Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

Preisanstieg der Lebensmittel verschärft Hunger

Lebensmittel werden teurer: Preisanstiege gefährden die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen

Menschen auf einem Marktstand in Simbabwe, die durch den Anstieg der Lebensmittelpreise nur noch das Nötigste kaufen können.
Ein Marktstand in Simbabwe: Viele Menschen können sich durch den Lebensmittelpreisanstieg vieles nicht mehr leisten oder nur noch geringe Mengen einkaufen. Das kann vor allem in armen Ländern den Hunger verschärfen. © Brazier / Welthungerhilfe
Stefanie Kolodziej Policy Advisor (bis Dezember 2024)

Zwischen 2020 und 2023 sind die Preise für Lebensmittel drastisch gestiegen. Durch den Krieg in der Ukraine erreichten sie im März 2022 ihr Rekordniveau. Seitdem ist ein Abwärtstrend zu erkennen. Doch der kommt kaum bei den Menschen an, die unter den hohen Preisen am meisten leiden.

Vor allem in Ländern des Globalen Südens ist die Lage dramatisch – und klimabedingte Ernteausfälle sowie Konflikte gefährden die Ernährungssicherheit für Millionen von Menschen zusätzlich.

Nahrungsmittel bleiben teuer

Seit dem Höchststand des UN-Nahrungsmittelpreisindex (FFPI) im März 2022 sinkt das internationale Niveau für Nahrungsmittelpreise wieder. Im Vergleich zum Vorjahr sind im April 2024 die Preise für Getreide (-15%) und Zucker (-18%) deutlich gesunken, während die Preise für Molkereiprodukte (-4%) nur leicht gefallen sind und pflanzliche Öle sowie Fleisch annähernd gleich hoch geblieben sind. Im April 2024 lag der UN-Nahrungsmittelpreisindex mit rund 119 Punkten unter dem durch den Ukraine-Krieg verursachten Rekordwert von fast 160 Punkten – aber immer noch deutlich über dem Wert von September 2020 vor der Pandemie, als der FFPI bei knapp 100 Punkten stand.

Der FAO Food Price Index (FFPI) besteht aus fünf Warengruppen: Fleisch, Milchprodukte, Getreide, pflanzliche Öle und Zucker. Diese Rohstoffe sind ausgewählt worden, weil sie von hoher strategischer Bedeutung für die globale Ernährungssicherheit und für den globalen Handel sind. Der Nahrungsmittelpreisindex erfasst monatliche Veränderungen der internationalen Preise für die am meisten gehandelten Nahrungsmittel.

Die Prognosen für die Getreideernten sind überwiegend gut. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sagt für das Jahr 2023/2024 eine weltweite Getreideproduktion von 2846 Millionen Tonnen voraus. Das entspricht einem Plus von 1,2% zum Vorjahr und ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Prognosen für die globalen Getreidevorräte 2024 bleiben komfortabel und die Prognose für die globale Weizenproduktion liegt mit 791 Millionen Tonnen 0,5% über dem Vorjahr.

Im Südlichen Afrika sind die Ernteaussichten für 2024 dagegen schlecht und liegen für Mais 10% unter dem fünfjährigen Durchschnitt. Grund ist eine Dürre, die seit Mitte 2023 durch das Wetterphänomen El Niño verursacht wird, sowie die hohen Temperaturen aufgrund des Klimawandels. Malawi, Simbabwe und Sambia haben wegen der katastrophalen Auswirkungen der Dürre auf die Ernährungssicherheit im März 2024 den nationalen Notstand ausgerufen.

