Millionen Menschen in Ländern Ostafrikas wie Kenia, Somalia, Äthiopien oder Uganda leiden unter Dürre. In fünf Regenzeiten in Folge hat es nicht oder kaum geregnet. Zwar hatten Regenfälle im Frühjahr 2024 eine leichte Verbesserung gebracht. Doch seit 2025 erlebt die Region erneut eine Dürre, deren Ausmaß selbst die schlimmsten Prognosen übertrifft.
Jahrelange Dürre in Ostafrika hält weiter an
Vor allem im Norden Kenias, in vielen Teilen Somalias, im Süden Äthiopiens und im Norden Ugandas ist die Situation für viele Menschen lebensbedrohlich. Die Regenzeit von Oktober bis Dezember 2025 war eine der trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen.
So fiel in den meisten Gebieten Ostafrikas weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags, in manchen Regionen sogar weniger als ein Drittel.
Hohe Temperaturen während der Trockenzeit von Juni bis September 2025 verschärften die Situation zusätzlich. Die Hitze hatte Böden und Wasserstellen deutlich schneller als sonst zu dieser Zeit ausgetrocknet – und zu trockener Boden nimmt nur schwer wieder neues Wasser auf. Seit Juni 2026 bleibt weitgehend erneut der dringend benötigte Regen aus. Dadurch nehmen Wassermangel und der Druck auf die Landwirtschaft vor allem in Teilen Kenias, Ugandas und Äthiopiens weiter zu.
Folgen der Dürre: Trockene Böden führen zu Ernteausfällen
Die Folgen dieser schwerwiegenden Dürre sind dramatisch. Auf den viel zu trockenen Böden konnten die kleinbäuerlichen Familien kein Getreide und Gemüse anbauen. Für sie bedeutete das: keine Ernte und nicht genügend zu essen. Viele Familien, die von der Landwirtschaft leben, haben bereits bis zu 70 Prozent ihres Viehbestands verloren – oft ihre einzige Einnahme- und Versorgungsquelle. Deshalb können sie es sich nicht mehr leisten, Lebensmittel auf den Märkten zu kaufen. Diese Situation wird noch verschärft durch die weltweit stark angestiegenen Lebensmittelpreise.
Die Krisen überlagern sich: Extremwetter, bewaffnete Konflikte und Finanzierungslücken in der humanitären Hilfe
Aufgrund der langanhaltenden und wiederkehrenden Trockenzeiten bleibt Menschen, Tieren und Natur in Ostafrika kaum Zeit, sich zu erholen. Selbst stärkere Regenfälle wie im Herbst 2023 konnten die Folgen der Dürre nicht ausgleichen. Stark ausgetrocknete Böden nehmen Wasser nur schlecht auf. Dadurch kam es zu Sturzfluten und Überschwemmungen, die auch in den nächsten Monaten wieder erwartet werden. Für eine Erholung in der Landwirtschaft braucht es mehrere gute Regenzeiten hintereinander.
Darüber hinaus schwächten in den vergangenen Jahren mehrere sich überlagernde Krisen die Widerstandskraft der Menschen. Zwischen 2019 und 2022 traf – begünstigt durch Dürre und Hitze - eine der schwersten Heuschreckenplagen seit Jahrzehnten Ostafrika, vernichtete Ernten und Weideland. Anhaltende bewaffnete Konflikte, Vertreibung und Finanzierungslücken in der humanitären Hilfe verstärken zudem die Not der Menschen und damit den Hunger.
Die aktuelle Situation ist sehr ernst und die Prognosen sind ein Warnsignal:
- Allein in Äthiopien, Kenia und Somalia sind mindestens 22 bis 24 Millionen Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen.
- In Teilen von Kenia und Somalia herrscht bereits eine Notlage (IPC-Phase 4): Viele Familien haben so wenig zu essen, dass sie von Unterernährung betroffen sind.
