Hunger - Alle Fakten auf einen Blick

Hunger - Verbreitung, Ursachen und Folgen

795 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Wir fordern: Niemand soll mehr Hunger leiden!

795 Millionen Menschen hungern, alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. Dabei gibt es genug Nahrung, Wissen und Mittel, um Hunger auszumerzen.

Hunger-Definition - WAS ist Hunger?

Sprechen Fachleute über Hunger, unterscheiden sie zwei Arten: Akuten und chronischen Hunger.

Hunger weltweit: Es wird zwischen akutem und chronischem Hunger unterschieden

 

Akuter Hunger (Hungersnot): Bezeichnet Unterernährung über einen abgrenzbaren Zeitraum. Dieser tritt häufig in Zusammenhang mit Krisen (z.B. Dürren bedingt durch El Niño), Kriegen und Katastrophen auf und betrifft oft Menschen, die bereits unter chronischem Hunger leiden. Knapp zehn Prozent aller Hungernden sind von akutem Hunger betroffen.

Chronischer Hunger: Bezeichnet einen Zustand dauerhafter Unterernährung. Obwohl die Medien meist nur über akute Hungerkrisen berichten, betrifft der chronische Hunger den weitaus größten Teil aller Hungernden. Sie haben zu wenig zu essen, meist auch kein sauberes Wasser oder Gesundheitsversorgung.

Hunger wird auch danach unterschieden, woran es bei der Ernährung konkret mangelt:

Hunger aufgrund von Energie- und Proteinmangel (Makronährstoffe): Dabei wird jeden Tag weniger Nahrung aufgenommen, als der Körper braucht. Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO hat den Schwellenwert auf 1.800 Kalorien täglich festgelegt. Daraus errechnet sich die Zahl der 795 Millionen Hungernden. Dabei ist aber zu bedenken, dass gerade arme Menschen oft hart körperlich arbeiten müssen, und der Wert deshalb eigentlich höher liegen müsste.

„Verborgener“ Hunger aufgrund von Vitamin- und Mineralstoffmangel (Mikronährstoffe): Aufgrund einseitiger Ernährung fehlen wichtige Nährstoffe wie Eisen, Jod, Zink oder Vitamin A. Die Folgen sind auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar, doch insbesondere Kinder können sich geistig und körperlich nicht richtig entwickeln. Das Todesrisiko ist hoch. Weltweit leiden zwei Milliarden Menschen an „verborgenem Hunger“.

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WER hungert am meisten?

Die meisten Hungernden leben auf dem Land.

 

Besonders schlimm ist die Lage auf dem Land, dort leben drei Viertel aller Hungernden. Fast alle produzieren selbst Nahrung. Als Kleinbauern bewirtschaften sie mit ihren Familien allerdings nur kleine Felder, im Durchschnitt gerade einmal 1,6 Hektar, das entspricht etwa zwei Fußballfeldern. Ebenfalls häufig von Hunger betroffen sind Hirten, die als (Halb-) Nomaden immer weniger Weideflächen zur Verfügung haben, sowie Ureinwohner (Indigene), die sich traditionell von Waldfrüchten und anderen gesammelten Pflanzen ernähren, aber oft von ihrem Land vertrieben werden. Auch Landlose, die zu niedrigen Löhnen als Tagelöhner arbeiten müssen, sind stark von Hunger bedroht.

Innerhalb dieser Gruppen sind Frauen und Kinder besonders betroffen. In vielen ärmeren Ländern sind kulturelle Traditionen und Gesellschaftsstrukturen die Ursache dafür, dass Frauen schlechter ausgebildet sind und kaum Möglichkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch verfügen Frauen meist über keine eigenen Ressourcen wie Land oder Kapital. Gleichzeitig haben sie häufig mit der doppelten Belastung von Feldarbeit und Kindererziehung zu kämpfen. Dies kann dazu führen, dass Kinder zu wenig Fürsorge und zu wenig oder schlechte Ernährung erhalten. Unwissen über Ernährungs- und Hygienefragen erhöhen dieses Risiko weiter.

Hunger auf der Welt - WO gibt es Hunger?

Der Welthunger-Index (WHI) gibt ein möglichst genaues Bild der Welternährung und des Hungers wieder. Dafür misst er anhand von vier Indikatoren den Ernährungszustand der Bevölkerung. Er wird seit zehn Jahren von der Welthungerhilfe gemeinsam mit dem Internationalen Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington herausgegeben.

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Kerstin Bandsom

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Brennpunkte des Hungers liegen in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. Fünf der acht Länder, in denen die Hungersituation als „alarmierend“ einzustufen ist, liegen in Afrika: Zentralafrikanische Republik, Tschad, Sambia, Sierra Leone und Madagaskar. Auch in vielen südasiatischen Ländern wie Pakistan, Indien, Nepal, Bangladesch, Myanmar, Laos, Kambodscha und Indonesien ist die Situation als ernst einzustufen. In anderen asiatischen Staaten, dem Nahen Osten, Lateinamerika, Karibik und Osteuropa liegen die Werte meist bei „mäßig“ oder „niedrig“. Für einige Staaten liegen keine verlässlichen Daten vor. 

