Not in Deutschland versus Hunger und Armut in den Enwicklungsländern

850 Millionen Menschen weltweit wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen. © Grossmann
850 Millionen Menschen weltweit wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen. © Grossmann

Liebe Freundinnen und Freunde der Welthungerhilfe,

darf man kurz vor Weihnachten, wo es doch rundherum so langsam beschaulich wird, einen zornigen Kommentar schreiben? Ich finde, man muss! Mein Ausgangspunkt ist die mittlerweile wieder überhand nehmende Nabelschau in Deutschland. Sie blendet Stück für Stück alles aus, was jenseits der Elbe und der Alpen liegt. Entzündet hat sich mein Unmut an diversen prunkvollen Spendengalas, wo wortgewandte Moderatoren schon zu Beginn der Show an das Publikum appellieren, dass sich die Bürgerinnen und Bürger angesichts vieler schrecklicher Ereignisse innerhalb der deutschen Grenzen vordringlich um die Probleme vor der eigenen Haustür kümmern sollten.

Ich sage ja nicht, dass mir die Not in Deutschland schnuppe ist. Und die Gala-Profis sind zu beglückwünschen, dass sie mit ihrem hochkarätigen Promiaufgebot und den Quotenerfolgen alle ähnlichen Formate von Nichtregierungsorganisationen locker in die Tasche stecken. Am Rhein wird gesagt: Man muss auch „jönne könne“. Also: Herzlichen Glückwunsch!

Aber guckt auch mal, was an anderer Stelle passiert: 850 Millionen Menschen weltweit wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen. Gut die Hälfte davon sind Kinder. In den ersten fünf Jahren ihres Lebens werden ihre geistigen und körperlichen Anlagen festgelegt – sie entscheiden darüber, ob der spätere Erwachsene in der Lage ist, seine genetischen Potenziale für sein Leben zu nutzen. Und das ist in vielen Ländern nicht der Fall!

115 Millionen Kinder, die, obwohl im Grundschulalter, nicht die Schule besuchen, müssen stattdessen ihre Zeit damit verbringen, den Eltern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb zu helfen. Oder sie schuften als als Kinderarbeiter in Fabriken schuften, um zum Familieneinkommen beitragen zu können. Ihre Eltern können auf die Frage ihrer Kinder: „Habt ihr eine Schüssel Reis für mich?“ nicht antworten. Ich weiß aus vielen Begegnungen, dass sich Mütter für diese Unfähigkeit bitter schämen.

Daher mein Plädoyer: Schaut hin, wenn es Kindern bei uns dreckig geht! Kümmert euch um verwahrloste und hungrige Mädchen und Jungen in Deutschland! Aber vergesst bitte nicht, dass es ein paar Tausend Kilometer weiter im Süden, im Osten und im Westen auch Not gibt, die für die meisten von uns gar nicht vorstellbar ist. Und auch da ist es unsere moralische und ethische Pflicht zu helfen!

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest! Und vielleicht auch ein paar nachdenkliche Minuten, wenn wir uns der Dinge bewusst werden, die uns umgeben! Ein erfolgreiches Neues Jahr für alle, die sich um andere kümmern!

Hans-Joachim Preuß

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3 Kommentare

  • Friedrich sagt:

    Hallo leider werden wohl im zukünftigen Wettbewerb um agrarische Ressourcen immer mehr Menschen mit leerer Reisschale dastehen. Denn wenn ersteinmal Nahrungsmittel zu Biosprit, Brennstoff etc degradiert werden ist durch diese Nachfrage der Begüterten eine Verteuerung dieser nachwachsenden Rohstoffe absehbar! Die Verlierer stehen fest und Wir kriegen sogar noch einen Ökopunkt für die neuerliche Ausbeutung des Südens. Der Schulterschluß von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diese Agropotentiale zukünftig industriell zu nutzen scheint mir die größte Gefahr der neuen Hungerspirale
    hoffentlich nicht zu zynisch Bernhard Friedrich

  • Martin Dietz sagt:

    Liebe Redaktion,
    wie schon in der letzten Ausgabe von „Welternährung“ erregt auch diesmal Ihr Artikel auf S.2: „Nahrungsmittel immer teurer“ meinen Widerspruch so, daß ich mich nun dazu äußern muß:
    Auch wenn „Welternährung“, Greenpeace, Jean Ziegler im Welternährungsbericht und Prof. von Braun von IFPRI alle behaupten, daß gerade die LDC unter den höheren Nahrungspreisen zu leiden hätten, entspricht das nicht meiner 45jährigen Wahrnehmung in Afrika südlich der Sahara.
    Wer sagt denn, daß LDC Nahrungsmittel im Ausland teurer bezahlen müssen ? LDC-Gesellschaften sind überwiegend Subsistenzagrargesellschaften. Nur in klimatischen Kalamitäten oder bei (sich leider häufenden) kriegerischen Ereignissen entstehen regionale, temporäre Mangelsituationen. In langjähriger ländlicher Entwicklungsarbeit habe ich erlebt, daß die Märkte in Agrarländern durch mangelnden Absatz unter überproduktionsbedingt niedrigen Preisen leiden. Wie im Schweinezyklus reduzieren die Bauern ihre Produktion bei Niedrigpreisen. Bei steigenden Preisen sind sie kurzfristig in der Lage und willig, Ihre Produktion zu steigern. Die bisherigen Niedrigpreise – hauptsächlich verursacht durch die heruntersubventionierte Produktion in Nordamerika und Europa – haben den afrikanischen Kleinbauern nicht erlaubt, produktionssteigernde Maßnahmen zu finanzieren, da die Terms of Trade dafür zu ungünstig waren. Der afrikanische Bauer ist ein „homo oeconomicus“ und reagiert außerordentlich elastisch auf Nachfragesteigerungen. Steigen dadurch die Preise für die städtischen Verbraucher, könnte es der sozial ruinösen Landflucht entgegenwirken, da auf einmal Landarbeit wieder attraktiv würde.

    Auch im DWHH-Projekt im Nord-Kivu/Ostkongo waren wir außerordentlich erfolgreich, selbst unter Kriegseinwirkung, durch örtlichen Nahrungsmittelankauf weniger eine Verknappung der Nahrungsmittel, als einen starken Produktionsanreiz zur Versorgung von 200.000 intern Vertriebenen zu bewirken.
    Gerade als Kämpfer für die ländlich Armen freue ich mich über das längst überfällige Ansteigen des Agrarpreisniveaus (mitbedingt durch die Bioenergienachfrage) und bin – ganz nach physiokratischer Theorie („Hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt“) – überzeugt, daß der neue Erzeugermarkt dynamische Agrarproduktionssteigerungen bewirken wird.
    Am Ende einer 45jährigen Afrika-Karriere kann ich mich endlich über eine Besserung der miesen wirtschaftlichen Lage der Kleinbauern freuen !
    Martin Dietz, Diplomlandwirt, Wehrheimi/Ts.

  • Dennis sagt:

    Ich finde es schade das es immer noch arme menschen gibt ich helfe gerne

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