+++ Aktuell: 5 Jahre nach Machtübernahme der Taliban +++
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban befindet sich Afghanistan weiterhin in einer lang anhaltenden humanitären, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Zwar gibt es in vielen Landesteilen weniger bewaffnete Auseinandersetzungen als vor 2021. Für Millionen Menschen bedeutet das jedoch noch keine tatsächliche Sicherheit: Hunger, Armut, fehlende Arbeitsmöglichkeiten, hohe Lebensmittelpreise sowie ein eingeschränkter Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung prägen weiterhin den Alltag.
Rund 21,9 Millionen Menschen, etwa 45 Prozent der Bevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder. Besonders schwerwiegend bleibt die Situation für Frauen und Mädchen: Mädchen dürfen nur bis zur sechsten Klasse zur Schule gehen, Frauen sind von Hochschulen, zahlreichen Berufen und weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.
Gleichzeitig erhöhen große Rückkehrbewegungen aus Iran und Pakistan den Druck auf Arbeitsplätze, Wohnraum, Wasser und Gesundheitsversorgung. Während die humanitären Bedarfe hoch bleiben, gehen die verfügbaren Mittel für die Hilfe deutlich zurück.
Afghanistan braucht Ihre Unterstützung
- Humanitäre Lage: In Afghanistan sind rund 21,9 Millionen Menschen, etwa 45 Prozent der Bevölkerung, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder.
- Bildungskrise: Ungefähr 4 Millionen Kinder, insbesondere Mädchen, haben keinen Zugang zu Schulbildung; die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen liegt nur bei etwa 37 %.
- Projekte vor Ort: Die Welthungerhilfe ist seit 1980 in Afghanistan aktiv und führt derzeit über 15 Projekte durch, unter anderem in den Bereichen Ernährungssicherung, Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene.
Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban
Im August 2021 haben die islamistischen Taliban in Afghanistan wieder die Macht übernommen. Seitdem hat sich die humanitäre Lage im Land extrem verschlechtert: Rund 21,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders kritisch ist die Ernährungslage, unter der insbesondere die Jüngsten leiden.
In Afghanistan hungern Menschen, weil sie gleichzeitig mit mehreren Krisen konfrontiert sind – und dabei zunehmend die Möglichkeit verlieren, ein Einkommen zu erzielen, Nahrungsmittel anzubauen, ihr Vieh am Leben zu halten oder sich angesichts stetig steigender Preise ausreichend Lebensmittel leisten zu können.
Sajjad Mohammad Sajid Landesdirektor der Welthungerhilfe in AfghanistanDie Welthungerhilfe hat seit 1980 ununterbrochen im Land Hilfe geleistet. Dazu gehört die Verteilung von Nahrungsmitteln, Bargeld und Hygienepaketen an bedürftige Familien, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Unterstützung von Frauen gelegt wird. Die Flucht von gut ausgebildeten Afghan*innen hat dazu geführt, dass wir mehr als 90 % unseres Personals neu eingestellt haben, darunter auch weiterhin qualifizierte Mitarbeiterinnen.
Konflikte und Probleme in Afghanistan – Ihre Spende hilft
- Humanitäre Situation: Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban sind rund 21,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hunger, Armut, fehlende Einkommen, Klimaschocks und große Rückkehrbewegungen verschärfen die Krise.
- Wirtschaftliche Situation: Seit der Machtübernahme der Taliban ist die Wirtschaft stark geschrumpft, in manchen Bereichen um fast ein Drittel. Nach Angaben von UNICEF waren 2023 62,3% der Bevölkerung von multidimensionaler Armut betroffen, d.h. sie litten unter gravierenden Einschränkungen bei Einkommen, Gesundheit, Bildung oder Lebensstandard (Wohnsituation, Wasser- und Stromversorgung, sanitäre Einrichtungen u.a.) Die Fähigkeit vieler Menschen, grundlegende Güter und Dienstleistungen zu bezahlen, ist aus diesen Gründen stark eingeschränkt.