Das hohe Produktionsniveau kann allerdings nur knapp mit dem weltweit gestiegenen Bedarf mithalten. Und: Die gesunkenen internationalen Nahrungsmittelpreise und die guten Ernteerträge kommen noch lange nicht überall an. Die nationalen Preise waren im März 2024 im Vergleich zu vor einem Jahr immer noch sehr hoch und steigen teilweise weiter an. Besonders in Ländern mit niedrigem Einkommen herrscht eine extreme Inflation von Lebensmittelpreisen: Simbabwe, Myanmar, Ägypten, Nigeria und Sierra Leone haben bei Nahrungsmitteln Inflationsraten über 40%. Haushalte mit niedrigem Einkommen leiden besonders unter der hohen Inflation, da sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben müssen. Sie haben durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine bereits erhebliche Kaufkraftverluste erlitten. Immer mehr Menschen können sich Nahrungsmittel nicht mehr leisten und müssen die Anzahl oder Diversität der Mahlzeiten reduzieren. Ihre Ernährungssicherheit ist in Gefahr.

Grafik: Heatmap mit Ländern der Welt zum Preisanstieg der Lebensmittel in Prozentpunkten
Preisanstieg von Lebensmitteln weltweit, Stand 15.11.2024. Die ausgerechnete Lebensmittelinflation für jedes Land basiert auf den Daten zwischen Juli und Oktober 2024 des Verbraucherpreisindex (VPI). Die reale Nahrungsmittelinflation ist definiert als Lebensmittelinflation abzüglich der Gesamtinflation. Quelle: "Food Security Update" der World Food Bank © Welthungerhilfe

Die globale Erholung nach der Pandemie und dem Beginn des Kriegs in der Ukraine ist zwar langsam, aber auch die Preise für Düngemittel, Energie und Transport sind seit Mitte 2022 teils stark gesunken. Allerdings kämpfen besonders Länder mit niedrigem Einkommen mit einem weiteren Anstieg von Menschen, die ernährungsunsicher sind. Denn diese Länder sind oft stark abhängig von Lebensmittelimporten. Sie haben Schwierigkeiten, ihre Importmengen sicherstellen und bezahlen zu können. Bei hohen Weltmarktpreisen müssen sie entsprechend mehr Geld für Importe ausgeben. Durch größer werdende Handelsdefizite und einen starken Dollar wurden lokale Währungen teils sehr stark abgewertet. So wurden Importe noch teurer und die Inflation bei Nahrungsmitteln weiter angetrieben.

Zusammen mit einer hohen Schuldenlast öffentlicher Haushalte nach der Pandemie sind die finanziellen Möglichkeiten der Regierungen oftmals begrenzt, um in soziale Sicherungssysteme zu investieren oder die Resilienz vulnerabler Haushalte zu stärken. Dieser Teufelskreis aus schwachen Währungen, hohen Lebensmittelpreisen, Inflation und Schuldenlast wird vor allem in Ländern, die ein niedriges Einkommensniveau haben und Nettolebensmittelimporteure sind, die Kaufkraft der Haushalte auch 2024 weiter schwächen.

Kriege gefährden die Ernährungssituation der Bevölkerung – vor allem dann, wenn Hunger bewusst als Kriegswaffe eingesetzt wird.

Ein weiterer Risikofaktor für die globale Ernährungssicherheit bleiben Kriege und Krisen. Die globalen Märkte haben sich zwar teilweise an die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine angepasst durch erhöhte Exporte aus Brasilien, Argentinien, USA und der EU. Die Ukraine konnte nach dem Auslaufen des Getreideabkommens einen eigenen Korridor für Schiffe durch das Schwarze Meer aufrechterhalten und Anfang 2024 die Exporte über den Seeweg erheblich verbessern.

Aber neue, intensive Konflikte im Gazastreifen und dem Sudan wirken sich negativ auf die nationale und regionale Ernährungssicherheit aus. Durch die massenhafte Vertreibung der Zivilbevölkerung wird die landwirtschaftliche Produktion unterbrochen und die Fähigkeit der Bevölkerung beschränkt andere Schocks durch Klimawandel oder Wirtschaftskrise zu bewältigen. Die Huthi-Attacken auf Frachtschiffe im Roten Meer als wichtige Handelsroute sind ebenfalls ein Risiko für unterbrochene Lieferketten, steigende Transportkosten und wieder steigende internationale Preise für Lebensmittel.

