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01.01.2019 | Nachbericht

Fleischkonsum: Darf es etwas weniger sein?

Eine kontroverse Diskussion rund ums Fleisch - mit Sarah Wiener und Jürgen Abraham.

Zwei Teller, auf einem ein Fisch-, auf dem anderen ein Fleischgericht.
Fisch und Fleischgericht aus dem Kama Distrikt, Afghanistan. © Sayed Abdul Tawab Sadaat
Kerstin Bandsom Team Communications

"Es gibt keine andere Lösung als biologische Landwirtschaft! Punkt!" Mit diesen Worten griff die Fernsehköchin Sarah Wiener in einer kontroversen Debatte zum Thema Fleischkonsum in Berlin ihren Gesprächspartner Jürgen Abraham an. "Wir haben nur einen Planeten und können nicht drei weitere aus der Tasche ziehen."

Industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung führten zur Versteppung ganzer Landstriche, zur Abholzung des Regenwaldes und seien klimaschädlich, sie treibe durch den enormen Flächenverbrauch in Entwicklungsländern viele Kleinbauern in die Armut. Abraham leitet den größten Schinken- und Wurstkonzern Deutschlands, Abraham Schinken, und konterte: Die wachsende Weltbevölkerung ließe sich ohne industrielle Landwirtschaft nicht ernähren. Das bedeute aber nicht, dass Abstriche bei der Qualität des Fleisches gemacht werden müssten. Auch die konventionelle Tierhaltung unterliege regelmäßigen Kontrollen. Auch könne die Fleischindustrie niemanden zwingen, sich biologisch zu ernähren. Es sei der Verbraucher, der bestimme, was und wie produziert werde. Für Biofleisch gebe es nach wie vor zu wenig Nachfrage. Abraham Schinken hatte vor einiger Zeit seinen Bio-Schinken vom Markt nehmen müssen. Der Grund: Zu geringe Nachfrage.

Saisonal und regional, wenn möglich "bio"

Auf die Frage, welche Empfehlungen die beiden Podiumsgäste zum "verantwortungsbewussten" Konsum von Fleisch geben könnten, antwortete Sarah Wiener "Das ist ganz klar. Essen Sie saisonal und regional. Wenn möglich ‘bio’. Dann sind sie auf jeden Fall schon auf der sicheren Seite." Jürgen Abraham äußerte, dass Fleisch zu einer gesunden Ernährung gehöre und dass billiges Fleisch nicht notwendigerweise auch qualitativ minderwertig sei. Er räumte allerdings ein, dass Fleisch nicht unbedingt jeden Tag auf dem Speiseplan stehen müsse. Aber schließlich müsse jeder Mensch selbst entscheiden können, ob und wie viel Fleisch er essen wolle. Von Regulierungen, wie etwa der Idee eines vegetarischen Tags in Kantinen, dem Veggie-Day, halte er wenig. "Wo liegt denn das Problem?" entgegnete Sarah Wiener, unsere Gesellschaft habe bis vor kurzem für fast 2000 Jahre auf Fleischkonsum am Freitag verzichtet. 

Lehrerheft Tiere, Fleisch & Hunger

Das Unterrichtsmaterial im Baukasten-System soll das Bewusstsein für die Auswirkungen der Massentierhaltung wecken.

Positionen der Welthungerhilfe

Viele Verbraucher sind sich der negativen Auswirkungen eines hohen Fleischkonsums bewusst. Es ist bekannt, dass Millionen Tiere durch die Massentierhaltung leiden und dass Regenwälder gerodet werden, um Futtermittel anzubauen. Die Fleischproduktion verursacht zudem ungleich mehr Treibhausgasemissionen als der Anbau von pflanzlichen Nahrungsmitteln und Getreide. Die Konsequenzen tragen oft die Menschen in ärmeren Ländern, denn durch den Export verlieren diese Länder wichtige Ressourcen. Bis 2030, so schreibt eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen fest, soll der Hunger beendet sein. Ein Blick auf die Daten und Fakten zeigt: Dafür muss die Weltgemeinschaft noch einiges tun.

Die Welthungerhilfe setzt sich seit vielen Jahren gemeinsam mit lokalen Partnern für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kleinbauern ein, die durch den Fleischhunger der Industrieländer in ihrer Existenz bedroht sind. In Peru und Bolivien unterstützte sie beispielsweise ein Projekt zur zivigesellschaftlichen Stärkung von Kleinbauern. Diese waren gezwungen, ihre Felder an Großkonzerne abzugeben mussten, oftmals ohne Entschädigung. Die Felder werden für den Anbau von Soja genutzt, das als Viehfutter nach Europa importiert wird. Außerdem unterstützt die Welthungerhilfe Lehrer in Deutschland mit Unterrichtsmaterialien, die das Ziel haben, die Hintergründe der globalen Massentierhaltung und des individuellen Fleischkonsums kritisch zu hinterfragen.

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Letzte Aktualisierung 01.03.2019

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