vor chinesischer Konkurrenz zu schützen. Wenn bald kostengünstigere afrikanische Alternativprodukte ihren Weg machen, versucht China, mit seiner Agenda von Changsha in der Provinz Hunan in der frühen Phase ihrer Marktreife einen entscheidenden Fuß in der Tür zu haben.

Dr. Lauren A. Johnston South African Institute of International Affairs
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