Auch wenn es selbst in den Industrieländern Menschen gibt, die an Hunger und seinen Folgen leiden, ist es im Vergleich zur Gesamtbevölkerung des Landes eine viel kleinere Zahl an Menschen als in den Ländern, die im Ranking auftauchen. Deshalb werden Industrieländer nicht mit einbezogen.

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WARUM gibt es Hunger?

Grafik: Warum hungern Menschen?

 

Kriege und Konflikte: Aufgrund bewaffneter Auseinandersetzungen müssen Menschen fliehen und sind daher nicht mehr in der Lage, ihre Felder zu bestellen. Häufig verlieren sie ihr gesamtes Hab und Gut. Straßen und landwirtschaftliche Infrastruktur wie Bewässerungsanlagen werden zerstört. Durch die eingeschränkte Sicherheit leidet auch der Handel, deshalb sind Nahrungsmittel rar und teuer.

Naturkatastrophen: Wetterextreme haben seit jeher zu Hungerkrisen geführt. Dürren oder Überschwemmungen zerstören Ernten. Mit dem Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse zu. Dürren in mehreren aufeinander folgenden Jahren schwächen die Widerstandskraft (Resilienz) der Bevölkerung. Sie müssen ihre Vorräte an Saatgut aufbrauchen oder Vieh schlachten. 

Armut: Weltweit werden derzeit genügend Nahrungsmittel produziert, um alle Menschen zu ernähren, das zeigt unsere aktuelle Kampagne "Es reicht! Für alle".  Hunger ist vor allem eine Folge von Armut. Wer arm ist, hat zu wenig Geld für Essen, kann aber auch nicht gut für die eigene Gesundheit sorgen und in die Bildung der Kinder investieren. Frauen sind dabei aufgrund ihres häufig niedrigeren gesellschaftlichen Status besonders benachteiligt. 

Ungleichheit: Die Ungleichheit zwischen Arm und Reich verschärft sich zunehmend, sowohl global als auch innerhalb von Ländern. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt fast die Hälfte des Weltvermögens. Die „untere Milliarde“ der Armen und Hungernden hat kaum eine Chance, sich aus ihrer Misere zu befreien. 

Verzerrter Welthandel: Die reichen Staaten bestimmen die Regeln der internationalen Politik. Unfaire Handelsabkommen und Subventionen schaffen Marktzugänge und Preisvorteile für Unternehmen aus den reichen Industrienationen. Aus den armen Ländern werden vor allem Rohstoffe exportiert, die Gewinne in den reichen Ländern abgeschöpft. 

Schlechte Regierungsführung: Die Regierungen in Entwicklungsländern orientieren ihre Politik meist nicht an den Bedürfnissen der ärmsten Bevölkerung. Es fehlen Strategien, die Landwirtschaft im eigenen Land so zu fördern, dass der Hunger bekämpft wird. Korruption ist eines der größten Entwicklungshemmnisse, Landraub ein großes Problem.

Ressourcenverschwendung und Klimawandel: Wenn alle Menschen so leben würden wie die reichen Länder, wären Ressourcen wie Wasser und Böden bald verbraucht. Die Folgen haben andere zu tragen: Ausbreitung von Wüsten, Bodenerosion, Wasserknappheit und extreme Wetterphänomene als Folge des Klimawandels machen sich vor allem in den Ländern bemerkbar, die ohnehin an Hunger und Armut leiden.

Was sind die FOLGEN von Hunger?

Kindersterblichkeit als Folge von Hunger

 

Unterernährung ist nicht nur eine Folge von Armut, sie verursacht auch Armut, indem sie von Generation zu Generation weitergegeben wird – ein Teufelskreis. Sind schon die werdenden Mütter unterernährt, können ihre Kinder sich während der Schwangerschaft nicht richtig entwickeln und kommen häufig zu früh und/oder untergewichtig zur Welt.

Leidet ein Kind bereits im Mutterleib unter Mangelernährung, hat es kaum Chancen, seinen Entwicklungsrückstand wieder aufzuholen. Es hat häufig ein geschwächtes Immunsystem und ist dadurch anfälliger für Infektionskrankheiten. Die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes ist eingeschränkt, es kann sich schlechter konzentrieren und erbringt schlechtere Schulleistungen. Außerdem ist ein mangelernährtes Kind auch anfälliger dafür, im Erwachsenenalter chronische Krankheiten zu entwickeln. Beides führt in der Tendenz dazu, dass das Kind auch im Erwachsenenalter eine reduzierte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit hat, also schlechtere Verdienstchancen und damit ein höheres Armutsrisiko.

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