Verschiedene Gemüsesorten auf einem Markt in Peru, 2021
Gemüse an einem Lebensmittelstand in Peru. © Karin Desmarowitz/Welthungerhilfe

Preisanstieg von Lebensmitteln verursacht Hunger 

Laut Welternährungsorganistion (FAO) hungern weltweit 673 Millionen Menschen, das sind, wenn man den Mittelwert betrachtet, etwa 152 Millionen mehr als 2019 vor der Pandemie. Wenn sich der Trend so fortsetzt, wird das SDG 2 „Kein Hunger bis 2030“ klar verfehlt. Besonders Kinder leiden unter Unterernährung: 148 Millionen Kinder unter 5 Jahren haben Wachstumsverzögerungen, 45 Millionen Kinder unter 5 Jahren sind ausgezehrt. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: In weiten Teilen von Asien und Lateinamerika konnte der Hunger reduziert werden, während in Afrika und der Karibik der Hunger zunimmt. Die größte Zahl an hungernden Menschen lebt nach wie vor in Asien (385 Mio.), während in Afrika der größte Anteil der Bevölkerung (ca. 20 %) unter Hunger leidet.

Factsheet Hunger 2021
Factsheet Hunger

Wie viele Menschen hungern weltweit? Wo ist der Hunger am größten? Und warum? Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Hunger finden Sie hier.

Mehr erfahren

Die hohen Preise von Lebensmitteln erschweren neben weiteren Faktoren wie den Auswirkungen der Klimakrise, bewaffneten Konflikten und Kriegen sowie den Folgen Covid-Pandemie die Bemühungen zur Beendigung des Hungers immens. Auch die globale Ernährungssicherheit verschlechtert sich: 29,6% der Weltbevölkerung (2,4 Milliarden Menschen) haben keinen konstanten Zugang zu ausreichend Nahrung für ein gesundes und aktives Leben. Das bedeutet, Menschen können sich nicht ausreichend Grundnahrungsmittel leisten, um satt zu werden oder sie müssen auf gesunde Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse verzichten.

Neben dieser chronischen Ernährungsunsicherheit steigt auch die akute Ernährungsunsicherheit an. 281,6 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen (IPC Phase 3 oder höher). Das bedeutet, Menschen haben so große Lücken in der Nahrungsaufnahme, dass sie akut unterernährt sind und wesentliche Ressourcen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes erschöpfen müssen. In der höchsten Phase – der Hungersnot – reichen diese Notfallstrategien nicht mehr aus und die Menschen benötigen dringend Unterstützung, um zu überleben und ihren Lebensunterhalt zu sichern. Weltweit sind laut FAO 45 Länder auf externe Nahrungsmittelunterstützung angewiesen, 33 davon liegen in Afrika und neun in Asien.

Preiserhöhung, Lebensmittel, Hungersnot – wie hängt alles zusammen?

Agrar-Rohstoffe haben im ersten Jahr der Pandemie 2020 auf dem Weltmarkt insgesamt 31 Prozent mehr gekostet als ein Jahr zuvor (FAO), Ölsaaten wie Raps doppelt so viel. Und auch der Preis für Mais hat sich nahezu verdoppelt. Weizen und Soja sind ebenfalls deutlich teurer geworden. Ein Grund dafür waren zum Beispiel die Kosten der Lagerhaltung in Corona-Zeiten.

Protektionistische Handelspolitik kann ein Risikofaktor für die globale Preisstabilität und Inflation von Lebensmitteln sein. Während der Pandemie und zu Beginn des Krieges in der Ukraine haben einige Länder mit Exportverboten oder -beschränkungen auf bestimmte Grundnahrungsmittel reagiert, um den heimischen Bedarf zu decken oder hohe Preise einzudämmen. Laut Weltbank waren Anfang 2024 zum Beispiel in Indien immer noch Exportverbote für Reis, Weizen und Zucker in Kraft. Indien ist mit über 40% der weltgrößte Reisexporteur. Entsprechend haben besonders die Exportverbote auf Reis die globale Versorgung und Preise gestört: Im April 2024 lag der UN-Reispreisindex bei 135,7 Punkten. Das sind 27 Punkte mehr als der Wert im Jahr 2022 mit 108,8 Punkten und der höchste Stand seit 11 Jahren.

