Fehlernährung und verborgener Hunger

Satt, aber nicht gesund

Es ist paradox: Auch wer ausreichend isst, kann Hunger leiden. Zwei Milliarden Menschen weltweit hungern im Verborgenen.

Viele unterschiedliche Pflanzen liegen nebeneinander. Die Adivasi im indischen Orissa staunten selbst über die vielen wilden einheimischen Pflanzen. ©Brockmann
Vielfalt auf dem Tisch: Die Adivasi im indischen Orissa staunten selbst über die vielen wilden einheimischen Pflanzen. © Brockmann

(13.10.2014) Der Anblick dieses Schatzes beeindruckt sogar die Dorfbewohner: 260 verschiedene Nahrungsmittel haben sie vor sich ausgebreitet. Alle wachsen wild in ihrer Gegend, den Wäldern des westindischen Bundesstaats Orissa. Knollen und Wurzeln, Pilze, Früchte, grüne Blattgemüse, Kräuter, Fische, Krebse und Schnecken, dazu lokal angebautes Getreide, Bohnen und Linsen. Sie haben diese Nahrungsmittel fast vergessen, dabei ist die Ernährungssituation der Adivasi denkbar schlecht. 

Schwangere und Kleinkinder brauchen Vitamine und Mineralstoffe

Weltweit leidet fast jeder dritte Mensch an einer Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Die Symptome sind unspezifisch: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Erschöpfung, Anfälligkeit für Infekte oder Hauterkrankungen. So erkennen viele Menschen ihre Unterversorgung nicht, leiden aber ihr Leben lang an den Folgen. Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder in den ersten 1000 Tagen ihres Lebens zwischen Empfängnis und zweitem Geburtstag haben einen besonderen Bedarf. Hohe Kinder- und Müttersterblichkeit ist auch auf verborgenen Hunger zurückzuführen. Der Mangel schwächt das Immunsystem und kann in Verbindung mit allgemeiner Unterernährung zu körperlichen Behinderungen und Einschränkungen in der geistigen Entwicklung führen. 

Qualität und Quantität: Ernährung sichern mit gutem Essen

Außerhalb von akuten Notsituationen kann der verborgene Hunger nur überwunden werden, wenn die verursachenden Probleme gelöst werden:

Die Grafik aus dem WHI 2014 zeigt die Programmgebiete der Welthungerhilfe in Indien und das Gebiet Orissa im Osten.
Die Programmgebiete der Welthungerhilfe in Indien, eine Grafik aus dem WHI 2014.
  • Regierungen und entwicklungspolitische Organisationen müssen ihre Maßnahmen durch sektorübergreifende Ansätze auf die Verbesserung der Ernährungssicherheit ausrichten. 

  • Neben dem Zugang zu Nahrung in ausreichender Menge muss endlich auch die Nahrungsqualität und die Vielfalt der Ernährung gefördert und lokale Ernährungssysteme gestärkt werden. 

  • Damit gesunde Ernährungspraktiken nicht durch Marketingstrategien der Ernährungsindustrie unterwandert werden, müssen Regierungen internationale Verhaltenskodizes und die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten sowie von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt an Kinder in die nationale Gesetzgebung übernehmen und die Einhaltung dieser Regeln durchsetzen. 

Die Welthungerhilfe setzt auf Ernährungs-sicherung und die intensivere Nutzung lokal vorhandener Nahrungspflanzen, damit schon jetzt mehr Menschen wie die Adivasi in Orissa den Schatz in ihrer Umgebung wiederentdecken. 

Die Zeitung Welternährung der Welthungerhilfe
Die Zeitung Welternährung der Welthungerhilfe

Ute Latzke ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Bonn. Den ungekürzten Artikel finden Sie in der Zeitung Welternährung 3/2014.

Video: Waldleben - Zurück zu den Wurzeln

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       Romas Phas aus
       Kambodscha

Definitionen

Hunger = Qual durch den Mangel an Nahrung 

Fehlernährung = Aufnahme einer falschen Menge und Art von Nahrung (einschließlich Unter- und Überernährung)

Unterernährung = chronisches Kaloriendefizit (1800 kcal/Tag) und/oder Unterversorgung mit Nahrungsenergie, Protein- und Mikronährstoffen

Mikronährstoffmangel = verborgener Hunger, eine Form der Unterernährung, bei der zu wenige Vitamine und  Mineralstoffe aufgenommen und verarbeitet werden

Überernährung = übermäßige Aufnahme von Energie oder Mikronährstoffen