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26.08.2010 | Blog

Zu Besuch beim Nothilfe-Team im überfluteten Pakistan

Bärbel Dieckmann ist zu Besuch beim Nothilfe-Team in Pakistan. Das Ausmaß der Zerstörungen ist groß. Die Hilfe wird dankbar angenommen: "Sie wissen, dass sie aus eigener Kraft keine Chance hätten."

Bärbel Dieckmann Präsidentin Welthungerhilfe

Schon mein erster Eindruck von Pakistan aus dem Flugzeugfenster ist erschreckend. Wenn die Regenwolkendecke aufreißt, sehe ich das flächendeckende Ausmaß der Zerstörungen. Die übergetretenen Flüsse haben alles weggerissen und kilometerbreite, rötlich-braune Schlammspuren in die Landkarte gezeichnet. In Islamabad können wir dann auch nicht landen, der heftige Monsunregen verbietet jeden Flugverkehr. Wir drehen ab nach Lahore, wo wir drei Stunden im Flugzeug am Boden warten müssen, bis sich die Lage gebessert hat und es endlich wieder zurückgeht nach Islamabad.

Ich werde von Jürgen Mika vom Nothilfe-Team der Welthungerhilfe abgeholt. Er wirkt ziemlich übermüdet, kein Wunder, ist er doch seit drei Wochen im Dauereinsatz. Er kommt aus Mianwali in der Region Punjab, wo er erkundet hat, was die Menschen benötigen. Als erstes begleiten wir ihn zu einer der regelmäßig stattfindenden Lagebesprechungen. An den Wänden des Büros hängen Karten mit den aktuellen Schadensmeldungen. Ausländische und einheimische Mitarbeiter organisieren die Hilfe für das ganze Land. Die Einsätze werden minutiös geplant und aufeinander abgestimmt, damit keine Ressourcen verschwendet werden  und die Hilfe da ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird.  Es herrscht ein klar geordnetes System.

Mit Mitarbeitern von CESVI, unserer italienischen Partnerorganisation fahren wir anschließend mit einem Minibus 150 Kilometer nach Nordosten. Wir wollen in die heftig heimgesuchte Umgebung von Nowshera. Der Fluss Kabul hat dort viele Dörfer weggespült. Auf dem Mittelstreifen der höher gelegenen Autobahn haben tausende Obdachlose ihre Zelte aufgeschlagen. Seit zwei Wochen wohnen und schlafen sie hier, direkt neben den vorbeirasenden Autos und Lastwagen. Hilfsorganisationen versorgen sie mit Wasser und Nahrung. In den Gesichtern der Leute sehe ich, dass sie sich über die Hilfe freuen, die sie nicht als selbstverständlich hinnehmen. Sie wissen, dass sie aus eigener Kraft keine Chance hätten.

Die zerstörten Flächen sind riesig. Selbst wir im Westen hätten größte Probleme damit. Ich muss an die Flut im Oderbruch oder an die Überflutung von New Orleans denken. Auch da lief nicht alles reibungslos. Ungleich schwieriger ist es hier in einem Land, das in einer prekären politischen Situation ist. Ab der Distrikthauptstadt Nowshera erhalten wir Polizeischutz. Ob der wirklich notwendig ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich nehme es als gutes Zeichen, dass die Polizei uns als Hilfsorganisation unterstützt.

Auf kleinen Straßen geht es weiter in das Dorf Chawhi Dorab. Rechts und links reihen sich zerstörte Gehöfte. Die Flut hat die Lehmziegelmauern einstürzen lassen. Die Bauern kampieren in Zelten und unter Planen in den Ruinen.  Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, die Fliegen sind eine Plage. Hier muss alles getan werden, um den Ausbruch von Seuchen zu vermeiden. Morgen werden wir daher in diesem Distrikt sogenannte Hygiene- und Haushaltssets verteilen mit Körper- und Kernseife, Decken, Kerzen und Streichhölzern Handtüchern und Damenbinden. Zwei Eimer, Wasseraufbereitungstabletten und ein feines Stofftuch, mit dem das trübe Wasser von Schwebstoffen befreit werden kann, gehören ebenfalls zum Paket. Dazu Elektrolyte um die Mangelerscheinungen auszugleichen, die durch Durchfall hervorgerufen werden.

In Chawhi Dorab treffen wir einen Mitarbeiter unserer Partnerorganisation People In Need. Er überwacht das Ausladen von zwei LKW-Ladungen Schutzplanen. Die Männer aus dem Dorf schleppen die schweren Pakete in ein notdürftig hergerichtetes Lagerhaus.  Von hier aus sollen sie an die Bewohner aus der Umgebung verteilt werden. Durch die Nacht fahren wir drei Stunden zurück nach Islamabad. Morgen früh um sieben Uhr wollen wir wieder aufbrechen, zur Verteilung der Hygiene- und Haushaltssets in dem kleinen Dorf Mohlallah Khattak. Doch davon werde ich Ihnen dann berichten.

Herzliche Grüße
Bärbel Dieckmann

Schlagworte
Letzte Aktualisierung 22.08.2017

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