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06.12.2019 | Projektupdate

Empowerment für Frauen in Nepal

Feldarbeit ist Frauensache in den entlegensten Dörfern Nepals. Die Welthungerhilfe unterstützt die schwer arbeitenden Kleinbäuerinnen mit Schulungen und Empowerment. Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Irene Sunnus hat das von unserem Partner Original Bootcamp unterstützte Projekt besucht.

In Nepal nimmt Sangita Pandey an einer landwirtschaftlichen Schulung teil und berichtet von den Übungs-Methoden. © Christoph Adelmann/Original Bootcamp

„Namasté – Namasté – Namasté!“ grüße ich in die freundlich klatschende Menschenreihe zurück, und schon habe ich einen roten Punkt auf der Stirn und eine Blumenkette um den Hals. Und ahne nicht, dass uns dieses herzliche Begrüßungsritual in den nächsten vier Tagen alle paar Kilometer erwarten wird.  

Wir besuchen ein Ernährungsprojekt der Welthungerhilfe in Nepal. Wir, das sind eine Gruppe vom Original Bootcamp, das dieses Projekt unterstützt, zwei Kolleginnen der Welthungerhilfe aus Bonn und zwei Kollegen aus Nepal. Auf einer fünftägigen Tour im Nordwesten des Landes wandern wir durch mehrere Dörfer der beiden ärmsten Distrikte Mugu und Bajura. Man erreicht sie nur zu Fuß.

Das Leben in den kleinen Ortschaften ist hart und findet unter einfachsten Bedingungen statt. Es gibt nicht überall Strom, und der fällt auch oft aus. Fließendes Wasser ist oft nur an öffentlichen Zapfstellen verfügbar. Vieh läuft frei in den Dörfern herum und die Menschen wohnen in einfachen Steinhäusern. Immerhin verfügen viele Häuser über eine einfache Toilette oder teilen sich eine mit mehreren Haushalten. Es sind Stehklo-Häuschen mit Wassereimer zum Nachschütten und Abfließen in die Sickergrube.

Feldarbeit zu 80 Prozent Frauensache

Die Familien leben von der Landwirtschaft, doch Bodenfläche ist begrenzt, und die Folgen des Klimawandels verschärfen Dürre- und Überschwemmungsphasen. Oft reicht die letzte Ernte nicht bis zur nächsten. Auch wenn sich in Nepal die Hungersituation insgesamt verbessert hat, lebt in diesem Gebiet noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Besonders bedenklich ist die Ernährungssituation der Kinder. 42 Prozent der unter Fünfjährigen haben Untergewicht, fast 60 Prozent sind aufgrund von Mangelernährung zu klein für ihr Alter.

Viele Kinder in der Region sind zu klein für ihr Alter. © Christoph Adelmann/Original Bootcamp
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Wir sind überwältigt von der Schönheit des Landes und der Freundlichkeit der Menschen – die selten bis nie Besuch von „Nordländern“ erhalten und uns offen und warmherzig begegnen © Christophf Adelmann/ Orignal Bootcamp
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Reisfelder, soweit das Auge reicht. © Christoph Adelmann/Original Bootcamp
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"Die Einfachheit der Lebensbedingungen hat uns während unserer Reise getroffen." (Irene Sunnuns) © Christoph Adelmann/Original Bootcamp
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Ein typisches Essen aus Reis, Dal Bhat und Gemüse. © Christoph Adelmann/Original Bootcamp
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Mitarbeiter*innen des Health Points im Rato Pani. © Jurij Störzel/ Original Bootcamp
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Um fünf Uhr morgens beginnt mein Tag. Zuerst schneide ich Gras fürs Vieh, dann mache ich Frühstück, und danach gehe ich aufs Feld.

Anita Sharma Kleinbäuerin in Majhchaur, Nepal

Bei unseren Besuchen in den Dörfern sehen wir viele Frauen und Kinder, aber nur erstaunlich wenige Männer. „Die Männer gehen zum Geldverdienen in die Städte oder ins Ausland“, erläutert Projektleiter Sushil Ghimire. „Damit bleibt die Feldarbeit zu 80 Prozent an den Frauen hängen“. Das kann die 25-jährige Anita Sharma aus dem Dorf Majhchaur bestätigen. „Um fünf Uhr morgens beginnt mein Tag. Zuerst schneide ich Gras fürs Vieh, dann mache ich Frühstück, und danach gehe ich aufs Feld.“ Sie sorgt auch für ihre zwei Kinder und den Haushalt.

Devisara BK (li) und Anita Sharma sind von den Trainings überzeugt. © Jurij Störzel/Original Bootcamp

Anita nimmt die Männer in Schutz: „Diejenigen, die nicht auswärts arbeiten, helfen auch bei der Feldarbeit“. Männer sind es auch, die uns das neue „Öl-Zentrum“ in Majhchaur vorstellen. In dem kleinen Neubau stehen eine Ölmühle, eine Saftpresse und drei Generatoren. Hier können Kleinbäuer*innen in Zukunft Samen oder Früchte gegen eine kleine Gebühr mahlen und pressen. Die veredelten Produkte werden mit Gewinn weiterverkauft. Ein gewähltes Komitee kümmert sich um die Instandhaltung der Gerätschaften.

Die Ölmühle bietet neue Perspektiven. © Jurij Störzel/Original Bootcamp

"Empowering" und Schulungen erleichtern den Anbau

Gemeinsam mit anderen Frauen hat sich Anita zur „Red Panda Women Group“ zusammengeschlossen. Sie bilden mit den Männern des Dorfes eine Kooperative. Alles was ansteht, entscheiden sie gemeinsam.

Schulungen für bessere Anbaumethoden, Bewässerung, Ernährungsberatung und demokratisches „Empowering“ sind nur einige der zahlreichen Komponenten, die unsere Kollegen gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort (ca. 8.000 Haushalte, 40.000 Menschen) entwickelt haben. „Wir gehen alle zwei Wochen zu den Feld-Trainings“, berichtet die 48-jährige Devisara BK, „das hat sehr viel bei uns verändert“.  Ausgewählte Trainer*innen zeigen neue Methoden, die den Anbau erleichtern und den Ertrag steigern. Auch neue Bewässerungskanäle wurden errichtet. Insgesamt haben bereits 5000 Kleinbäuer*innen im gesamten Projektgebiet an den Schulungen teilgenommen.

Alle, die sich hier für geringes Geld Setzlinge für ihre Felder abholen, erhalten vom Gärtner eine Schulung, wie die Aufzucht zu Hause fortgesetzt werden kann.

Sushil Ghimire Leiter des Ernährungsprojekts in Nepal

„Und seit es in Rato Pani die Gärtnerei gibt, können wir neue Gemüsesorten anbauen“, freuen sich Anita und Devisara. Der Speisplan der Dorfbewohner*innen hat sich seit Projektbeginn erheblich erweitert: es gibt jetzt Chilis, Tomaten, Auberginen, Zwiebeln, Blumenkohl, Kürbis, Gurken – und sogar Zitrusfrüchte. „Manchmal bleibt auch etwas zum Verkaufen übrig.“ Das ist Devisara sehr wichtig. Mit sieben Kindern hat sie eine große Familie zu versorgen. Die Welthungerhilfe hat gemeinsam mit den lokalen Partnerorganisationen RRDC (Rural Reconstruction and Development Centre) und Peace Win auch einen „Modell-Gärtner“ eingestellt. „Alle, die sich hier für geringes Geld Setzlinge für ihre Felder abholen, erhalten vom Gärtner eine Schulung, wie die Aufzucht zu Hause fortgesetzt werden kann“, berichtet Projektleiter Ghimire.

Frauengesundheit und Bildung auf dem Land

Auch die Ernährungs-Schulungen am „Health Point" kommen sehr gut an. Das kleine Krankenhaus in Rato Pani ist Anlaufstelle für die umliegenden Orte und rund um die Uhr ärztlich besetzt. Es gibt vier Krankenzimmer, einen Untersuchungsraum und einen Kreißsaal. In den Schulungen vermitteln medizinische "Volunteers" Frauen wichtige Kenntnisse, wie zum Beispiel aus welchen Lebensmittelgruppen eine vollwertige Mahlzeit zusammengesetzt werden kann und dass Babys nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs Monate voll gestillt werden sollten.

„Es ist wichtig, dass die Frauen zur Geburt herkommen“, sagen die Hebammen Sharada Bhatta und Gita Karki. „Nur dann sind sie und ihre Kinder versichert, und wir können bei Komplikationen helfen“. Der Zustand des Kreißsaals ist einfach, aber es ist sauber und alles Notwendige vorhanden. „Wir hätten gerne noch einen Raum mehr“ sagt Frau Karki. Den Untersuchungsraum müssen sich wartende Frauen oft teilen.

Und apropos Kinder: in fast jedem Ort, durch den wir kommen, besuchen wir eine Schule. Während die Analphabeten-Quote bei Erwachsenen noch bei 45 Prozent liegt, werden mittlerweile 90 Prozent der Kinder eingeschult. Aber längst nicht alle von ihnen beenden die Schule - vor allem nicht auf dem Land. Die Direktor*innen der Schulen berichten, dass es schwierig sei, auf dem Land qualifizierte Lehrer*innen zu bekommen. Doch es gibt auch besondere Angebote für junge Menschen: so bietet die Schule in Majhchaur einen 18-monatigen Landwirtschaftskurs an, der wichtige neue Fertigkeiten vermittelt.

Nach unserer Wanderreise sind wir müde, aber angefüllt mit intensiven und bereichernden Erlebnissen. Wir sind von dem Projekt überzeugt, denn alle Maßnahmen, mit denen die Welthungerhilfe vor Ort unterstützt, haben die Mitarbeiter*innen gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt. Dadurch fühlen sie sich für ihre Erfolge selbst verantwortlich.

Das Original Bootcamp gibt weiterhin ordentlich Gas und sammelt auf allen Kanälen Spenden für die Umsetzung dieses Projekts. Hier können Sie die Aktion #bootforfood unterstützen.

Letzte Aktualisierung 30.07.2020

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