Trotz kleiner Erfolge wurde in Cancún kein verbindliches Klimaschutz-Abkommen beschlossen

Ein Reisbauer bei der Ernte.
Ein Reisbauer bei der Ernte.

In letzter Minute ist es der mexikanischen Präsidentschaft bei den Klimaverhandlungen tatsächlich gelungen, den teilnehmenden Staaten einen Kompromiss abzuringen. In den Vereinbarungen von Cancún werden erstmals freiwillige Emissionsziele von Industriestaaten und Entwicklungsländern (darunter China) anerkannt. Außerdem wurde das Erreichen des 2 Grad Zieles und die Einrichtung eines Grünen Klima Fonds beschlossen. Industrieländer haben zugesagt bis 2012 30 Milliarden US-Dollar für Anpassung und Minderung zur Verfügung zu stellen, wobei Anpassungsmaßnahmen für besonders gefährdete Länder, wie zum Beispiel die Inselstaaten, Priorität haben. Für eine längerfristige Finanzierung sollen bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereit gestellt werden.

Dieses Ergebnis war nicht unbedingt abzusehen. Zu groß erschienen die Differenzen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern vor dem Hintergrund der gescheiterten Verhandlungen vor einem Jahr in Kopenhagen. Nur Bolivien hat dem unverbindlichen Verhandlungstext nicht zustimmen wollen, dem Land gingen – durchaus zu Recht – die Vereinbarungen nicht weit genug.

Zudem ermöglicht der verabschiedete Text, dass die Klimaschutzverhandlungen nächstes Jahr fortgesetzt werden können. Jetzt kommt es darauf an, dass die Staaten die Vereinbarungen auch umsetzen und bei der nächsten Klimakonferenz 2011 in Südafrika ein weit ambitionierteres und verbindliches Abkommen beschließen.

Ob dieses für die Verhandlungsdiplomatie positive Ergebnis für den Klimaschutz jedoch ausreichend ist, ist mehr als fraglich.

Im Zeitalter des Klimawandels sollten die weltweite Hunger- und Armutsbekämpfung für nationale Regierungen und die internationale Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Und von der Rolle der Landwirtschaft und Ernährungssicherung war in Cancún nur am Rande die Rede. Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit von Produktionsstrukturen ist aber besonders wichtig in einer Welt, die nicht nur unter den Folgen des Klimawandels leidet, sondern auch nach Prognosen der Vereinten Nationen bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen anwächst. Wenn auch die Landwirtschaft in vielen entwickelten Ländern von der Klimaerwärmung profitieren könnte, sieht es nach Angaben der FAO insbesondere für das Amazonasgebiet, die Sahelzone, große Teile Indiens und auch Nordchina besonders schlimm aus. Klimawandel hat bereits die landwirtschaftlichen Produktionsstrukturen negativ beeinflusst: Dürren und Überschwemmungen, ausbleibender Regen oder heftige Stürme nehmen nicht nur in Anzahl und Heftigkeit zu, sie zerstören die Lebensgrundlagen der betroffenen Bevölkerung und zwingen sie zur Migration. Man rechnet in diesen Regionen mit Ernterückgängen um bis zu 50 Prozent.

Anpassung an diese veränderten Bedingungen ist also das Gebot der Stunde, und je länger die Weltgemeinschaft mit einer ernsthaften und effektiven Reduktion der Treibhausgase wartet,  desto schwieriger und teurer wird dieser Prozess. Nur eine effektive Anpassung an die Folgen des Klimawandels ermöglicht nachhaltige Entwicklung. Sie erfordert Sektor übergreifende Aktionen. Kleinbauern brauchen Unterstützung in klima- und standortgerechter Landwirtschaft. Kommunalverwaltungen und zivilgesellschaftliche Akteure  müssen gemeinsam lernen, Risikopläne zu erstellen und sich auf komplexe Notsituationen einzustellen. Nationale Regierungen müssen die potentiellen Gefahren, die aus den Folgen des Klimawandels resultieren, in ihren nationalen Planungen berücksichtigen. Auch alle übrigen gesellschaftlichen Akteure müssen sich über die zusätzlichen Gefährdungen im Klaren sein. Die internationale Gemeinschaft hat dabei die Aufgabe, diese Prozesse zu unterstützen und die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Um wirklich effektiv zu sein, muss Anpassung sich vor allem auf die ärmsten und verwundbarsten gesellschaftlichen Gruppen konzentrieren. Das beinhaltet Geld, Informationen und Handlungsoptionen. Das Ergebnis von Cancún geht in die richtige Richtung, wirklich effektiver und vor allem verbindlicher Klimaschutz sieht aber anders aus.

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