Eine Frau füllt mit einem Messbecher eine Tüte mit Bohnen, die von einer zweiten Frau gehalten wird.
Simbabwe: Bäuerinnen am Marktstand mit Agrarprodukten. © Brazier/Welthungerhilfe

Zunehmende Extremwetterereignisse führen dazu, dass es weniger Ernten gibt und die Preise daraufhin steigen. Einen direkten Einfluss auf das Preisniveau von Nahrungsmitteln haben zudem die zum Teil deutlich gestiegenen Energiepreise, zum Beispiel für Rohöl. Der Unterschied: In Industrieländern wirken sich die Preissteigerungen meist nur moderat aus. Die Menschen müssen nur circa 12 bis 30 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden. Doch in Ländern des Globalen Südens sind es zwischen 50 und 100 Prozent. Werden Nahrungsmittel teurer, bedeutet das für viele Haushalte in ärmeren Ländern, dass sie sich keine Nahrung mehr kaufen können und hungern müssen. Für andere wichtige Dinge wie Wohnen, Gesundheit oder Schulbildung der Kinder bleibt schlichtweg nichts mehr übrig. 

Gleichzeitig benötigen Hilfsorganisationen bei steigenden Nahrungsmittelpreisen auch mehr finanzielle Mittel, um diese zu erwerben. Und wenn Landwirt*innen im Globalen Süden sich aufgrund steigender Preise Saatgut und Dünger nicht mehr leisten können, werden Anbau und Ernten schrumpfen – und damit Armut und Hunger wachsen. Ein Teufelskreis, den es jetzt unbedingt zu vermeiden gilt. 

Die globale Landwirtschaft produziert genug Nahrung für alle, doch die ist extrem ungleich verteilt.

Multiple Krisen: Fatal für ernährungsunsichere Länder 

Die FAO warnt im April 2024 vor weiteren extremen Preisanstiegen von Grundnahrungsmitteln in 8 Ländern: Südafrika, Sambia, Simbabwe, Südsudan, Sudan, Myanmar, Nigeria und Argentinien. Vor einer Verschärfung von akuten Hungerkrisen warnt das Welternährungsprogramm Anfang 2024 insbesondere in Gaza, Haiti, Äthiopien, Jemen, Syrien, Demokratische Republik Kongo und Somalia – aber auch in vielen weiteren Regionen und Ländern.

Solche Ernährungskrisen entstehen meist aus einer Kombination verschiedener Ursachen, die sich zum Teil überlagern: Extremwetterereignisse und Auswirkungen des Klimawandels, Kriege und Konflikte, wirtschaftlich Schocks durch hohe Lebensmittelpreise. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden zwischen den Auswirkungen (wiederkehrender) Schocks und strukturellen Ursachen wie Fragilität, Instabilität und Armut.

Das Problem dabei: all diese Ursachen führen dazu, dass ernährungsunsichere Haushalte wesentliche Ressourcen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes verlieren. Das schränkt ihre Fähigkeit ein, weitere Schocks zu bewältigen und Resilienz aufzubauen. Aufgrund der Pandemie und des Krieges in der Ukraine ist auch die wirtschaftliche Resilienz von Ländern mit niedrigem Einkommen dramatisch zurückgegangen. Das bedeutet sie benötigen längere Phasen zur Erholung und sind auf zukünftige Schocks schlecht vorbereitet.

Die multiple Krisensituation aus Klimawandel, Krieg und hohen Nahrungsmittelpreisen muss sehr ernst genommen werden, um eine weitere Verschlechterung der Lage zu vermeiden.