- Für einige der ärmsten Haushalte in Somalia wird sogar eine Hungersnot (IPC-Phase 5) erwartet: Menschen dort droht ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln, die Folge ist kritische Unterernährung und ein hohes Risiko zu sterben.
Die Welthungerhilfe ist aktiv vor Ort und unterstützt die Menschen, die nach den anhaltenden Dürren in Äthiopien, Kenia und Somalia/Somaliland dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
Wie entsteht Dürre?
Eine Dürre ist eine langanhaltende Trockenperiode. Das Ausbleiben von Niederschlägen führt zu Wassermangel. Die Wasserknappheit kann eine Vielzahl von dramatischen Auswirkungen in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Wirtschaft und Umwelt haben. Dürren bedrohen die Lebensgrundlage von Menschen, erhöhen das Krankheits- und Todesrisiko. Diese durch den Klimawandel verursachten Umstände führen vermehrt zu Migration.
Der durch den Klimawandel verursachte Temperaturanstieg bewirkt, dass vielerorts bereits trockene Regionen trockener und feuchte Regionen feuchter werden. In vielen Regionen Ostafrikas bedeutet dies, dass durch steigende Temperaturen das Wasser schneller verdunstet. Dadurch erhöht sich das Risiko von Dürren. Zudem halten Dürreperioden durch die Erderwärmung in der Tendenz länger an.
Bei lang andauernden Dürreperioden leiden Menschen unter Durst, schlechter Wasserqualität, Ernteausfällen, Hunger und Armut. Tiere verenden und Familien verlieren ihre Lebensgrundlage. Vor allem die Bevölkerung in ländlichen Gebieten trifft Dürre besonders schwer. Ohne Unterstützung durch Regierungen oder Hilfsorganisationen, beispielsweise durch Nahrungsmittelhilfe, können lange Dürreperioden in Hungerkatastrophen enden.
Die Welthungerhilfe ist in vielen Regionen Ostafrikas aktiv – unterstützen Sie unsere Nothilfe mit einer Spende.
Diese Länder sind von der Dürre in Ostafrika betroffen
Wie Menschen in Somaliland mit Bäumen und Honig gegen Hunger und die Klimakrise kämpfen.
Somalia/Somaliland:
Die Dürre in Somalia führt zu Wasserknappheit, Ernteausfällen und Viehverlusten. Ohne ausreichende Lebensgrundlage müssen viele Familien ihre Heimat verlassen und werden so zu Binnenvertriebenen.
Derzeit ist die Ernährung von etwa 6 Millionen Menschen akut gefährdet. Das sind fast doppelt so viele wie im August 2025. In einigen Teilen Somalias ist die Situation lebensbedrohlich. Mehr als 1,8 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind akut unterernährt.
Selbst bei erwarteten Regenfällen wird sich die Lage voraussichtlich nur begrenzt verbessern: Noch immer werden rund 5,5 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 3 oder höher) betroffen sein. Gleichzeitig schränken massive Finanzierungslücken die humanitäre Hilfe ein. Dadurch erreichen lebenswichtige Hilfsmaßnahmen deutlich weniger Menschen als noch im Vorjahr.
Kenia:
Die extreme Dürre in Kenia von 2022 wirkt weiter nach: Betroffen waren insbesondere Weidegebiete im Norden und Nordosten, in denen bis zu 80 Prozent des Viehs verendete. Die Ernteerträge sind sehr schlecht.
Vorausschauende humanitäre Maßnahmen konnten wegen begrenzter Ressourcen nur einen Teil der Bevölkerung erreichen. Menschen und Tiere stehen unter enormem Druck, da Wasser und Weideland fehlen. Krankheiten breiten sich aus und die Milchproduktion bricht ein. Rund 3,3 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Äthiopien:
Die Dürre in Äthiopen verschärft die Lage vor allem in den südlichen und südöstlichen Weidegebieten. Immer mehr Haushalte geraten dort in eine Notlage (IPC-Phase 4), sind also wegen unzureichender Nahrungsmittel von Unterernährung betroffen. Die Wasser- und Weideknappheit schwächt die Tiere: Sie geben weniger Milch, pflanzen sich schlechter fort und sterben häufiger. Viele Haushalte sind gezwungen, Tiere zu verkaufen oder auf der Suche nach anderer Arbeit abzuwandern.
