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Welthunger-Index

Wie steht es um die Hungersituation weltweit? Wurden Fortschritte erzielt oder sind Rückschläge zu verzeichnen? Mit dem Welthunger-Index lässt sich die globale Hungersituation berechnen und bewerten.

Miriam Wiemers Team Politik und Außenbeziehungen

Der Welthunger-Index (WHI, auf Englisch: Global Hunger Index, GHI) misst und vergleicht jährlich die Ausprägung von Hunger und Unterernährung in der Welt, verschiedenen Regionen und einzelnen Ländern. Er soll zu einer stärkeren Wahrnehmung und einem besseren Verständnis des Kampfes gegen den Hunger führen und lenkt die Aufmerksamkeit auf jene Weltregionen, in denen zusätzliche Ressourcen am dringendsten benötigt werden, um den Hunger zu beenden.

Welthunger-Index 2021: Rückschritte bei Hungerbekämpfung

Konflikte und Klimawandel führen zu deutlichen Rückschritten bei der Hungerbekämpfung.

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Welthunger-Index 2021: Fortschritte und Rückschritte

Der Welthunger-Index 2021 zeigt eine besorgniserregende Hungersituation auf, die aus dem verheerenden Wirkungsgefüge von Klimakrise, Corona-Pandemie und immer schwereren und langwierigeren Konflikten entsteht. Frühere Fortschritte in der Hungerbekämpfung wurden verlangsamt oder gar umgekehrt. Zwar ist der Hunger in der Welt seit dem Jahr 2000 lange Zeit zurückgegangen – doch in vielen Ländern stagniert der Fortschritt Richtung Zero Hunger oder hat sogar Rückschläge verzeichnet. Seit 2012 hat sich die Hungersituation in zehn Ländern mit mäßigen, ernsten oder sehr ernsten Hungerwerten verschlechtert, in manchen Fällen infolge ausbleibender Fortschritte, in anderen durch eine Verschlimmerung einer ohnehin prekären Situation. 14 Länder haben indes signifikante Verbesserungen ihrer jeweiligen Hungersituationen erreicht.

Frontseite des Welthunger-Index 2021. Welthunger-Index 2021

Bericht, Kurzfassung, Factsheet: Alle Publikationen zum WHI 2021 herunterladen oder als Print-Version bestellen.

Der weltweite Hunger, repräsentiert durch einen Welthunger-Index-Wert von 17,9, liegt in der Kategorie mäßig. Vor 20 Jahren noch war die globale Hungersituation mit einem Wert von 28,0 als ernst eingestuft. Weltweit leiden jedoch immer noch zu viele Menschen an Hunger und tatsächlich steigt die weltweite Verbreitung von Unterernährung, einem der vier Indikatoren des WHI, nach Jahrzehnten des Rückgangs wieder. Diese Entwicklung könnte ein Vorzeichen dafür sein, dass sich auch andere Hungerindikatoren umkehren. Auch bei den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zur Kinderernährung hinken wir weit hinterher. Die meisten Länder sind nicht auf Kurs, ihre Ziele in der Senkung von Auszehrung (ein Zeichen akuter Unterernährung), Wachstumsverzögerung (ein Zeichen chronischer Unterernährung) und Kindersterblichkeit unter fünf Jahren bis 2030 zu erreichen.

Krisen, Konflikte und Klimawandel machen Zero Hunger unwahrscheinlich

Der Welthunger-Index 2021 zeigt, dass 47 Länder auf Grundlage ihrer jüngsten Entwicklungen bis 2030 wahrscheinlich nicht einmal niedrige Hungerwerte erreichen werden. Mehr als die Hälfte der unterernährten Menschen lebt in Ländern, die von Konflikten, Gewalt oder fragiler Staatlichkeit betroffen sind. In acht von zehn Ländern mit sehr ernsten oder gravierenden Hungerniveaus tragen Konflikte maßgeblich zum Hunger bei. Konflikte sind vor allem für Kinder verheerend und treiben Unterernährung und Kindersterblichkeit in die Höhe. Außerdem können sie durch die negativen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion Ernährungsunsicherheit verschärfen. Zugleich kann eine erhöhte Ernährungsunsicherheit wiederum zu gewaltsamen Konflikten beitragen.

