Krisenbegrenzung durch Vorsorge

Auch Somaliland in Ostafrika ist von schlimmen Dürren betroffen. © Justfilms/ Welthungerhilfe
Auch Somaliland in Ostafrika ist von schlimmen Dürren betroffen. © Justfilms/ Welthungerhilfe

Wer wie die Welthungerhilfe humanitäre Hilfe leistet, der weiß: Vorsorgen ist grundsätzlich effektiver und günstiger als Rehabilitation und Wiederaufbau. Jeder Euro, den die Welthungerhilfe frühzeitig einsetzt, um Notsituationen wie aktuell in Ostafrika und am Horn von Afrika zu vermeiden, ist vier bis fünfmal so wirksam wie Gelder gegen eine akute Hungersnot.

Die aktuellen Bilder von verendetem Vieh in Ostafrika und hungernden Kindern in Somaliland, im Südsudan oder Jemen führen uns vor Augen, dass die Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft wieder zu spät kommt und finanziell bei weitem nicht ausreicht, um den Millionen von Hunger bedrohten Menschen einen Ausweg aus dieser Krise zu sichern.

Die Reaktion auf humanitäre Krisen gehorcht bisher einem beklagenswerten Muster: die UN und andere vor Ort tätige Organisationen warnen wochen- oder monatelang vor einer drohenden Katastrophe, nachdem Frühwarnsysteme die ersten Alarmsignale gesendet haben. Aber erst wenn die ersten dramatischen Bilder im Fernsehen und den großen Magazinen erscheinen, werden Geberkonferenzen anberaumt und Gelder versprochen. „Early warning – no action“ heißt der Status quo.

Vorhersagebasierte Finanzierungen: ein neues Kapitel in der humanitären Hilfe

Aus diesen Gründen fokussiert sich die Welthungerhilfe in ihrer Arbeit auf rechtzeitige Warnung, „early warning“, und frühzeitiges Handeln, „early action“. Wir wollen erreichen, dass die Auswirkungen so wenig Menschenleben wie möglich kosten und auch die wichtige lokale Infrastruktur nicht zerstört wird. Statt sich wie bisher nur um die Folgen eines extremen Ereignisses wie etwa einen Sturm oder Überschwemmungen zu kümmern, wird das Risiko in den Blick genommen und frühzeitig in Maßnahmen investiert, die die Folgen des Extremereignisses mildern können. Viele Krisen sind vorhersehbar und unser Handeln sollte es auch sein. Damit wird weder die Entwicklungszusammenarbeit noch die humanitäre Hilfe überflüssig. Aber der Zeitraum zwischen der Vorhersage und dem Eintreten einer Katastrophe soll effektiver genutzt werden.

Das kostet Geld und erfordert einen Finanzierungsmechanismus, der regelt, von wem, wann und wie die Maßnahmen finanziert werden und wer das Geld erhält. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes arbeitet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) an so einem Mechanismus, und die Welthungerhilfe hat während der letzten zwei Jahre als Partner in Peru, Mosambik und Bangladesch geholfen, Leitlinien, Protokolle und Notfallpläne zu entwickeln, die für einen derartigen Mechanismus notwendig sind. Dazu benötigt man vor allem genaue Daten und Analysen, wer in welcher Situation für was verantwortlich ist und wer besonders von einer möglichen Katastrophe betroffen ist.

Der Ansatz: Weniger Schäden durch Vorsorge

Dies geschieht vor allem durch intensive Gespräche vor Ort, denn die Menschen müssen die Risiken verstehen, denen sie ausgesetzt sind. Dienste und Dienstleister müssen identifiziert werden, die Daten zum Wetter, wie beispielsweise Sturmwarnungen, zu Bodenfeuchtigkeit und -beschaffenheit etc. auswerten und so eine Vorhersage überhaupt erst ermöglichen. Dann müssen die notwendigen präventiven Maßnahmen, wie zum Beispiel: Schutz und Stabilisierung von Häusern, Bau von Notunterkünften oder Anlegen von Vorräten entwickelt werden. Parallel gilt es, den Schwellenwert für Gefahr zu ermitteln. Wie verwundbar ist eine Kommune, Stadt oder Region? Um schon im Vorfeld einer Katastrophe schnell und professionell reagieren zu können, muss es für alle standardisierte und verständliche Vorgehensweisen und Handlungslinien geben.

Danach brauchen wir Geldgeber, die bereit sind, solche auf Vorhersagen basierte Warnsignale zu hören und entsprechend Gelder zur Verfügung zu stellen. Stimmt dieser Hinweis mit den wissenschaftlich definierten Schwellenwerten überein, greifen die vorher vereinbarten Handlungslinien und die darin enthaltenen Maßnahmen werden umgesetzt.

„Early warning“ führt zu „early action“

Aktuell arbeitet die Welthungerhilfe in Madagaskar an so einem Mechanismus, damit die Menschen besser mit extremen Dürren umgehen können. Im Süden des Landes gibt es klassische Trockenzonen, doch auch im Hochland Madagaskars wird immer mehr von ausbleibenden Regenfällen berichtet, welche die lokale Reisernte stark beeinträchtigen. Es könnte also sein, dass diese Region in absehbarer Zukunft ebenfalls von Dürren betroffen ist. Die Welthungerhilfe arbeitet bei ihrem neuen Vorhaben eng mit der nationalen Katastrophenschutzbehörde zusammen, aber auch mit internationalen Partnern, wie dem Welternährungsprogramm (WFP), der Weltlandwirtschaftsorganisation (FAO), dem Deutschen Roten Kreuz, dem Catholic Relief Service (CRS) aus den USA, CARE International oder ihrem Schweizer Alliance2015-Partner Helvetas. Entscheidend für dieses Pilotvorhaben ist, dass möglichst viele Dürrezonen abgedeckt werden und dass der Ansatz auf andere Länder übertragen werden kann. Dies ist die Grundidee unseres neuen Konzepts: „early warning“ führt zu „early action“.

Sie möchten den Menschen in Ostafrikas in der Dürre helfen? Dann unterstützen Sie die Welthungerhilfe mit einer Spende:

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