Helfen Sie mit einer Spende

Klimaschutz als Existenzsicherung

Der Klimawandel führt zum Beispiel in vielen Kaffeeanbauregionen zu verminderten Ernten, was zusammen mit den gestiegenen Transportkosten die Kaffeepreise in die Höhe schießen lässt. Zusammen mit der Unsicherheit über zukünftige Getreidelieferungen aufgrund des Krieges in der Ukraine, der Huthi-Attacken im Roten Meer und des Konflikts in Gaza muss auch in Zukunft mit weiteren Preissteigerungen und der Verknappung einiger Nahrungsmittel gerechnet werden.

Das Klima verändert sich, und wir müssen lernen, damit zu leben.

Elementar wichtig für eine nachhaltige Ernährungssicherheit im globalen Kontext ist also vor allem die Investition in den Klimaschutz, die Anpassung an den Klimawandel und die Landwirtschaft insbesondere in ernährungsunsicheren Regionen. Dazu gehören Fortbildung der Bäuer*innen, bessere Bewässerungs- und Pflugmethoden und an den Klimawandel angepasste Strategien für die Landwirtschaft. Das beinhaltet angepasstes Saatgut, neue Technologien und je nach Region individuell an das Klima, Bodenbeschaffenheit und Wasserverfügbarkeit angepasste Ansätze. Die Unterstützung von Landwirt*innen in den von Hunger betroffenen Regionen ist in dieser Hinsicht eine Maßnahme, die sofort umgesetzt werden kann.

Den Auswirkungen des Klimawandels auf globaler Ebene entgegenzuwirken ist ein elementarer Ansatz, um die ausreichende Produktion sowohl von Getreide- und Grundnahrungsmitteln als auch weiterer Lebensmittel sicher zu stellen.

Hunger in Afrika: Steigende Lebensmittelpreise verschärfen Krisen

In vielen ernährungsunsicheren Ländern in Afrika bleiben die Preise für Grundnahrungsmittel im Frühjahr 2024 auf historisch hohem Stand und weitere Preissteigerungen werden erwartet. Im Südlichen Afrika erzeugt der erwartete Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion für 2024 aufgrund einer Dürre weiteren Druck auf bereits hohe heimische Nahrungsmittelpreise. Mais als wichtigstes Grundnahrungsmittel in der Region verzeichnet steigende Preise. Ernteverluste führen besonders bei ländlichen Haushalten zu Einkommensverlusten und Subsistenzlandwirt*innen sind auf den Zukauf von Nahrung angewiesen. Bei den hohen Preisanstiegen sind das enorme finanzielle Belastungen, vor allem für Haushalte, die einen Großteil ihres Budgets für Nahrung ausgeben. Viele Menschen können sich dies nicht leisten und leiden Hunger.

Millionen Menschen in Ländern Ostafrikas wie Kenia, Somalia, Äthiopien oder Uganda leiden unter den Folgen jahrelanger Dürre.

Laut dem Global Information and Early Warning System on Food and Agriculture (GIEWS) sind im März 2024 geschätzt 16 Millionen Menschen in der Region von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Die Zahl kann im Laufe des Jahres weiter steigen, vor allem in Gebieten, die in den vergangenen Jahren bereits mehrere Wetterschocks erlebt haben und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber weiteren Schock stark abgenommen hat (Malawi, Madagaskar, teilweise Mozambique).

Auch in Teilen Ost- und Westafrikas bleiben die Preise auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Im Sudan hat der anhaltende Konflikt die Produktion von Nahrungsmitteln und das Funktionieren der Märkte unterbrochen und zu weiteren Preissteigerungen geführt. Die internationale Preise können im Laufe des Jahres 2024 wieder zunehmend unter Druck geraten: globale Auswirkungen von El Niño auf die landwirtschaftliche Produktion, Dynamiken beim Ölpreis und Engpässe in den Lieferketten können preistreibende Faktoren sein.

Beispiele: Auswirkungen auf Malawi, Simbabwe, Südsudan und Sierra Leone

Welche Auswirkungen der Anstieg der Nahrungsmittelpreise auf die Menschen in verschiedenen Ländern hat, zeigen die folgenden Beispiele aus Malawi, Simbabwe, Südsudan und Sierra Leone:

Keine Entwarnung in Sicht: In vielen Ländern ist die Hungersituation "ernst" oder sogar "sehr ernst".

Malawi
In Malawi kommt vor allem Mais auf die Teller. Zum Nationalgericht Nsima, einem Brei aus Maismehl, wird meist Gemüse oder Bohnen serviert. Der Preis für Mais und andere Grundnahrungsmittel ist gegenüber dem Vorjahr stark gestiegen: die Inflation der Lebensmittelpreise lag im Februar 2024 bei 41,9%. Aufgrund des Klimaphänomens El Niño hat eine Dürre fast die Hälfte der Maispflanzen beschädigt oder zerstört. Im März 2024 hat der Präsident deshalb in 23 von 28 Distrikten den Notstand ausgerufen. Denn die Wirtschaft in Malawi ist stark abhängig von der Landwirtschaft. Über 80% der Bevölkerung arbeiten im landwirtschaftlichen Sektor. Auf dem Land sind regenwassergespeiste Subsistenzwirtschaft und Einkommen aus gelegentlicher landwirtschaftlicher Arbeit die Lebensgrundlage. Circa 72% der Bevölkerung muss mit weniger als 2,15 USD pro Tag auskommen und lebt damit unterhalb der Armutsgrenze.  

El Niño kommt zu einer Zeit, als die Widerstandfähigkeit der Haushalte durch verschiedene Klima- und Wirtschaftsschocks stark gesunken ist. Der Zyklon Freddy hat im Frühjahr 2023 allein im landwirtschaftlichen Sektor 110 Millionen USD an Schäden verursacht und zu hohen Einkommensverlusten bei der ländlichen Bevölkerung geführt. Zusätzlich haben die anhaltend hohen Lebensmittelpreise die Kaufkraft der Haushalte enorm eingeschränkt. Über 95% der Bevölkerung kann sich keine ausgewogene und gesunde Ernährung leisten. Haushalte geben im Durchschnitt bereits 64% ihres Budgets für Nahrungsmittel aus. Immer mehr Familien verzichten auf abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung oder schränken Mahlzeiten ein.

Die Folge: voraussichtlich 4,4 Millionen Menschen (22% der Bevölkerung) sind laut FAO und WFP von akuter Unterernährung betroffen. Das bedeutet mehr Menschen sind auf Unterstützung durch Geldtransfer oder den Import von Grundnahrungsmitteln angewiesen. Allerdings führen die schwache nationale Währung und ein Mangel an Devisenreserven zu hohen Importkosten und schränken die Importkapazitäten ein. Das treibt die Inflationsraten weiter an.

Jetzt nachhaltig helfen und spenden

Simbabwe
Auch in Simbabwe besteht das Nationalgericht aus einem Brei aus Maismehl: Es heißt Sadza und wird meist mit Gemüse oder (wenn man es sich leisten kann) Fleisch serviert. Der Preis für ein Kilo Maismehl ist im Dezember 2021 auf den städtischen Märkten um 30% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Bohnen und Speiseöl sind noch teurer geworden – und das, obwohl Simbabwe 2021 eine gute Ernte eingefahren hat. Doch die Erträge haben nicht ausgereicht, um die leeren Lager nach zwei Dürrejahren wieder aufzufüllen. Auch gestiegene Benzin- und Transportpreise verteuern die Nahrungsmittel. Im Durchschnitt geben Haushalte in Simbabwe 55% ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.  

Auf der anderen Seite fehlen Erwerbsmöglichkeiten: Während der Lockdowns in der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen in den Städten die Produktion heruntergefahren oder Pleite gemacht. Auch Tagelöhner*innen im informellen Sektor haben während Lockdowns ihre Einkommensmöglichkeiten verloren. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage gibt es wenig neue Jobs. Die Folge: Immer mehr Familien verzichten auf abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung. Etwa jede siebte Familie gibt 2021 an, ihr Verhalten zu verändern, weil sie nicht genug zu essen hat. Die häufigste Antwort ist, günstigere und ungesündere Nahrungsmittel zu kaufen. Dann gibt es Sadza pur, ohne Beilage oder Gemüse. Macht satt, ist aber nicht gesund.  

