Die Demokratische Bundesrepublik Äthiopien hat rund 130 Millionen Einwohner*innen und ist dreimal so groß wie Deutschland. In dem Binnenstaat am Horn von Afrika leben schätzungsweise 30 Prozent der Äthiopier*innen unter der Armutsgrenze, trotz eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstums von circa zehn Prozent.
In Äthiopien befinden sich laut Welternährungsprogramm rund 20,1 Millionen Menschen in einer Ernährungskrise (IPC Phase 3). Viele Menschen leiden unter den Folgen einer jahrelangen Dürre, hinzu kommen die Folgen politischer Konflikte innerhalb des Landes und hohe Lebensmittelpreise. Die Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auch in anderen Ländern Ostafrikas wie Kenia oder Somalia leiden Millionen Menschen unter den Auswirkungen der starken Dürre und der gestiegenen Lebensmittelpreise.
Für viele Äthiopier*innen sind die Folgen der Dürre fatal, vor allem im Süden Äthiopiens ist die Situation lebensbedrohlich, aber auch im Norden in den Regionen Afar, Amhara und Tigray hungern Millionen Menschen. Die Hoffnungen auf eine normale Regenzeit haben sich vielerorts nicht erfüllt. Auch wenn nun wieder mehr Regen erwartet wird, bleibt die Lage angespannt.
Die Ukraine-Krise hat die Situation zusätzlich verschärft: Da Import und Handel von Weizen durch die Ukraine wegfallen, werden Lebensmittel teurer. Viele Familien können sich diese nicht mehr leisten.
Fehlender Regen führt zu einer Dauerkrise
Extreme Trockenheit durch das Ausbleiben von ausreichend Regen seit 2020 führte unter anderem zu Missernten und Viehsterben – viele Landstriche in Äthiopien sind übersät von Tierkadavern. Eine Ursache für die zunehmenden Wetterextreme ist der Klimawandel. Vor allem für kleinbäuerliche Familien ist der Wegfall der Ernte dramatisch, weil sie nicht genug zu essen und oft auch kein Einkommen mehr haben. Die Mehrheit der Menschen in Äthiopien arbeitet im landwirtschaftlichen Sektor. Viele können es sich nicht mehr leisten, auf den Märkten Lebensmittel zu kaufen und hungern.
Noch bevor sich viele Menschen in Äthiopien von den Folgen der vergangenen Dürren erholen konnten, hat sich die Situation erneut verschärft. Die Regenzeiten im Jahr 2025 blieben in vielen Regionen unzuverlässig oder unzureichend. Das führte erneut zu massiven Ernteausfällen und einer deutlichen Verschlechterung der Weidebedingungen. In einigen Gebieten kam es sogar zu vollständigen Ernteverlusten, sodass viele Haushalte ihre Vorräte frühzeitig aufbrauchen mussten und gezwungen waren, Lebensmittel zuzukaufen.
Trotz Regen keine schnelle Erholung in Sicht
Zwar deuten erste Prognosen darauf hin, dass kommende Regenzeiten wieder durchschnittlich ausfallen könnten, doch die Unsicherheit bleibt hoch. Selbst bei besseren Niederschlägen ist eine schnelle Erholung nicht zu erwarten: Die Ernährungssituation bleibt in vielen Teilen des Landes sehr kritisch und immer mehr Menschen sind von akutem Hunger betroffen.
Günstige Klima- und Vegetationsbedingungen fördern die Vermehrung und Ausbreitung von Wüstenheuschrecken. Eine weitere Herausforderung für die pflanzliche Produktion und die Weidevegetation.
Um Wasser für sich und ihr Vieh zu finden, müssen viele Äthiopier*innen weite Strecken zu Fuß laufen. Kinder sind ebenfalls gezwungen zu helfen und können teilweise nicht mehr in die Schule gehen. Hinzu kommt der Hunger, der vor allem bei Kindern zu Unter- und Mangelernährung führt. Wenn es regnet, ist der Boden teilweise so ausgetrocknet, dass er den Regen nicht aufnehmen kann. So kann es in den Regionen, wo Dürre in Ostafrika herrscht, zu Überschwemmungen oder sogar Überflutungen kommen. Es wird dauern, bis sich Mensch und Natur von der jahrelangen Dürre erholt hat.
Äthiopien ist immer wieder von Hungersnöten bedroht. Bei einer Hungerkrise in den Jahren 1984/1985 kamen fast eine Millionen Menschen ums Leben. Immer wieder wird das Land von schweren Dürren heimgesucht.
