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Angebot auf einem Markt in Äthiopien, 2016.

Ernährungssysteme: Hungrig nach Wandel

Unser Ernährungssystem muss von Grund auf erneuert werden

Lisa Maria Klaus Policy and External Relations

Unser weltweites Ernährungssystem (Food System) ist weder gerecht noch nachhaltig oder krisenfest. Das verdeutlichen u.a. die steigenden Hungerzahlen infolge der Corona-Pandemie und Klimakrise. Das Paradoxe daran: Weltweit werden mehr Lebensmittel produziert als je zuvor. Doch nur wer Geld hat oder selbst ausreichend Nahrungsmittel produziert, kann sich gesunde Lebensmittel leisten. Alle anderen Menschen hungern oder ernähren sich schlecht. Bis zu 811 Millionen Männer, Frauen und Kinder hungern weltweit. Drei Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten. Ein Viertel der Weltbevölkerung ist übergewichtig – und täglich werden es mehr, mit schweren Folgen für die Gesundheitssysteme.

Verkauf auf einem Markt im Kongo: Frauen halten Tabletts mit Obst in die Höhe. Oben rechts ist das "Kompass 2021"-Logo. Gerechte Ernährungs­systeme

Eine fundamentale Transformation ist erforderlich, damit unser Ernährungs­system gerecht und nachhaltig wird.

Der Weg der nicht nachhaltig produzierten Lebensmitteln vom Acker bis auf den Teller schadet massiv der Umwelt, verursacht ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen, beschleunigt den Verlust der Artenvielfalt und treibt so die Klimakrise voran. Um Fehler in unserem Ernährungssystem und damit den Welthunger zu beseitigen, müssen sich unsere Ernährungssysteme grundlegend ändern. Hierbei geht es weniger um technische Lösungen als um strukturelle Veränderungen. Auch die Privatwirtschaft ist verpflichtet, aktiv zur Bekämpfung von Armut und Fehlernährung sowie zum Schutz der Umwelt beizutragen.

Was ist ein Ernährungssystem?

Ernährungssysteme sind komplex: Sie umfassen den Weg der Lebensmittelherstellung vom Feld bis hin zu den Mahlzeiten, die wir täglich zu uns nehmen. Dabei geht es um vier Bereiche:

Wie diese unterschiedlichen Bereiche im Detail funktionieren, hängt jeweils von politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Rahmenbedingungen ab. Sie entscheiden auch darüber, ob Produktionsrisiken in der gesamtem Lieferkette fair verteilt werden. Ein gerechtes, nachhaltiges und krisenfestes Ernährungssystem nimmt die gesamten Abläufe in den Blick und sorgt dafür, dass das Menschenrecht auf Nahrung für alle Menschen weltweit umgesetzt wird.

Infografik Food system, WHH.
Unser Enährungssystem umfasst die verschiedensten Elemente – einschließlich der Akteure und Aktivitäten –, die sich auf die Produktion, die Verarbeitung, den Vertrieb, die Zubereitung, den Verzehr und das Wegwerfen von Lebensmitteln beziehen. © Lisa Schmidt

Eine genauere Erläuterung der Grafik finden Sie im Artikel "Unser Ernährungssystem läuft nicht rund" des Fachjournals Welternährung.

Frau bei der Ernte Gesunde Nahrung ist ein Menschenrecht

Die globale Landwirtschaft produziert genug Nahrung für alle, doch die ist extrem ungleich verteilt.

Es gibt ein Menschenrecht auf Nahrung

Jeder Mensch hat das Recht auf angemessene, ausreichende und gesunde Nahrung – so steht es in der Menschenrechtserklärung von 1948 und in Artikel 11 des UN-Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. 162 Staaten haben sich völkerrechtlich dazu verpflichtet, das Menschenrecht auf Nahrung zu achten, zu schützen und zu gewährleisten; ärmere Länder im Globalen Süden ebenso wie Industriestaaten. Die Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels Zero Hunger bis 2030 der Vereinten Nationen ist also in erster Linie eine Frage des politischen Willens.

Projekte der Welthungerhilfe

Wie engagiert sich die Welthungerhilfe für ein gerechtes Ernährungssystem?

Teaserbild Policy Brief Hungrig nach Wandel Hungrig nach Wandel

Forderungen der Welthungerhilfe an die Bundesregierung im Hinblick auf den UN-Gipfel zu Ernährungssystemen.

Um ungerechte und nicht nachhaltige Strukturen im weltweiten Ernährungssystem zu überwinden und so das Ziel Zero Hunger bis 2030 zu erreichen, fordert die Welthungerhilfe einen grundlegenden Systemwechsel auf allen Ebenen. In eigenen Programmen und Projekten stärkt sie die bäuerliche, standortgerechte Landwirtschaft. Zusammen mit ihren Partnern unterstützt sie zivilgesellschaftliche Organisationen, damit diese sich für die Verwirklichung des Menschenrechts auf Nahrung in ihren Ländern einsetzen können. Regionale Verwaltungen sowie Regierungen sollen bei der Umsetzung in die Pflicht genommen werden. Und es gibt erste Erfolge: In Peru und Bolivien gelten inzwischen rechtliche Rahmenbedingungen, die die nachhaltige Produktion gesunder Lebensmittel fördern sollen. Dazu gehören zum Beispiel Zertifizierungsverfahren für offizielle Bio-Label.

In Deutschland und Europa engagiert sich die Welthungerhilfe für nachhaltige Ernährungssysteme sowie nachhaltigen Konsum.

Quellen und weiterführende Informationen: