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Flüchtlinge der Rohingya in Cox's Bazar, Bangladesch, 2018.

Flucht und Migration

Flucht und Migration von Menschen: Kaum ein Thema spaltet die Gesellschaft derartig wie das der Zuwanderung. Wir erleben emotional aufgeladene Diskussionen über Sicherheitsfragen, ethische Aspekte oder kulturelle Streitpunkte. Die Menschen zeigen sich dabei entweder solidarisch mit Flüchtlingen und Migrant*innen oder haben Ängste, Vorurteile und Hass. 

Fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht

Ein Mensch, der seine Heimat verlässt, hat in der Regel keine Zukunftsperspektiven oder befindet sich in einer lebensbedrohlichen Lage. Letzteres hat dafür gesorgt, dass laut aktuellem UN-Flüchtlingslingsbericht weltweit etwa 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Die meisten davon, ca. 45,7 Millionen sind Binnenvertriebene und finden Zuflucht in einem anderen Teil ihres Heimatlandes. 29,6 Millionen dieser Menschen verließen bei ihrer Flucht ihr Heimatland. 

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Die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hat uns gezeigt, welche Herausforderungen wir als Gesellschaft bewältigen müssen. Die Integration Geflüchteter aus anderen Kulturkreisen ist keine leichte Aufgabe und darf nicht an Wichtigkeit verlieren. Zudem muss unbedingt mehr gegen Fluchtursachen unternommen werden. Menschen müssen in ihren Ländern Lebensverhältnisse vorfinden, die sie nicht zu Flüchtlingen oder Migrant*innen machen.

Flüchtlinge der Rohingya aus Myanmar überqueren die Grenze nach Bangladesch. Ihr Hab und Gut tragen sie dabei auf ihren Schultern.
Flüchtlinge der Rohingya aus Myanmar überqueren die Grenze nach Bangladesch. Ihr Hab und Gut tragen sie dabei auf ihren Schultern. © Daniel Pilar/Welthungerhilfe
Flucht und Migration - ein und dasselbe?

Die Begriffe Flucht und Migration, beziehungsweise Flüchtling und Migrant*in, werden oftmals synonym verwendet. Jedoch gibt es wichtige begriffliche Unterschiede.

Migration: Von Migration ist die Rede, wenn Menschen aufgrund von bspw. Perspektivlosigkeit ihre Heimat verlassen, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Im Kontext von Flucht ist es wichtig, zwischen selbstgewählter und erzwungener Migration - also Vertreibung - zu unterscheiden. 

Flucht: Bei der Flucht handelt es sich um eine Form der Migration, bei der Menschen vor bewaffneten Konflikten oder Verfolgung fliehen. Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert sie als Menschen, die “aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung” ihre Heimat verlassen.

Warum verlassen Menschen ihre Heimat?

Die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Ein kleiner Teil kommt bis nach Europa, rund 40 Millionen andere bewegen sich innerhalb der eigenen Landesgrenze. Doch was sind die Ursachen für Flucht und Migration?

Verfolgung aufgrund bestimmter Merkmale

Verfolgung ist der häufigste Grund, warum Menschen die Flucht antreten. Sie fliehen vor Gewalt, die ihnen aufgrund ihrer Religion, Hautfarbe, sexuellen Gesinnung, politischen Einstellung oder Nationalität droht. Religionsflüchtlinge gibt es überall auf der Welt: von den in Myanmar verfolgten Muslim*innen über die Christ*innen in der Zentralafrikanischen Republik bis hin zu den Hindus in Pakistan.

Factsheet: Syrien

Der bewaffnete Konflikt in Syrien dauert nun seit über acht Jahren, mit katastrophalen Folgen für die wirtschaftliche und soziale Situation im Land.

Krieg

Bewaffnete Konflikte führen unweigerlich dazu, dass Menschen fliehen, um ihr eigenes Leben zu retten. Kriege sind für die meisten Flüchtlinge in der Geschichte der Menschheit verantwortlich.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat über 12 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Rund 6,7 Millionen Syrer*innen mussten ihr Land verlassen, während die anderen Geflüchteten innerhalb der Landesgrenzen flohen.

Doch auch vor Syrien flohen die Flüchtlinge vor den Kriegen im Irak und in Afghanistan in den frühen 1980er, 90er und 2000er-Jahren. Vor allem Afghanistan hatte zwischen 1981 und 2013 mehr als zwei Jahrzehnte lang die meisten Flüchtlinge aller Länder der Welt.

Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit

Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit sind Faktoren dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Im alltäglichen Sprachjargon ist oftmals von “Wirtschaftsflüchtlingen” die Rede - ein meist abwertend gebrauchter Begriff.

Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels könnten bis 2050 für über 140 Millionen Klimaflüchtlinge sorgen. Ob steigende Meeresspiegel, zunehmende Wetterextreme oder die Veränderung von Ökosystemen: Schon heute beobachten wir gravierende Auswirkungen auf die Lebensgrundlage vieler Menschen. Der Klimawandel steht in direktem Zusammenhang mit Armut und Hunger, fördert jedoch indirekt auch neue und bereits bestehende Konflikte.

Wie hängen Klima und Flucht zusammen? Diese Grafik verdeutlicht es. © Welthungerhilfe

Offiziell ist der Klimawandel noch kein gültiger Grund für einen Asylantrag. Im Jahr 2013 wurde der erste Asylantrag für Klimawandel-Flüchtlinge vom neuseeländischen Obersten Gerichtshof abgelehnt, als ein Mann aus Kiribati versuchte, diesen Status gesetzlich zu beanspruchen.

Positionen und Forderungen der Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe verfügt über jahrzehntelange Erfahrung bei der Versorgung von Flüchtlingen und Migrant*innen. Diese Expertise ermöglicht es uns, aktuelle Vorschläge in die internationale Debatte einzubringen, die sowohl fundamental als auch lösungsorientiert sind. Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit verfügen über das Potenzial Großes zu leisten, Fluchtursachen zu bekämpfen und neue Perspektiven für Geflüchtete zu schaffen. Es braucht eine Veränderung im Umgang mit diesen Menschen.

Fluchtursachen bekämpfen

Wenn Menschen in ihren Ländern keine Perspektive mehr sehen, unter Hunger und Armut leiden oder ihr Leben durch Kriege bedroht ist, kommt es unweigerlich zu Flucht und Migration. Damit diese Menschen ein stabiles Leben in ihrer Heimat führen können, benötigen sie oftmals Hilfe von außen. Unsere Arbeit hat gezeigt, dass Projekte zur gesellschaftlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung sowie Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels Grundlagen dafür schaffen, dass Menschen widerstandsfähiger werden und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Hier appellieren wir an die Politik, stärker mit diplomatischen Mitteln Konflikten vorzubeugen und friedliche Lösungen zu finden.

Herkunftsländer und Nachbarstaaten stärker unterstützen

Die meisten Geflüchteten werden in anderen Regionen ihrer Heimat oder in angrenzenden Nachbarländern aufgenommen. Dies geschieht meistens in Afrika und Asien. Ärmere Länder gelangen dadurch schnell an kapazitive Grenzen. Gleichzeitig ist die internationale Flüchtlingshilfe noch immer stark unterfinanziert. Um “verlorene Generationen” von Flüchtlingen zu verhindern, braucht es neue und innovative Ansätze sowie eine stärkere finanzielle Förderung. Versorgungsleistungen gehen über Unterbringung und Ernährung hinaus und müssen auch weiterführende Leistungen wie Bildung, Zugang zum Arbeitsmarkt, Rechtsberatung oder psychosoziale Betreuung als Unterstützung beinhalten.

Integration erleichtern und neues Konzept zur Migration entwickeln

In Deutschland und der EU gibt es kein ausgereiftes migrationspolitisches Konzept, das über kurzfristige Lösungen hinausgeht. Des Weiteren ziehen nicht alle EU-Staaten an einem Strang - zulasten der Geflüchteten. Es braucht einen fairen Interessenausgleich zwischen Migrant*innen, Herkunfts- und Aufnahmeländern. Dazu müssen unbedingt Rechte der Migrant*innen sichergestellt werden, um Ausbeutung oder Diskriminierung zu verhindern.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe müssen Hand in Hand arbeiten

Während die humanitäre Hilfe als Soforthilfe akute Krisen lindert und Menschen im Notfall versorgt, können Krisen und Notlagen durch Entwicklungszusammenarbeit vorgebeut werden. Es besteht noch ein wesentlicher Handlungsbedarf, um beide Herangehensweisen miteinander zu verbinden. Wie kann man Flüchtlinge so unterstützen, dass sie sich möglichst schnell selbst helfen können? Dabei müssen Bemühungen für eine bessere Verbindung der Herangehensweisen auch die Regierung der Herkunftsländer stärker mit in die Pflicht nehmen.

Es muss in enger Zusammenarbeit eine gemeinsame, europäische Lösung gefunden werden. Wichtige Punkte sind: