Der Wirkungsbericht der Welthungerhilfe: Bestandsaufnahme quantitativer und qualitativer Ergebnisse unserer Projekte und Programme.
Wirkungsbericht der Welthungerhilfe
Unsere Projekte sind effektiv
Sind unsere Projekte wirkungsvoll?
Der Wirkungsbericht der Welthungerhilfe gibt Antwort: Ja, und in vielen Bereichen haben wir uns in den vergangenen Jahren noch verbessert.
Es ist unser Anspruch, die Wirkung unserer Arbeit zu erfassen und transparent darzustellen. Der Wirkungsbericht (Englisch: Impact Report) ist unser zentraler Beleg dafür. Er zeigt auf Grundlage systematisch erhobener Daten, welche Wirkung unsere Programme erzielen, wo sie besonders effektiv sind und wo wir nachsteuern müssen.
Was ist der Wirkungsbericht der Welthungerhilfe?
Der Bericht zeigt, was unsere Arbeit tatsächlich bewirkt – und welche Schlüsse wir daraus für unsere Strategie ziehen. Er ist kein reiner Rückblick, sondern eine evidenzbasierte Grundlage für zukünftige Entscheidungen.
Der aktuelle Impact Report baut auf unserem ersten Wirkungsbericht von 2022 auf und geht einen entscheidenden Schritt weiter: Er misst Wirkung nicht nur systematisch anhand einheitlicher Indikatoren, sondern erklärt auch, wie und warum Veränderungen entstehen. Auf Basis von Daten und Erkenntnissen aus 188 Projekten in 30 Ländern zwischen 2022 und 2024 verbindet der neue Impact Report quantitative Ergebnisse mit qualitativen Analysen und macht so Wirkung nachvollziehbar, vergleichbar und nutzbar. Das sind rund ein Drittel aller unserer Projekte in diesem Zeitraum, somit bieten die Daten eine repräsentative Auswahl.
Der Wirkungsbericht ist damit ein strategisches Steuerungsinstrument. Er verbindet nachprüfbare Ergebnisse mit konkreten Verpflichtungen für die Zukunft. Ziel ist es, die vorhandene Evidenz konsequent in wirksames Handeln zu übersetzen – um das Ziel von Zero Hunger auf einem gesunden Planeten weiter voranzubringen.
Ergebnisse: Was bringt die Arbeit der Welthungerhilfe?
Der Impact Report der Welthungerhilfe zeigt: Fast alle Wirkungsbereiche haben sich verbessert – auf deutlich stärkerer Datenbasis als im ersten Wirkungsbericht von 2022. Der volle Bericht geht im Detail auf die einzelnen Themengebiete der Analyse ein. Einen Kurzüberblick über die wichtigsten Ergebnisse gibt es hier:
Verbesserung der Ernährungssicherung: Die Anzahl der Monate, in denen Familien angemessen mit Nahrungsmitteln versorgt sind, stieg im Durchschnitt von 7,4 Monaten auf 9,1 Monate pro Jahr – eine Verbesserung um 23%. Der Anteil der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren mit einer zumindest minimalen Ernährungsvielfalt stieg von 13% auf 40% – ein relativer Anstieg von 217%.
Der Anteil der Familien mit Zugang zu einer grundlegenden Trinkwasserversorgung stieg von 25% auf 58%, was einem Anstieg von 129% gegenüber dem Ausgangswert entspricht.
79% der Teilnehmenden an Qualifizierungsmaßnahmen der Welthungerhilfe schlossen ihre Kurse erfolgreich ab. 46% der Absolvent*innen des "Skill Up!"-Programms der Welthungerhilfe haben innerhalb eines Jahres eine Beschäftigung aufgenommen oder ihre berufliche Situation in ihrem Ausbildungsbereich verbessert.