Eine Frau verkauft Obst und Gemüse vor ihrem Marktstand. Viele können sich durch den Anstieg der Lebensmittelpreise nicht mehr alles leisten.
Marktfrau vor ihrem fahrbaren Marktstand in Simbabwe. Viele Nahrungsmittel können sich die Einheimischen durch den Lebensmittelpreisanstieg nicht mehr leisten. © Welthungerhilfe/Hummel

Südsudan
Im Südsudan sind hohe Nahrungsmittelpreise ein großes Problem: Die Preise für Getreide sind im April 2024 auf Höchststände geklettert und waren zwei- bis dreimal teurer als im Vorjahr. Lokal produzierte Hirse ist um 50% gestiegen und Mais um 80%. Die Gründe sind vielfältig.

Eine Frau in blauer Kleidung hockt auf einem Feld und kümmert sich um junge Pflanzen. Neben ihr stehen zwei Gießkannen aus Metall.
Nachhaltig helfen

Steigende Nahrungsmittelpreise treffen die Ärmsten am schlimmsten. Helfen Sie ihnen mit Ihrer Spende.

Die Getreideproduktion kann nur 70% des eigenen Bedarfes decken und weist trotz Verbesserungen immer noch ein substantielles Defizit auf. Gleichzeitig ist der Import von Getreide aus Uganda und Sudan eingebrochen. Die unzureichende Versorgung führt zu so hohen Preisen, dass viele Menschen nur einen eingeschränkten Zugang zu Nahrung haben. Zudem ist die Wirtschaft des Landes stark von Ölexporten abhängig. Die wichtige Pipeline durch den Sudan wurde beschädigt und Öltransporte durch das Rote Meer gestört. Dadurch sind die Exporte zuletzt stark gesunken. Das hat die nationale Währung allein zwischen Januar und März 2024 um 50% abgewertet und zu weiteren Preissteigerungen geführt.

Hinzu kommen die Auswirkungen von Konflikten: Seit dem Ende des Bürgerkrieges und dem Bilden einer Übergangsregierung 2020 hat sich die Sicherheitslage etwas entspannt, doch auf lokaler Ebene kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Die Unsicherheit führt dazu, dass Menschen landwirtschaftliche Aktivitäten unterbrechen, Handels- und Marktaktivitäten erschwert werden und somit der Preisdruck hoch bleibt. Zudem gibt es immer noch knapp eine Million intern Vertriebene und weitere Geflüchtete in Nachbarländern. Wegen des Konfliktes im Sudan sind außerdem fast 500.000 Menschen in den Südsudan geflohen. Die hohe Zahl an Rückkehrenden und Geflüchteten erhöht den Druck auf knappe Ressourcen, der neue Konflikte auslösen kann, besonders in der Grenzregion zum Sudan. 

Die außergewöhnlich hohen Lebensmittelpreise, die hohen Spritpreise, wenige Möglichkeiten in ländlichen Gebieten Einkommen zu generieren, fehlende Gehaltszahlungen in städtischen Gebieten: All diese Faktoren haben die Kaufkraft der Haushalte enorm eingeschränkt und erhöhen die Ernährungsunsicherheit drastisch. Gleichzeitig wirken sich die hohen Preise auch negativ auf die Kosten lebensrettender Humanitärer Hilfe aus, die zunehmend teurer wird. Das Welternährungsprogramm hatte 2023 eine Finanzierungslücke von mehreren hundert Millionen USD und musste die Zahl der Essensrationen oder der unterstützten Menschen im Land drastisch reduzieren. Dies hat katastrophale Auswirkungen auf die von Hunger betroffenen Menschen.