Auch Wetterextreme verschlimmern die Situation: Allein im Juli und August 2025 waren mehr als 250.000 Äthiopier*innen von Überschwemmungen und anderen klimabedingten Extremwetterereignissen betroffen. Dabei wurden Häuser und Infrastruktur beschädigt und landwirtschaftliche Flächen zerstört. Da während der Regenzeiten weiterhin Starkregen und Überschwemmungen zu erwarten sind, bleibt die Bevölkerung auch künftig großen Risiken ausgesetzt.
Uganda:
In Karamoja im Nordosten Ugandas setzen wiederkehrende Trockenperioden und unregelmäßige Regenfälle viele Familien unter Druck. Die erste Ernte des Jahres 2026 ist weitgehend ausgefallen. Rund 473.000 Menschen leiden derzeit Hunger, Medienberichten zufolge gibt es bereits die ersten hungerbedingten Todesfälle.
Teile Ugandas gelten weiterhin als Dürre-Hotspots in Ostafrika, wo Böden austrocknen und die Vegetation geschwächt wird. Die meisten Menschen leben von Viehhaltung und kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Geringe Ernten führen immer wieder zu Hungerperioden – die aktuelle ist jedoch besonders extrem. Wir haben über unseren Nothilfefonds 185.000 Euro für erste Soforthilfemaßnahmen bereitgestellt.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird das Klimaphänomen El Niño die Region noch in diesem Jahr massiv betreffen. Gemeinden, die bereits unter Dürre und Hunger leiden, drohen dann zusätzlich verheerende Überschwemmungen, Erdrutsche, Vertreibung, Krankheitsausbrüche – und noch mehr Hunger.
So hilft die Welthungerhilfe vor Ort
- Trinkwasserversorgung: Wir errichten oder reparieren Wassersysteme, organisieren Wassertransporte und stellen Wassergutscheine bereit, damit Familien und ihre Tiere Zugang zu sauberem Wasser haben.
- Bargeldhilfe: Wir unterstützen besonders betroffene Haushalte mit Bargeld, damit sie Lebensmittel, Medikamente oder Schulgebühren selbstständig einkaufen können.
- Lebensmittelhilfe: Wir versorgen Familien mit Nahrungsmitteln und unterstützen sie dabei, Unterernährung zu verhindern. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen.
- Tiergesundheit: Wir stellen Tierfutter bereit und organisieren tierärztliche Versorgung, damit Viehhalter*innen ihre Tiere schützen und ihre Lebensgrundlage sichern können.
- Hygiene und Grundversorgung: Wir verteilen Hygieneartikel und andere wichtige Dinge des täglichen Bedarfs an besonders gefährdete Haushalte.
Maßnahmen für nachhaltige Hilfe:
- Koordination: Wir arbeiten eng mit Behörden, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Partnern zusammen, um Hilfsmaßnahmen besser abzustimmen und wirksamer umzusetzen.
- Einbindung lokaler Gemeinschaften: Wir beziehen Gemeinden in Planung und Umsetzung der Projekte ein, damit Lösungen an lokale Bedürfnisse angepasst sind und langfristig wirken.
- Stärkung lokaler Kapazitäten: Wir unterstützen lokale Institutionen und Gemeinschaften durch Schulungen und Beratung, damit sie besser auf zukünftige Krisen vorbereitet sind.
Jetzt spenden und Menschen in den Dürre-Gebieten unterstützen
70 €... reichen aus, um z.B. einer Familie in Somaliland zwei Monate lang Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen
120€... versorgen z.B. eine Familie in Kenia für einen Monat mit den nötigsten Grundnahrungsmitteln.
