23.06.2014 | Blog

Gesundheit in Myanmar: ein Dorf versichert sich

In Deutschland haben wir eine gesetzliche Krankenversicherung. Wenn wir krank sind, gehen wir zum Arzt und die Kosten für die Behandlung trägt die Krankenkasse. Für uns selbstverständlich! Ganz anders jedoch für Zin Mar Htwe aus Myanmar. Seit einem Krankenhausaufenthalt nach der Geburt ihres zweiten Kindes haben sie und ihr Mann hohe Schulden.

Zin Mar Htwe mit ihrer Familie vor ihrem zusammengeschusterten Haus
Die Familie von Zin Mar Htwe ist arm - so wie alle anderen auch in der ländlichen Region Htan Tabin. © Veronica Wijaya

Wenn Gesundheit zum Luxusgut wird

Die Kosten für den Krankentransport und Medikamente müssen Familien in Myanmar in der Regel selbst tragen - ebenso einen Teil der Kosten für den Aufenthalt im Hospital. Dies können sich die meisten Menschen nicht leisten, erst recht nicht die ärmere Landbevölkerung, die nur ein geringes Einkommen und auch keine Rücklagen hat. Dazu gehört auch Zin Mars Familie.

Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes vor zwei Jahren musste sie für ein paar Tage ins Krankenhaus. Sie hatte viel Blut verloren. Ein Drittel ihres Monatseinkommens – 50.000 Kyat (50 Euro) kostete ihr Aufenthalt und der Transport ins Hospital. Um die Rechnungen bezahlen zu können, musste sie sich bei Gläubigern – zu einem monatlichen Wucherzinssatz von 20 Prozent – Geld leihen.

Arme Familien geraten immer weiter in die Schuldenspirale

Einmal in der Schuldenfalle, ist es schwer wieder herauszukommen, so beschreibt Zin Mar Htwe ihre Situation. „Ich arbeite wie mein Mann als Tagelöhnerin auf den Reisfeldern der Umgebung. Wir beide arbeiten hart, um unsere Familie zu ernähren. Ein Tag ohne Arbeit ist schlimm für uns.“ Damit Notfälle und Arbeitsausfälle nicht zum finanziellen Desaster werden, unterstützt die WelthungerhilfeFamilien in der Region Htan Tabin seit Januar 2014 dabei, gemeinsam Geld zu sparen. So können sie in Notfällen zum Beispiel die Kosten für den Transport ins Hospital tragen.

So funktioniert das Sparprogramm für Notfälle im Dorf:

  1. Jeder Bewohner zahlt monatlich 50 Kyat (5 Cent) ein.
  2. Bei einem Notfall steht der betroffenen Familie Geld aus dem gemeinsamen Spartopf zur Verfügung.
  3. Für das geliehene Geld müssen keinerlei Zinsen gezahlt werden!
  4. Je nach Familiensituation und Notfall trägt die Gemeinschaft die Kosten für den Transport ins Krankenhaus.

So war Zin Mar vor wenigen Monaten bei der Geburt ihres dritten Kindes abgesichert und nicht mehr der Willkür von Geldverleihern ausgesetzt. Sie ging vorsorglich für die Geburt ins Krankenhaus – Komplikationen wie bei ihrem zweiten Kind wollte sie vermeiden. Durch das zinslose Geld aus der Dorf-Notfallkasse, konnte sie für die Entbindung ins Hospital gehen ohne die Sorge, dadurch noch mehr Schulden zu machen. Und im Krankenhaus ruhte sich Zin Mar außerdem noch ein paar Tage aus, bevor sie wieder ihre anstrengende Arbeit auf den Feldern aufnahm.

Die Vorteile des Notfall-Spartopfs auf einen Blick:

Unterstützen Sie uns dabei, dieses Spar- und Kreditprogramm auch in anderen ländlichen Siedlungen in Myanmar zu starten. Gemeinsam können wir den Menschen helfen, sich selbst aus ihrer Schuldenfalle zu befreien. Ihre Spende wirkt vor Ort!

Die Welthungerhilfe unterstützt die Menschen dabei, gemeinsame Dorffonds für Kredite für Notfälle und aber auch für neue Geschäftsideen und neue Einkommensquellen anzulegen. Außerdem beraten wir sie zur standortgerechten Landwirtschaft und Tierhaltung. In jedem Dorf entsteht ein Entwicklungs-Komitee, welches unsere Arbeit begleitet und den Fortschritt in ihrer Siedlung selbst plant und mitgestaltet.

Drei Myanmare bauen einen Weg zwischen zwei Dörfern
Auch in anderen Bereichen ist Gemeinschaft gefragt: Hier beim Wegebau zwischen den Dörfern. © Veronica Wijaya
Letzte Aktualisierung 12.06.2018

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