Geschlechtergerechtigkeit und Empowerment: Der Anteil der Frauen, die Einfluss auf Entscheidungsprozesse in ihren Gemeinden nehmen können, stieg von 15% auf 40% – ein Anstieg von 165% gegenüber dem Ausgangswert.
Wirtschaftliche Entwicklung: 56% der Familien berichteten über ein gestiegenes Einkommen im Verlauf des Projekts.
Datengrundlage und Methodik
Der Impact Report basiert auf der systematischen Auswertung von 188 abgeschlossenen Projekten aus den Jahren 2022 bis 2024. Insgesamt fließen 316 quantitative Datensätze und 79 qualitative Analysen ein.
Wie definieren wir Wirkung?
Im Impact Report erläutern wir, wie wir systemische Wirkung verstehen, erfassen und bewerten. Dabei lösen wir uns von einem rein linearen Verständnis, bei dem Outputs, Outcomes und Impact als aufeinanderfolgende Stufen einer Wirkungskette betrachtet werden. In komplexen Kontexten wie Hunger- und Armutsbekämpfung entstehen Veränderungen selten entlang geradliniger und eindeutiger Ursache-Wirkungs-Abfolgen.
Unser Wirkungsverständnis stellt daher die Frage nach der Kausalität in den Mittelpunkt: Welche Veränderungen lassen sich plausibel mit einer Intervention in Verbindung bringen – und wie belastbar ist diese Begründung?
Dafür haben wir 2024 in unserer Publikation „Defining Impact“ neue Definitionen von „Outcomes“ und „Impact“ aufgestellt:
- Outcomes sind beobachtbare Veränderungen im Verhalten von Menschen, im Wohlergehen von Menschen und Umwelt sowie in Strukturen und Praktiken von Systemen. Sie gelten als Outcomes, wenn ein plausibler Zusammenhang mit einer Intervention besteht – auf Grundlage von Erfahrung, vorhandener Evidenz oder theoretischer Herleitung. Outcomes können beabsichtigt oder unbeabsichtigt, positiv oder negativ sein.
- Impact bezeichnet solche Outcomes, die für von Hunger und Armut betroffene Menschen relevant sind und deren kausaler Zusammenhang mit einer Intervention durch geeignete, kontextangemessene Evidenz belegt ist. Dabei geht es nicht darum, eine Maßnahme als alleinige Ursache nachzuweisen, sondern verständlich zu zeigen, welchen Beitrag sie zu einer Veränderung geleistet hat.
Mit diesem Verständnis verbindet die Welthungerhilfe fachliche Präzision mit Transparenz: Wirkung wird nicht nur gemessen, sondern systematisch begründet und offengelegt.
Wie messen wir Wirkung in unseren Projekten?
Der Wirkungsbericht betrachtet Veränderung nicht eindimensional. Wirkung wird entlang vier Dimensionen analysiert:
- Reichweite – Wie viele Menschen oder Systeme erleben eine Veränderung?
- Stärke – Wie stark ist die Veränderung?
- Dauerhaftigkeit – Wie stabil und langfristig ist sie?
- Gerechtigkeit – Wie gerecht ist sie verteilt?
Diese vier Perspektiven helfen, Ergebnisse im Kontext zu interpretieren und sichtbar zu machen, was, wann, für wen und warum wirkt.
Wie messen wir Veränderungen durch unsere Projekte?
Das Rückgrat des Impact Report bilden die 11 sogenannten Measuring Success-Indikatoren. Sie messen Veränderungen, die direkt durch die Arbeit der Welthungerhilfe beeinflusst werden können. Es handelt sich dabei nicht um bloße Ergebnisse von Aktivitäten („Outputs“), wie etwa der Bau eines Brunnens, sondern Wirkungen („Outcomes“), wie z.B. dass Menschen sauberes Trinkwasser konsumieren und infolgedessen weniger Krankheiten erleiden.