- Frauen und Mädchen: Mädchen dürfen nach der sechsten Klasse keine reguläre Schule mehr besuchen. Frauen haben ihren Zugang zu Hochschulen, Ausbildung, zahlreichen Arbeitsplätzen und weiten Teilen des öffentlichen Lebens verloren. Dadurch verlieren Familien Einkommen, weibliche Fachkräfte fehlen und die Armut ganzer Haushalte verschärft sich.
- Klimawandel: Afghanistan ist stark vom Klimawandel betroffen. In den letzten Jahren verursachten starke Regenfälle und Überschwemmungen erhebliche Schäden. Zudem sind viele Provinzen von schweren Dürren betroffen.
Unsere Hilfsprojekte und Unterstützung vor Ort
Die Welthungerhilfe hat in den den letzten Monaten zahlreiche Nothilfe-Maßnahmen umgesetzt. Zum Beispiel haben wir Nahrungsmittelpakete, Hygienesets, Heizmaterial, warme Decken und Kinderbekleidung verteilt. Im Rahmen von Cash-for-Work-Maßnahmen erwirtschaften Familien ein kleines Einkommen und tragen zugleich zum Aufbau der Infrastruktur bei, unter anderem von Bewässerungssystemen. Bäuer*innen erhalten zudem Saatgut und Nutztierpakete, damit sie sich wieder eine eigenständige Existenz aufbauen können.
In den letzten Jahren haben wir mit den Menschen in Afghanistan folgende Projekte umgesetzt:
- Frauen lernen, unter erschwerten Bedingungen Geflügel zu züchten oder Gemüse anzubauen.
- Spezielle Spielplätze und Jugendgruppen vermitteln Kindern und Jugendlichen soziale Kompetenzen und helfen bei der Bewältigung von Traumata.
- Rund 25.000 Menschen lernen in der Provinz Kabul Lesen und Schreiben.
- Junge Afghan*innen nehmen an einem Ausbildungsprogramm teil, erhalten kaufmännisches Training oder Start-up-Kredite.
Welthungerhilfe in Afghanistan
Seit 1980 ist die Welthungerhilfe in Afghanistan aktiv; damals mit Soforthilfe für afghanische Flüchtlinge. Seit 1992 arbeitet sie mut eigenen Strukturen im Land. Die Aktivitäten der Welthungerhilfe in Afghanistan werden aus dem Landesbüro in Kabul gesteuert. Im Jahr 2025 waren 15 Projekte mit einem Fördervolumen von 17,2 Millionen Euro in Durchführung. Damit erreichte die Welthungerhilfe 2025 313.633 Menschen direkt.
Der Schrecken ist Alltag – jetzt für Afghanistan spenden!
- Im Welthungerindex belegt Afghanistan den 109. Platz von 123 Ländern. Die Hungersituation bewertet der WHI als ernst.
- Schätzungsweise 4 Millionen Kinder gehen in Afghanistan nicht zur Schule.
- 4 von 10 Kindern unter fünf Jahren sind chronisch unterernährt.
- Afghanistan ist einer der größten Produzenten von Opium und Cannabis.
- Der Human Development Index listet Afghanistan auf Platz 181 von 193.
- Nur 37 Prozent der Erwachsenen sind alphabetisiert.
Die islamische Republik Afghanistan ist ein Binnenstaat und liegt im südlichen Asien, genau an der Schnittstelle zu Zentralasien. Das Land ist umgeben von den Staaten Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, China, Pakistan und Iran. Mit einer Fläche von 652.860 Quadratkilometern ist Afghanistan fast doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, besteht aber zu drei Vierteln aus schwer zugänglichen Gebirgsregionen, die teilweise nahezu menschenleer sind. Die meisten der Einwohner*innen leben in einem von sieben größeren Ballungsgebieten.
Bereits im frühen 19. Jahrhundert geriet Afghanistan zunehmend ins Visier der Großmächte Russland und Großbritannien, die im sogenannten „Great Game“ um Einfluss in Zentralasien konkurrierten. Mehrere blutige Anglo-Afghanische Kriege konnten eine vollständige Besetzung des Landes jedoch verhindern. Unter der Herrschaft von Abdur Rahman Khan, der als Begründer des modernen Afghanistan gilt, wurden Ende des 19. Jahrhunderts die heutigen Grenzen des Landes festgelegt, darunter auch die umstrittene Durand-Linie zu Britisch-Indien. Diese Grenzziehung trennte viele paschtunische Siedlungsgebiete und birgt bis heute Konfliktpotenzial. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Afghanistan offiziell zum Königreich erklärt und schritt in Richtung politischer Selbstständigkeit, die 1919 mit der vollständigen Unabhängigkeit von Großbritannien gesichert wurde.
Der Alltag vieler dieser Menschen ist geprägt von Krieg, Terror und Armut. Seit über vier Jahrzehnten erschüttern Krisen das Land. Diese haben dazu geführt, dass Afghanistan zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde gehört. Seit 2021 steht Afghanistan wieder unter der Herrschaft der radikalislamischen Taliban – wie zuvor schon einmal zwischen 1996 und 2001. Die humanitären Fortschritte, die das Land in der Zeit der Anwesenheit westlicher Truppen von 2001 bis 2021 verzeichnen konnte, sind großenteils gestoppt oder zunichte gemacht. In dieser Lage wurde Afghanistan in den letzten Jahren mehrmals von Flutkatastrophen und Erdbeben getroffen.
Die Lage bleibt ernst: Während der mageren Jahreszeit von November 2025 bis März 2026 waren rund 17,4 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und befanden sich in einer Ernährungskrise, darunter rund 4,7 Millionen Menschen mit akuter Unternährung. Für April bis September 2026 werden weiterhin rund 13,8 Millionen Menschen in IPC 3 (Hungerkrise) oder höher erwartet. Insgesamt sind rund 21,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Die Welthungerhilfe verbindet akute humanitäre Hilfe mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit. Zu den Schwerpunkten unserer Arbeit gehören:
- Lebensmittel- und Bargeldhilfen
- Wasserversorgung
- klimaangepasste Landwirtschaft
- Ernährungsberatung
- Stärkung lokaler Märkte
- gezielte Unterstützung von Frauen und von Frauen geführten Haushalten.
Seit 1992 wurden mehr als 150 Projekte durchgeführt und über 150 Millionen Euro investiert. Mit Ihrer Spende für Afghanistan ermöglichen Sie uns auch weiterhin, einem zerrütteten Land zu mehr Stabilität zu verhelfen.
Winter in Afghanistan
Direkte Hilfe durch Ihre Spende für Afghanistan
Für Afghanistan spenden und Hilfsprojekte direkt unterstützen

Nothilfe: Modernere Öfen für die afghanische Landbevölkerung sparen Holz, heizen besser und helfen den Familien durch den kalten afghanischen Winter.

Wirtschaftliche Entwicklung: Ausbildungsprogramme schulen junge Frauen und Männer und geben ihnen eine berufliche Perspektive für die Zukunft.

Stärkung der Zivilgesellschaft: Entwicklungspolitische Grundlagenarbeit vermittelt Kindern demokratische Prozesse und soziale Kompetenzen. Bildungsmaßnahmen schulen Erwachsene im Lesen, Schreiben und in ökonomischen Prozessen.
Afghanistan ist dringend auf anhaltende internationale Unterstützung angewiesen – nicht nur, um den akuten humanitären Bedarf zu decken, sondern auch, um Lebensgrundlagen wiederherzustellen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Klimakrise zu stärken und den Menschen zu ermöglichen, ihr Leben in Würde neu aufzubauen.
Sajjad Mohammad Sajid Landesdirektor der Welthungerhilfe in Afghanistan


