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14.09.2023 | Blog

Africa Climate Summit: Ein Aufruf zum Handeln

Vom 4. bis 6. September fand in Kenias Hauptstadt Nairobi der erste Africa Climate Summit statt, auf dem Maßnahmen und Lösungen für den Klimawandel in Afrika entwickelt werden sollten. Michael Kühn von der Welthungerhilfe war vor Ort und gibt eine Einschätzung zu den Ergebnissen.

Großer Saal mit Vollversammlung des Africa Climate Summit 2023 in Nairobi, Kenia
Die Vollversammlung des Africa Climate Summit 2023 in Nairobi, Kenia. © picture alliance / AP photo / Khalil Senosi
Michael Kühn Team Policy and External Relations

Der erste Afrikanische Klimagipfel endete mit einer Abschlusserklärung zum Klimawandel und einem Aufruf zum Handeln. Allerdings haben lediglich 17 Staatschefs – unter der Führung Kenias und dem Vorsitzenden der Afrikanischen Union – diese Erklärung unterzeichnet. Es stellt sich daher die Frage nach der Verbindlichkeit auch für die Staaten, die nicht anwesend waren, wie z.B. Südafrika, das ein großer Kohleexporteuer ist. So sind einige Elefanten im Raum geblieben, und es wird sich erst zeigen, ob hier nur eine weitere Absichtserklärung vorgelegt wurde oder ob es Schritte zur Umsetzung mit konkreten Ergebnissen für die Menschen auf dem Kontinent geben wird.

Lösungen durch grünes Wachstum

Deutlich ist hingegen geworden, dass diese Erklärung ein anderes, längst überfälliges Narrativ von Afrika vorgibt; nicht länger als Empfänger von Almosen dazustehen, sondern durch grünes Wachstum sich selbst und der Welt Lösungen anzubieten, den Klimawandel zu bekämpfen und Entwicklung zu ermöglichen. Das Afrika als Kontinent historisch nichts zur Klimakrise beigetragen hat, verkommt fast zur Nebensache.

Africa Climate Summit

Der Africa Climate Summit wurde 2023 gemeinsam von der Republik Kenia und der African Union Commission (AUC) in Nairobi ausgerichtet. Er brachte Staats- und Regierungschefs, politische Entscheidungsträger, Organisationen der Zivilgesellschaft, den Privatsektor, multilaterale Institutionen und junge Menschen zusammen, um Maßnahmen und Lösungen für den Klimawandel in Afrika zu entwickeln und zu fördern.

Die parallel zum Afrikanischen Klimagipfel organisierte Africa Climate Week bot eine Plattform zum Austausch über Klimalösungen, zu überwindende Hindernisse und Chancen in verschiedenen Regionen, was zu einer ersten globalen Bestandsaufnahme führen sollte, die in der COP28 in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Dezember dieses Jahres gipfeln wird.

Der kenianische Staatspräsident Ruto, Gastgeber des Gipfels, nannte mehrere Gründe, warum der Kontinent gut aufgestellt sei, um bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Führungsrolle zu übernehmen. „Afrika ist der Kontinent mit 60 % der weltweiten erneuerbaren Energiequellen, einschließlich Solar-, Wind-, Geothermie- und Wasserkraftwerken. Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2100 40 % der Arbeitskräfte der Welt in Afrika leben. Wir verfügen über zwei Drittel der weltweit unbewirtschafteten Ackerflächen, die eine intelligente Landwirtschaft in den Produktionsspeicher der Welt verwandeln können. Wir verfügen über die größte Infrastruktur zur Kohlenstoffbindung in der Welt“, sagte Ruto.

Zunächst nimmt die Erklärung Bezug auf die schon fast historischen Verpflichtungen der Länder, die für die Folgen des Klimawandels in erster Linie verantwortlich sind, ihre Zusagen aus der Vergangenheit einhalten: Ambitioniert die Reduzierung von Treibhausgasen voranzutreiben, wie im Paris Vertrag von 2015 vereinbart, endlich die 100 Mrd. USD Klimafinanzierung jährlich zur Verfügung zu stellen, was schon ab 2020 hätte der Fall sein sollen, aus fossilen Energien und den Subventionen dieser Energien auszusteigen und die Einrichtung und Umsetzung des loss and damage fonds, wie auf der Klimakonferenz in Ägypten im vergangenen Jahr vereinbart.