Die Auswahl der Measuring Success-Indikatoren erfolgte 2023 im Rahmen einer umfassenden Revision des Monitoring-Systems mit dem Ziel, ein einheitliches, aber flexibles System zu schaffen, das die Doppelrolle der Welthungerhilfe als humanitäre und entwicklungspolitische Akteurin abbildet.
Die 11 Measuring Success Indicators
- Months of Adequate Household Food Provisioning (MAHFP): Anzahl der Monate pro Jahr, in denen ein Haushalt ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt war.
- FCS – Food Consumption Score: Anteil der Haushalte, die Lebensmittel in ausreichender Menge und Vielfalt zur Verfügung haben.
- MDD-W – Minimum Dietary Diversity for Women: Anteil der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren mit einer zumindest minimalen Ernährungsvielfalt (≥ 5 Nahrungsmittelgruppen).
- Access to at least basic drinking water service: Anteil der Haushalte, die Zugang zu einer grundlegenden Trinkwasserversorgung haben.
- Access to at least basic sanitation services: Anteil der Haushalte, die Zugang zu einer grundlegenden Sanitärversorgung haben.
- Increase in household cash income: Anteil der Haushalte, die ihr Einkommen während der Projektlaufzeit steigern konnten.
- Graduates in relevant employment after training: Anteil der Absolvent*innen, die nach einer Qualifizierungsmaßnahme der Welthungerhilfe eine Beschäftigung finden oder diese verbessern.
- Use of sustainable and resilient agriculture or land-management practices: Anteil der Haushalte, die nachhaltige und resiliente landwirtschaftliche oder landnutzungsbezogene Praktiken anwenden.
- Use of climate adaptation / mitigation / preparedness measures: Anteil der Haushalte, die Maßnahmen zur Anpassung an und Minderung von Klimarisiken nutzen.
- Women’s participation in community decision-making: Anteil der Frauen, die aktiv an Entscheidungsprozessen in ihren Gemeinden teilnehmen.
- Participant satisfaction with assistance received: Anteil der Teilnehmenden, die mit der Humanitären Hilfe zufrieden sind (in Bezug auf Relevanz, Qualität, Rechtzeitigkeit, Fairness).
Wirkungsbericht: Unsere Projekte sorgen für nachhaltige Veränderung
Unser Wirkungsbericht weist nach, dass sich kombinierte Elemente wie landwirtschaftliche Förderung, Kompetenzstärkung, Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung und Maßnahmen zur Geschlechtergleichstellung gegenseitig verstärken.
Unsere Projekte tragen zu nachhaltigen positiven Veränderungen bei. Diese allein reichen jedoch nicht aus. Um das Recht auf Nahrung zu verwirklichen, brauchen wir einen langfristig positiven strukturellen Wandel. Dafür müssen wir auch unser Engagement für die Umsetzung rechtebasierter Projekte weiter intensivieren.
Lokale Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft brauchen mehr Raum, um gehört zu werden, Regierungen und der Privatsektor brauchen mehr Unterstützung, um die Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft zu optimieren. Um diesem Ziel näherzukommen, wollen wir unser organisationsweites Wissen sowie die erzielten Wirkungen und Veränderungen weiter verbessern.
In Folge von zunehmenden Konflikten und Klimaschocks müssen wir systemstärkende Ansätze fördern, um Resilienz von Ernährungssystemen zu stärken. Ein Beispiel dafür ist unser globales WASH-Programm, das die Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung nachhaltig verbessern soll – in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, staatlichen Stakeholdern und dem Privatsektor.
Zudem verfolgen wir einen ganzheitlicheren Ansatz für Ernährungssysteme – nur so können Zugang und Nutzung von Nahrungsmitteln nachhaltiger, inklusiver und resilienter werden.
Die Wirkungsmessung der Welthungerhilfe wird kontinuierlich weiterentwickelt. Wir planen aktuell, unseren Impact Report zukünftig in weitere dynamische und digitale Formate zu überführen und Aktualisierungen zu veröffentlichen.