Dürre in Äthiopien – vor allem Kinder leiden
Im Welthunger-Index (WHI) belegt Äthiopien Platz 100 von 123, die Hungersituation wird als ernst eingestuft. Vor allem im Norden Äthiopiens, in der Region Tigray, aber auch in den benachbarten Regionen Afar und Amhara, hat der Bürgerkrieg die Hungersituation zusätzlich verschlimmert. Zwar wurde im November 2022 ein Waffenstillstand zwischen der äthiopischen Regierung und der Tigrayan People’s Liberation Front (TPLF) vereinbart. Doch die Ernährungslage bleibt kritisch: In Äthiopien befinden sich rund 20,1 Millionen Menschen in einer Ernährungskrise. Besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Frauen, Kinder, ältere Menschen und Binnenvertriebene sind Opfer der Krise und in ihrem Lebensunterhalt und Überleben stark gefährdet. Viele Kinder unter fünf Jahren leiden an Wachstumsverzögerung.
Viele Kinder kommen zu schwach oder klein auf die Welt und leiden langfristig unter seelischen und körperlichen Einschränkungen durch eine verzögerte Entwicklung. Auch die Bildungsmöglichkeiten sind schlecht. Oft fehlt es den Familien an Geld, um ihre Kinder in die Schule zu schicken. Zudem gibt es zu wenig Schulen und Lehrer*innen. Circa die Hälfte der Mädchen und Jungen schließt nicht einmal die Grundschule ab. Viele Kinder müssen stattdessen schwere körperliche Arbeit verrichten. Ebenso kommt es bei jungen Mädchen oft zu Zwangsheiraten mit wohlhabenden Männern.
Wenn Familien vor Dürre oder Konflikten flüchten, sind Zufluchtsorte wie Flüchtlingscamps meist überfüllt und oftmals nicht sicher. Es besteht die Gefahr, dass es zu Übergriffen kommt – vor allem gegenüber Kindern.
Bis zum Jahr 2050 könnte es über 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben. Der Grund: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen sind so gravierend, dass sie keine andere Perspektive mehr sehen.
Verlust der Existenz – Flucht vor dem Klima & Konflikten
Die Menschen in Äthiopien haben mit weiteren, sich überlagernden Katastrophen zu kämpfen: Durch Heuschreckenplagen, die Covid-19-Pandemie oder gewaltsame Konflikte ist die Mehrzahl der Äthiopier*innen immer weiter in eine aussichtlose Situation geraten, die kein Ende zu nehmen scheint. Millionen Menschen leiden aufgrund von Ernte- und Einkommensverlusten an Nahrungsmittelknappheit und Hunger, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen oder müssen vor Gewalt und Konflikten flüchten. Nach UN-Angaben gibt es circa 3,3 Millionen Binnenflüchtlinge (Stand 2025). Viele suchen Zuflucht in städtischen Gebieten und leben in überfüllten Siedlungen.
Vor allem durch den Klimawandel, der immer stärkere und häufigere Extremwetterereignisse wie die aktuelle Dürre verursacht, sind Millionen Menschen – sogenannte Klimaflüchtlinge – auf der Flucht, überwiegend im eigenen Land. Der Verlust von natürlichen Ressourcen wie zum Beispiel Wasser oder Weideland verschärft Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen oder Viehhalter*innen, da sie für ihre Nutztiere neues Weideland und Wasserquellen aufsuchen müssen.
Klimaflucht führt zu Hunger und Gewalt. In vielen Nachbarländern ist die Ernährungssituation oft bereits vor Ankunft der Klimaflüchtlinge schlecht und wird durch die Herausforderungen der Flüchtlingsaufnahme zusätzlich verschärft. Es kommt zu Versorgungsengpässen und neuen Konflikten. Die Risiken für Klimaflüchtlinge sind vielfältig: wirtschaftliche Not, aber auch Ausgrenzung, Marginalisierung, geschlechtsspezifische Gewalt, Ausbruch von Krankheiten oder fehlender Zugang zu Bildung oder Dienstleistungen sind Folgen der Flucht.
Dürre in Äthiopien eindämmen und bei Hungersnöten unterstützen – So hilft die Welthungerhilfe
Mit unseren Nothilfemaßnahmen unterstützen wir dort, wo Hilfe am dringendsten notwendig ist:
- Bargeldhilfe: Rund 800 Haushalte erhalten Bargeld (in zwei Runden), um grundlegende Bedürfnisse wie Lebensmittel, Medikamente, Schulgebühren oder Transport zu bezahlen.
- Schutz der Lebensgrundlagen: Etwa 400 Haushalte werden durch Tierfutter und tierärztliche Versorgung unterstützt. Lokale Veterinärdienste behandeln und impfen Tiere, um deren Überlebensrate und Produktivität zu verbessern.
