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28.03.2016 | Blog

Verschwendung: Vom Feld in die Mülltonne?

Vom arglosen Wegwerfen, dem Mindesthaltbarkeitsdatum und den Schultern, auf denen unser Luxus lastet.

1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel landen Jahr für Jahr auf dem Müll – das ist ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel. Ein Skandal angesichts der Tatsache, dass weltweit 795 Millionen Menschen hungern. Die gute Nachricht: Den größten Anteil an der Verschwendung bei uns in Deutschland trägen die Endverbrauchenden - jeder einzelne von uns hat die Macht, die Welt ein kleines bisschen zum Guten zu ändern!

Verluste und Hunger im Süden - Wegwerfgesellschaft im Norden

Während Lebensmittel in Entwicklungsländern oft wegen schlechter Lagerhaltung, Schädlingsbefall oder Fäulnisbakterien verderben, gehen sie in industrialisierten Ländern eher beim Endverbrauchenden verloren: In Europa und Nordamerika landen im Jahr rund 222 Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf dem Müll – das ist fast so viel, wie in ganz Sub-Sahara Afrika produziert wird.

Wenn wir unseren Einkaufswagen füllen, machen wir uns nur selten Gedanken darüber, wie viel Arbeit in jedem einzelnen Produkt steckt und was es für einen langen Weg hinter sich hat. Haben wir uns in der Menge verschätzt oder gerade Appetit auf etwas anderes schmeißen wir Nahrungsmittel sorglos in den Müll: Willkommen in der Wegwerfgesellschaft! Was wir dabei vergessen sind die Ressourcen, die zuvor in die Herstellung des Produktes gesteckt wurden: Für alle Lebensmittel, die ein Mensch pro Jahr in Deutschland kauft, werden circa 84 Badewannenfüllungen Wasser verbraucht und eine Fläche so groß wie ein halbes Fußballfeld in Anspruch genommen.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel gehen allein in Deutschland jährlich verloren – betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Das sind pro Einwohner*in in Deutschland rund 82 Kilo weggeworfenes Essen. Mehr als die Hälfte könnte gerettet werden: Lebensmittelverschwendung ist zu einem großen Maß vermeidbar, erfordert aber aktives Handeln auf verschiedenen Ebenen.

Verschwendung beim Endverbrauchenden: Die wahre Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums

Wir als Konsument*innen sind jedes Jahr für 7,23 Tonnen, d.h. 39 Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland verantwortlich. „All you can eat“-Angebote, Großpackungen oder Mengenrabatt-Aktionen im Supermarkt verlocken uns zum Kauf. Das Resultat: Täglich landen enorme Mengen an Lebensmitteln in der Tonne weil das aufgedruckte Datum erreicht ist.

Was viele nicht wissen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum! Es ist ein Gütesiegel und sagt nur aus, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine Farbe, seinen Geruch, Konsistenz und Geschmack behält – nicht, wann es verdorben ist.

Die Folgen unserer Lebensmittelverschwendung

Die massive Lebensmittelverschwendung beeinflusst die Umwelt und die Menschen in anderen Teilen der Welt enorm. Neben der Verstärkung des Klimawandels trägt das arglose Wegwerfen dazu bei, dass Menschen in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlage verlieren.

Stoppt die Verschwendung - jeder Einzelne kann etwas tun!

Wenn wir die natürlichen Grenzen unseres Planeten und das Recht auf Nahrung für alle Menschen ernst nehmen, müssen wir auf allen Ebenen unseren Umgang mit Lebensmitteln überdenken. Die Bundesregierung will bis 2020 die Verschwendung von Lebensmitteln in Deutschland halbieren. Ein ambitioniertes Ziel, welches Reformen, Überarbeitung von Standards und Gesetzgebungen nach sich zieht; beispielsweise hinsichtlich des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Dokumentationspflicht über Abfallmengen in allen Lebensmittel-Branchen. Mehr Informationen und Handlungsempfehlungen für Politik und Unternehmen finden Sie in unserem Brennpunkt.

Dass wir in den Industrie- und Schwellenländern billige Nahrungsmittel im großen Stil konsumieren und dazu auf Ressourcen aus Ländern zurückgreifen, in denen Menschen in Armut und Hunger leben, ist aus moralischer Sicht bereits fragwürdig. Dass wir diese Lebensmittel dann auch noch in großem Maße verschwenden, ist ein Skandal! Jeder kann etwas tun und aktiv Lebensmittelverschwendung stoppen. Die Welt produziert genügend Nahrungsmittel. Es reicht! Für alle. Mit Ihrer Hilfe.

Letzte Aktualisierung 09.12.2020

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