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Auch die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher und verschärfen die Ernährungsunsicherheit durch höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse. Und die COVID-19-Pandemie hat offengelegt, wie anfällig wir für eine globale Infektionsverbreitung und die damit verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen sind. Ende 2020 litten bis zu 811 Millionen Menschen unter chronischem Hunger, weitere 155 Millionen Menschen waren von einer akuten Ernährungskrise betroffen. Diese Entwicklung ist vor allem deshalb besorgniserregend, da wir einen Zuwachs beobachten, ohne dass die Auswirkungen der Pandemie in vollem Umfang in die Datenerfassung einfließen konnten. In Zukunft ist daher ein weiterer Hungeranstieg zu erwarten.

Hunger und Ernährungssysteme in Konfliktgebieten

Vor dem Hintergrund des UN-Gipfels zu Ernährungssystemen 2021 ergründet der WHI eine der zentralen politischen Fragen dieses Jahres: Wie lässt sich eine entscheidende Veränderung für die Millionen von Menschen, die unter den verheerenden Auswirkungen von Konflikten und Klimakrise leiden, herbeiführen?

Ein Kind hält ein Brotfladen über dem Kopf und lächelt in die Kamera. Website des Welthunger-Index

Alle aktuellen Zahlen, eine interaktive Karte sowie alle WHI-Berichte der letzten Jahre.

Gewaltsame Konflikte sind die Hauptursache für Ernährungskrisen. Sie beeinträchtigen fast jeden Bereich von Ernährungssystemen – vom Anbau über die Ernte, die Verarbeitung und den Transport bis hin zur Versorgung mit Betriebsmitteln, Finanzierung, Vermarktung und zum Konsum. In vielen Fällen überschneiden sich die Folgen von Konflikt und Klimawandel und verschärfen die Risiken für Gemeinden. Bei der Schaffung resilienter Ernährungssysteme muss Friedensförderung integriert werden und umgekehrt. Außerdem müssen Konflikte durch politisches Handeln sowie gesellschaftliche Veränderungen gelöst und die Rechenschaftspflicht bei Verstößen gegen das Recht auf Nahrung auch in Konfliktsituationen sichergestellt werden. Am dringendsten benötigen wir globale Solidarität, um auf die aktuelle Pandemie und zukünftige globale Krisen angemessen zu reagieren und sie zu überwinden.

Wo ist der Hunger am größten? 

Der diesjährige Welthunger-Index veranschaulicht, dass die Hungersituation in vielen Staaten noch immer dringend Aufmerksamkeit benötigt.

Dem WHI 2021 zufolge befindet sich ein Land – Somalia – in einer gravierenden Hungersituation. In den fünf Ländern Zentralafrikanische Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Madagaskar und Jemen ist die Hungersituation sehr ernst.  In einigen Ländern liegen nicht ausreichend Daten vor, um einen WHI-Wert zu berechnen. Doch auf Basis bekannter Daten wurden vier weitere Länder – Burundi, Komoren, Südsudan und Syrien – vorläufig als sehr ernst bewertet.

In 8 der 10 am stärksten von Hunger betroffenen Länder tragen Konflikte maßgeblich zur Verschärfung von Hunger bei. © Welthungerhilfe
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Welthunger-Index 2021: Die analysierten Länder können in Kategorien einsortiert werden, je nachdem, ob die Hungersituation gravierend, sehr ernst, ernst, mäßig oder gering ist. © Welthungerhilfe
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Welthunger-Index 2021, WHI-Wert nach Regionen: In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Südasien ist die Hungersituation am schlimmsten. © Welthungerhilfe
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Wie müssen die Regierungen jetzt handeln? © Welthungerhilfe
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Wie wird der Welthunger-Index berechnet? 

Die Hungersituation in den untersuchten Ländern wird anhand von vier Indikatoren als gravierend, sehr ernst, ernst, mäßig oder niedrig eingestuft. Je höher der Wert, desto stärker der Hunger im jeweiligen Land. 

Die 4 Indikatoren des Welthunger-Index

Der Bericht wird gemeinsam von der Welthungerhilfe und dem Alliance2015-Partner Concern Worldwide herausgegeben.

Digitale Pressemappe Welthunger-Index 2021

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Schwerpunkt 2021: Konflikte und Hunger

Die Autor*innen des Welthunger-Index-Essays Dan Smith (Director SIPRI) und Caroline Delgado (Senior Researcher & Program Director SIPRI) erläutern, wie Hunger und Konflikte zusammenhängen und wie ihnen entgegengewirkt werden kann.

Letzte Aktualisierung 26.11.2021

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