- Wasserversorgung: Rund 2.000 Haushalte erhalten Unterstützung durch Wassertransporte, um die akute Wasserknappheit für Menschen und Tiere zu überbrücken.
Damit unsere Hilfe die Menschen bestmöglich erreicht, setzen wir zusätzlich auf:
- Koordinierung der Hilfe: Wir arbeiten eng mit Behörden, Partnerorganisationen und Hilfsnetzwerken zusammen, um Maßnahmen besser abzustimmen und möglichst viele Menschen zu erreichen.
- Einbindung lokaler Gemeinschaften: Wir beziehen Gemeinden aktiv in die Planung und Umsetzung unserer Projekte ein, damit die Hilfe an ihre Bedürfnisse angepasst ist und langfristig wirkt.
- Stärkung lokaler Strukturen: Wir unterstützen lokale Institutionen und Gemeinschaften durch Schulungen, damit sie besser auf zukünftige Krisen vorbereitet sind.
- Ganzheitlicher Ansatz: Wir verbinden unsere Hilfe in den Bereichen Ernährung, Wasser, Gesundheit und Existenzsicherung, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen gleichzeitig zu adressieren.
Äthiopien: Langfristige Hilfe um dem Teufelskreis aus Dürre, Hunger und Armut zu entkommen
Wir helfen den Menschen dabei, mit den klimatischen Bedingungen besser umgehen zu können. Neue Techniken und Maßnahmen sind notwendig, um zum Beispiel die Produktion von Nahrungsmitteln auch unter erschwerten Bedingungen zu sichern. Um auf die Klimakrise und die veränderten Klimabedingungen reagieren zu können, nehmen die Menschen an Schulungen teil, in denen Sie zum Beispiel optimierte Anbaumethoden mit widerstandsfähigem Saatgut erlernen oder wie man Auffangbecken für Regenwasser anlegt.
Wetterextreme in Äthiopien: Weitere Hilfe & Maßnahmen der Welthungerhilfe
- Frühwarnsysteme sichern die Ernten der Äthiopier*innen bei Dürren und Überschwemmungen.
- Landwirt*innen können mit Hilfe moderner Anbaumethoden und Saatgut auf den Klimawandel reagieren. In Schulungen lernen sie, wie die Böden geschont werden und wie sie höhere Erträge erzielen.
- Wir fördern Techniken zur Boden- und Wasserkonservierung zur Sicherung der Ernten von Bäuer*innen auch in trockeneren Zeiten.
- Für die Stärkung der Frauen fördert die Welthungerhilfe mit Bildungsangeboten, um Benachteiligungen strukturell aufzubrechen.
- Die Entwicklung der Nahrungsmittel-Produktion analysieren wir mit unseren Partnern. Verändert sich die Marktlage, reagieren wir entsprechend.
Mit Ihrer Spende für Äthiopien ermöglichen Sie akute Dürre-Nothilfe. Außerdem unterstützen Sie, die Menschen in Äthiopien dabei, sich besser auf zukünftige Katastrophen vorzubereiten und Perspektiven zu schaffen.
So können Sie helfen
168€... ermöglichen z.B. drei Familien den Kauf von Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Pflanzenöl oder Zucker.
69€... kostet z.B. die monatliche Trinkwasserversorgung von 500 Haushalten in den Regionen Dillo und Moyale.
39€... finanzieren beispielsweise 3,5 kg Tierfutter. Davon kann ein Tier einen Monat lang leben.
Geprüft und ausgezeichnet
Die Welthungerhilfe steht für Transparenz und Qualität, für sparsamen und zielgerichteten Einsatz der Spenden und verifizierte Informationen. Aus diesem Grund hat uns das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) mit dem Spendensiegel ausgezeichnet.
Auch darüber hinaus legen wir größten Wert auf Wirtschaftlichkeit und Transparenz. So zeigt unser Jahresbericht detailliert, wofür sämtliche Spendengelder eingesetzt werden und vermittelt einen direkten Einblick in unsere Arbeit. Im Rahmen der „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“ legen wir weitere Informationen offen, wie unsere vollständige Satzung, die Namen und Funktionen wesentlicher Entscheidungsträger, unsere Personalstruktur und vieles mehr.
Wir setzen Ihre Spende gezielt und mit großer Verantwortung ein. Sollten wir für ein Projekt mehr Spenden als benötigt erhalten, werden andere Projekte der Welthungerhilfe gefördert, die einer Finanzierung bedürfen.
Transparenz & Qualität

Die Welthungerhilfe legt größten Wert auf einen transparenten und verantwortungsvollen Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln. Dafür erhalten wir jährlich das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI).
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