Was dann kommt ist eine lange Liste von Selbstverpflichtungen. Nationale Politiken sollen so attraktiv gestaltet werden, dass sie ausländisches Kapital anziehen, grünes Wachstum soll Jobs schaffen, umweltschädigende industrielle Prozesse sollen möglichst übersprungen werden, Biodiversität erhalten und über naturbasierte Ansätze zurückgewonnen werden. Die Unterstützung von Kleinbauern und indigenen Gruppen taucht mehr in einem Nebensatz auf, ebenso wie der Ausbau von Frühwarnsystemen und „early action“ zum Schutz von Leben. Die Rolle von Ernährungssystemen und ihr Beitrag zum Klimaschutz und zur Ernährungssicherung bleibt so gut wie unerwähnt und erscheint eher zwischen den Zeilen. Von Transformation ist – außer bei Energiesystemen – keine Rede.

William Ruto, Präsident der Republik Kenia, spricht bei der Eröffnung des Africa Climate Summit 2023.
William Ruto, Präsident der Republik Kenia, spricht bei der Eröffnung des Africa Climate Summit 2023. © picture alliance / AP photo / Brian Inganga

Die Finanzierung einer entwicklungsfördernden Energiewende

Die Umsetzung dessen braucht Geld, und so verwundert es nicht, dass sich ein großer Teil der Erklärung mit Geldströmen beschäftigt, die in Richtung Afrika fließen sollen. Reformen des multilateralen Finanzsystems, Schuldenerlass (gegen Investitionen in erneuerbare Energien) und die Reduzierung zu hoher Kapitalkosten für afrikanische Länder sollen die Finanzierung einer entwicklungsfördernden Energiewende ermöglichen. Eine (globale) C02-Steuer, mit der klimapositive Investitionen getätigt werden, sollen zweckgebunden sein und sich nationalen und geopolitischen Interessen entziehen.

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Die Auswirkungen des Klimawandels sind eine zentrale Ursache für Hunger und Armut.

Allerdings sind Begrifflichkeiten wie klimapositives oder grünes Wachstum, grüne Industrialisierung und grüne Energie offen für Interpretation. In der EU gilt Gas als grün, in Deutschland als Übergangslösung, Gas bleibt ein fossiler Energieträger. Es wird befürchtet, dass zum Beispiel die Vereinigten Arabischen Emirate, die auf der nächsten Klimakonferenz (COP 28) die Präsidentschaft übernehmen, in C02-Abscheidetechnologien investieren und auch zur Anwendung bringen, dann könnte man in der Zukunft weiterhin auf Öl und Gas setzen, es verbrenne ja dann klimaneutral.

Teile der afrikanischen Zivilgesellschaft äußern daher starke Zweifel, dass die Maßnahmen sich positiv auf arme und marginalisierte Bevölkerungsschichten auswirken. Die Abschlusserklärung sei nicht partizipativ, inklusiv und schon gar nicht transformativ genug angelegt, und man befürchte, sie sei vielleicht gut für große Unternehmer und ausländische Investoren, aber nicht für die Armuts- (und Hunger)bekämpfung auf dem Kontinent. Sie sei eher ein diplomatisches Dokument, dass die afrikanischen Lebensrealitäten nicht ausreichend widerspiegele, sondern ausblende.

Man kann das Dokument so lesen, aber man kann auch als Zivilgesellschaft den Staatschefs vor allem die Selbstverpflichtungen immer wieder vorhalten, Umsetzung und Rechenschaft einfordern. Dafür enthält die Abschlusserklärung auch Anhaltspunkte.

Der nächste Afrikanische Klimagipfel soll in zwei Jahren stattfinden.

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