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19.12.2019 | Projektupdate

Haiti wackelt noch immer

Zehn Jahre nach dem Erdbeben ist das Leben in Haiti alles andere als stabil. Die einst reichste Kolonie Frankreichs ist heute das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Extremwetter und die Folgen des Klimawandels treffen auf ohnehin schon schwache Strukturen. Die Welthungerhilfe ist in dem Karibikstaat mit Projekten aktiv, die Haiti in die Zukunft helfen sollen.

Ein Mann steht auf einem Trümmerhaufen
Haiti nach dem Erdbeben im Jahr 2010: Kaum ein Haus mehr, die Menschen standen vor dem Nichts. © Jens Großmann/Welthungerhilfe
Kerstin Bandsom Team Communications

Am 12. Januar 2010 erschütterte ein schweres Erdbeben der Stärke 7 den ohnehin schon bitterarmen Inselstaat Haiti. "Als die Erde anfing zu beben, bin ich aus dem Haus gerannt, weil alles einstürzte," erinnert sich Roselin Desroiser, "Danach haben wir in Zelten gelebt. Zu dieser Zeit war ich schwanger". Über 200.000 Menschen starben, über 300.000 wurden verletzt, fast zwei Millionen Menschen waren danach obdachlos. Die junge Mutter lebt heute mit ihren Kindern in einem erdbebensicheren Haus der Welthungerhilfe. Ihr Ehemann arbeitet in der Hauptstatd Port au Prince und kommt nur einmal im Monat nach Hause, sie kümmert sich um den Garten und baut Auberginen und Getreide an. Fast zehn Jahre später sind die Schäden des Erdbebens notdürftig beseitigt – doch politisch und wirtschaftlich liegt Haiti in Trümmern. In der Hauptstadt Port-Au-Prince wachsen die Elendsviertel, Obdachlose suchen in der Kathedrale Schutz. 

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre

Haiti ist etwa so groß wie Belgien und hat elf Millionen Einwohner, die meisten stammen von afrikanischen Sklaven ab. Haiti war einst die reichste Kolonie Frankreichs und ab 1804 das erste unabhängige Land der Karibik. Landessprachen sind Kreolisch und Französisch. Rund die Hälfte der Einwohner können nicht lesen und schreiben. Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre und belegt im Welthunger-Index 2019 Platz 111 von 117 Ländern.

Eine Frau und ein Mann auf einer Veranda, die Frau steht am Geländer, der Mann sitzt an der Hauswand.

Als die Erde anfing zu beben, bin ich aus dem Haus gerannt, weil alles einstürzte.

Roselin Desroiser Roselin und ihre Familie haben durch das Erdbeben 2010 alles verloren.

Extreme Wetterereignisse stellen für strukturell geschwächte Länder und Regionen besondere Gefahren dar. Wo die Bausubstanz schlecht ist, stürzen Häuser schneller ein, wo Straßen fehlen, dauert der Transport von Hilfsgütern, Nahrung und Medikamenten, und wo Korruption an der Tagesordnung steht, leiden die Ärmsten. Nicht nur Erdbeben sind eine große Gefahr für die Bevölkerung. In der Regenzeit gibt es immer wieder Gefahr für Überschwemmungen und Schlammlawinen. Große Teile der Waldflächen Haitis verschwanden bereits durch den Plantagenbau in der Kolonialzeit. Doch auch heute wird gerodet: Holzkohle ist mangels einer regelmäßigen Stromversorgung eine wichtige Energiequelle und für die Landbevölkerung oft die einzige Möglichkeit, ein kleines Einkommen zu erzielen.

Zehn Jahre nach dem Erdbeben in Haiti

Haitis Hauptstadt Porte au Prince nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010. Fast kein Haus steht mehr. © Müller/Welthungerhilfe
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Haiti nach dem Beben im Jahr 2010: Dort, wo durch die Schuttbeseitigung freie Plätze entstehen, werden neue Zelte aufgestellt, die den Menschen in der kommenden Regenzeit Schutz bieten sollen. © Welthungerhilfe
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Millionen Menschen verloren 2010 durch das Erdbeben ihr Zuhause und suchten Schutz in provisorischn Flüchtlingscamps. © Mirko Schernikau
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Die 893 erdbebensicheren Häuser, die die Welthungerhilfe im Jahr 2010 nach dem Beben gebaut hat, haben weiteren Naturkatastrophen Stand gehalten. © Schmidt/Welthungerhilfe
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Haiti wird häufig von extremen Naturkatastrophen, wie Hurrikan Matthew im Jahr 2016, heimgesucht. Viele Menschen stehen dann erneut vor dem Nichts. © Nicolo Lanfranchi
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Roselin Derosier und ihre Kinder leben in einem Haus, das von der Welthungerhilfe gebaut wurde. Es hielt Hurrikan Matthew im Jahr 2016 Stand, nur zwei Wellblechplatten mussten am Dach neu befestigt werden. © Lanfranchi/Welthungerhilfe
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In den letzten Jahrzehnten haben Zahl und Heftigkeit von Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Erdrutschen als Folge des Klimawandels zugenommen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass sich die Ernährungssituation der Menschen in Haiti in den letzten Jahren verschlechtert hat: Rund 35 Prozent der Bevölkerung sind dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Aber auch politische Unruhen und die darauffolgende schlechte Sicherheitslage, steigende Rohstoffpreise, Korruption und die Abwertung der lokalen Währung gegenüber dem Dollar haben den Zugang der ärmsten Haushalte zu Nahrungsmitteln stark eingeschränkt. Es wird befürchtet, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte, dann könnten mehr als 4 Millionen Menschen nicht mehr ausreichend zu essen haben.

Jeder Baum zählt: Die Folgen des Klimawandels in Haiti
Jeder Baum zählt: Die Folgen des Klimawandels in Haiti
Eine Gruppe Frauen erntet Karotten auf dem Feld eines Bauern in Haiti. Grün ist die Hoffnung in Haiti

In Haiti haben die Menschen mit Dürreschäden und Erosion zu kämpfen. Die Welthungerhilfe unterstützt sie dabei.

Nachhaltige Entwicklung und Landwirtschaft

Die Welthungerhilfe arbeitet daran, Alternativen und Perspektiven zu schaffen. “Die Landwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle in Haitis Wirtschaft, denn dort arbeitet die Hälfte aller Beschäftigten”, erklärt Mahamadou Issoufou-Wasmeier, Karibik-Regionaldirektor der Welthungerhilfe. Die Mehrheit der Kleinbauern hat jedoch weniger als zwei Hektar Land, um die Familien zu ernähren. In ihren Projekten setzt die Welthungerhilfe auf nachhaltige Entwicklung und Landwirtschaft: Kleinbauernfamilien lernen zum Beispiel, wie sie ihre Felder in steilen Hanglagen mit bepflanzten Steinwällen schützen können. In Schulungen erfahren sie mehr zu Pflanztechniken, natürlicher Schädlingsbekämpfung und Gemüseanbau. 

So unterstützt die Welthungerhilfe Menschen in Haiti

Die Welthungerhilfe ist seit 30 Jahren in Haiti aktiv. Zu ihrer Arbeit zählt unter anderem:

Letzte Aktualisierung 13.01.2020

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