215€... kostet es z.B., Viehhirt*innen in Äthiopien einen Monat lang mit Futter für 5 Tiere auszustatten.
Häufige Fragen zur Dürre in Ostafrika
Was verursacht Dürre in Afrika?
Wenn dringend notwendige Regenzeiten ausbleiben oder viel zu gering ausfallen, kommt es zu Dürren. Der Wassermangel kann zu Bodenerosion bis hin zu Desertifikation führen. Ein wesentlicher Grund für anhaltende Bodentrockenheit ist der menschengemachte Klimawandel. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Bodenerosion.
Warum ist Ostafrika immer wieder von Hungerkrisen betroffen?
Die Region erlebt immer wieder Extremwetter wie Dürren und Überschwemmungen. Die Böden sind viel zu trocken, um Getreide oder Gemüse anzubauen. Für die kleinbäuerlichen Familien bedeutet das: Keine Ernte und nicht genügend zu essen. Ohne Futter und Wasser sterben die Tiere der Hirtenfamilien. Zudem steigen die Preise für Grundnahrungsmittel enorm an. Viele Menschen können es sich nicht mehr leisten, Lebensmittel auf den Märkten zu kaufen und müssen hungern. Nach der Heuschreckenplage des letzten Jahres und in Folge der Corona-Pandemie haben die Menschen keinerlei Reserven mehr, um der Dürre etwas entgegenzusetzen. Auch Armut, Kriege und bewaffnete Konflikte sind Hungertreiber. Jahrzehntelange Ausbeutung durch Industrienationen macht es vielen afrikanischen Ländern schwer, sich aus der Armutsfalle zu befreien.
Wie kann das Vorkommen von Dürre in Afrika verringert werden?
Viele Extremwetterereignisse wie Dürren sind auf den Klimawandel zurückzuführen, oder werden durch den Klimawandel häufiger und heftiger. Die Eindämmung der Klimakrise ist daher also ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Hungers. Dafür sind politische Lösungen erforderlich. Doch auch im Kleinen kann jede*r kann mit einer nachhaltigen Lebensweise einen Beitrag leisten und helfen, den Klimawandel zu verlangsamen. Prävention ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um Katastrophen wie beispielsweise Ernteausfälle abzumildern. Die Welthungerhilfe nutzt verschiedene Instrumente und Maßnahmen, um humanitäre Hilfe zu leisten, bevor Katastrophen eintreten. Durch Frühwarnsysteme mit einem vorhersagebasierten Risikomanagement können betroffene Menschen im Falle einer absehbaren Dürre frühzeitig handeln und Maßnahmen zur Ernährungssicherung einleiten. Solche Maßnahmen sind für die am schlimmsten betroffenen Bevölkerungsgruppen überlebenswichtig.
Welche Folgen hat die Dürre?
Anhaltende Dürren rauben Millionen Menschen die Lebensgrundlage. Ernten fallen aus, Vorräte sind vielerorts schnell verbraucht. Ernteeinbußen stürzen die Menschen gleich doppelt ins Elend. Auf der einen Seite können Familien nicht mehr von den eigenen Erzeugnissen leben, auf der anderen Seite schießen Lebensmittelpreise aufgrund der Knappheit in die Höhe. Menschen, die in Armut leben, können diese Preise nicht bezahlen und müssen Hunger leiden. Wasserknappheit verschärft außerdem das Potenzial für Unruhen und Kämpfe um das knappe Gut, vor allem in politisch instabilen Ländern. Konflikte und prekäre Lebenssituationen führen dazu, dass Menschen in andere Regionen oder Länder fliehen müssen.
Geprüft und ausgezeichnet
Die Welthungerhilfe steht für Transparenz und Qualität, für sparsamen und zielgerichteten Einsatz der Spenden und verifizierte Informationen. Aus diesem Grund hat uns das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) mit dem Spendensiegel ausgezeichnet.
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Transparenz & Qualität

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Fragen und Antworten rund um Ihre Spende für Ostafrika
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