Sand und Staub, wohin man auch schaut. Grün ist hier schon lange nichts mehr…

Eine bessere Trinkwasserversorgung, Sanitärwesen und Hygiene: ein Maßnahmenkatalog im trockenen Osten von Kenia.
Eine bessere Trinkwasserversorgung, Sanitärwesen und Hygiene: der Maßnahmenkatalog im trockenen Osten von Kenia.

Liebe Leserinnen und Leser,

die Dürre-Situation im Norden und Osten Kenias ist dramatisch. Als Mitarbeiterin der Welthungerhilfe im Regionalbüro in Nairobi fuhr ich vor wenigen Tagen wieder einmal raus in unser Projektgebiet im Distrikt Tana River. Acht Stunden dauerte die Fahrt. Ein Ziel, das gar nicht so weit von der Grenze zu dem kriegsgeschüttelten Nachbarland Somalia entfernt ist. Dort habe ich eines unserer Projekte besucht, mit dem die fatalen Folgen von Naturkatastrophen für die Menschen verringert werden – durch eine bessere Trinkwasserversorgung, Sanitärwesen an Schulen und eine Verstärkung der Hygienepraktiken.

Wie die meisten trockenen Gebiete im Osten und Norden ist auch Tana River derzeit von einer schlimmen Dürre betroffen. Sand und Staub, wohin man auch schaut. Grün ist hier schon lange nichts mehr. Die hier lebenden Nomadengruppen züchten Kamele, Ziegen und Schafe. In einzelnen Gebieten sieht man manchmal sogar Kühe. Nur jetzt nicht, zumindest keine lebenden. Viele Männer sind mit dem Vieh weggezogen. Dorthin, wo sie hoffen, noch etwas Wasser und Weidegründe zu finden. Frauen, Kinder und alte Leute bleiben in den Dörfern und müssen sich in Notzeiten alleine durchschlagen.

In enger Zusammenarbeit mit den armen Gemeinden in der Region stärkt die Welthungerhilfe die Menschen darin, die regelmäßig auftretenden Dürren und Fluten besser zu überstehen. So hilft sie Eltern dabei, in Primarschulen Regenwasserfänge und bessere Toiletten zu bauen. Oder sie schult Frauen in verschiedenen Methoden der Trinkwasserbehandlung, berät sie in Ernährungsfragen, motiviert sie zum regelmäßigen Händewaschen und zur allgemeinen Körperhygiene – was ohne Wasser alles gar nicht so einfach ist.

Wie kompliziert ganz einfache Hygienepraktiken in einer dürregeplagten Umgebung ohne fließendes Wasser sind, musste ich in der letzten Woche selbst wieder einmal feststellen. Sogar das Wasser zum Zähneputzen mussten wir in einem Laden in der weit entlegenen Stadt kaufen. Die Menschen, mit denen wir hier zusammenarbeiten, haben in der Regel weder ausreichend Geld, noch leben sie nahe genug an einer Stadt, um Wasser zu kaufen.Für die Gemeinden in Tana River stellt besonders die Versorgung mit Trinkwasser ein Problem dar. Aber auch die Ernährung verschlechtert sich zusehends – und das nur teilweise wegen einer unzureichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln. Vor allem Kinder leiden an Mangelernährung durch Durchfallerkrankungen. Denn Toiletten sind nicht ausreichend vorhanden und sauberes Wasser ist Mangelware. Kinder und Erwachsene magern ab, werden schwach und krank. Viele sterben.

Zurzeit ist die Lage noch schlimmer als sonst in Dürrezeiten, weil die Versorgung mit Nahrungsmitteln durch das Welternährungsprogramm nur schleppend vorangeht. Grund dafür sind Finanzierungsengpässe wegen der Finanzkrise. Außerdem ist es ganz besonders schlimm, dass in Zeiten, in denen „die Gürtel ohnehin enger geschnallt werden“ die Nahrungsmittelpreise weiterhin viel höher sind, als es noch bis 2008 der Fall war.

Da viele Bewohner der Tana Rivers nicht lesen und schreiben können, kann die Welthungerhilfe ihre Schulungen nicht mit konventionellen Ansätzen durchführen. So werden wichtige Lerninhalte durch Theateraufführungen und anschließende Diskussionen vermittelt. Dabei arbeitet die Welthungerhilfe eng mit lokalen Theaterclubs und den kenianischen Behörden vor Ort zusammen. Die Menschen lieben solche „Events“ und kommen in Scharen. In der Halbwüste, die sie umgibt, gibt es nicht allzu viele Vergnügungen mit echtem Unterhaltungswert. Es hat sich gezeigt, dass die Aufführungen ihren Zweck oft besser erfüllen als die eher trockenen Trainings nach Schulmanier. Immer öfter ergreifen die Menschen von selbst die Initiative und stützen Brunnen ab oder bauen Toiletten. Wir helfen ihnen dabei, indem wir ihnen Baumaterialien bereitstellen, die es vor Ort nicht gibt und die sich die armen Gemeinden nicht leisten können.

Am 21. September feierten die Muslime in Tana River und in vielen anderen Ländern mit ihren Glaubensbrüdern das sog. „Idd„, das Ende des Fastenmonats Ramadan. Die von der Welthungerhilfe unterstützten Gemeinden hoffen gleichzeitig auf ein besseres Leben.

Es grüßt herzlich,
Iris Krebber

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