Eine Frau füttert ihr Kind. Durch den Preisanstieg von Lebensmitteln gibt es nicht mehr genug zu essen.
Eine Frau füttert ihren Sohn in Burkina Faso: Der Preisanstieg von Lebensmitteln führt zu einer Verknappung von Nahrungsmitteln, Hunger und im schlimmsten Fall zu einer Hungersnot. © Happuc/Welthungerhilfe

Sierra Leone 
In den letzten Jahren ist der Preis für Reis um 75% gestiegen. Da es sich um ein Grundnahrungsmittel handelt, sind die Auswirkungen auf die Lebensmittel- und Ernährungssicherheit der Menschen enorm. Die damals durch Corona verhängten Beschränkungen haben den Handel und die Einfuhr von Nahrungsmitteln stark eingeschränkt, was zu einem drastischen Preisanstieg geführt hat.

Auf den benachbarten Märkten in Guinea und Liberia sind die gleichen Preisschwankungen zu beobachten, sodass sich das Problem auf den gesamten westafrikanischen Raum ausweitet. Die Ernährungssicherheit hat abgenommen, und die Haushalte spüren die hohe Inflation der Lebensmittelpreise. Der Rückgang der Ernährungssicherheit scheint in den städtischen Gebieten am stärksten zu sein, wo auch der Verbrauch am stärksten zurückgegangen ist und die Haushalte nicht auf selbst erzeugte Lebensmittel zurückgreifen können.

Im Juli 2020 meldete fast ein Viertel der Haushalte, dass sie aufgrund eines Preisanstiegs oder eines Rückgangs des Haushaltseinkommens keinen Reis – das wichtigste Grundnahrungsmittel – kaufen konnten. In manchen Regionen geben die Menschen 70% ihres Einkommens für Nahrung aus. 

Weitere globale Faktoren, die zu einer Nahrungsmittelpreiskrise und damit zu Hunger führen können:  

Mit den Preisen steigt der Hunger

Hohe Preise nähren die Hungerkrise: Das Ernährungssystem ist in Schieflage

Mehr erfahren

Teurere Lebensmittel, mehr Hunger & höhere Kosten für Hilfe  

Vor allem die Ernteaussichten für Hungerregionen in Afrika und Asien sind weiterhin düster, so Schneider. „Die betroffenen Länder müssen rasch soziale Sicherungsmaßnahmen vorbereiten, um die Versorgung der Menschen zu gewährleisten. Mittelfristig müssen sie mehr in ihre Landwirtschaft investieren, denn jetzt rächt sich, dass nach den letzten Krisen zu wenig geschehen ist”, fordert Schneider. Länder wie Deutschland seien gefordert ihre Unterstützung für Hungerbekämpfung und ländliche Entwicklung auszubauen. Kurzfristige Exportstopps für Agrarprodukte sollten vermieden werden.

Lebensmittelpreisanstieg: So unterstützt die Welthungerhilfe  

Um Armut und Hunger auf der Welt sowie die Auswirkungen und Folgen für die Menschen zu bekämpfen, müssen die Ernährungssysteme nachhaltig und armutsreduzierend gestaltet und Katastrophen besser vorgebeugt werden. Besonders notwendig sind schnelle Maßnahmen vor Ort wie zum Beispiel das Anlegen strategisch wichtiger Reserven von Nahrungsmitteln, die Verfügbarkeit von angepasstem Saatgut zu sichern, die Förderung von innovativen Anbaumethoden aufrecht zu erhalten, ein umfassendes Risikomanagement voranzutreiben oder Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu fördern. 

Maßnahmen bei Lebensmittelpreisanstieg

Forderungen der Welthungerhilfe für die Umsetzung einer nachhaltigen und resilienten Landwirtschaft, die mögliche Hungersnöte durch den Preisanstieg von Lebensmitteln verhindern können:

Kurzfristig:  

Mittelfristig    

Helfen Sie nachhaltig mit einer regelmäßigen Spende!
  • Die URL wurde in die Zwischenablage kopiert

Das könnte Sie auch interessieren

pageLoader