Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

loading
Eine Mutter füttert ihr Kind, Mali, 2008.

Kinder und Hunger: Eine weltweite Tragödie

2020: Seit Ausbruch von COVID-19 dreht sich weltweit alles um die Corona-Pandemie. Um den richtigen Umgang mit der Pandemie. Um deren Bekämpfung. Eine andere stille Tragödie rückt dabei immer mehr in den Hintergrund. Eine Tragödie, die nicht erst seit diesem Jahr existiert, sondern täglicher Begleiter von rund 690 Millionen Menschen ist. Es handelt sich nicht um eine Krankheit, sondern um den weltweiten Hunger und die damit zusammenhängenden gravierenden Folgen. 

Kinder sind als erstes von den Folgen des Hungers betroffen. Weltweit stirbt alle zehn Sekunden ein Kind unter fünf Jahren durch Mangelernährung. Insgesamt sind schätzungsweise 144 Millionen Kinder chronisch unterernährt oder ausgezehrt. Das sind traurige Zahlen, besonders wenn man sich vor Augen führt, dass wir weltweit so viele Lebensmittel produzieren, mit denen wir zwölf Milliarden Menschen sattbekommen würden. Trotzdem müssen sehr viele Kinder Hunger leiden. Kinder werden zwar durch COVID-19 seltener schwer krank, dafür trifft sie Hunger umso härter. Eine Tragödie, die durch das Coronavirus noch weiter verschärft wird. 

Warum Kinder Hunger leiden 

Die Gründe, warum Kinder hungern, sind unterschiedlich. Die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern schwankt oft aufgrund struktureller und andauernder Missstände oder plötzlich auftauchender Ereignisse wie zum Beispiel die Corona-Pandemie oder Hungersnöte. Es lassen sich jedoch drei wesentliche Gründe für Hungerkrisen und den Welthunger identifizieren:

Naturkatastrophen oder Wetterextreme wie Dürren, Überschwemmungen oder schwere Tropenstürme, die besonders in den ärmsten Ländern der Welt immer wieder immense Schäden anrichten und Ernten vernichten. Solche Wetterextreme haben sich durch den Klimawandel weiter verschärft. Den betroffenen Menschen fehlt es in der Regel an beständiger Infrastruktur oder nötigen Lebensmittelreserven, so dass viele Familien diesen Naturphänomenen schutzlos ausgeliefert sind. 

Kongo, Nordosten, Ituri Kongo northeast Ituri Hunger

Was ist Hunger? Welche Folgen hat Unterernährung? Wo herrscht am meisten Hunger?

Armut ist einer der wichtigsten Gründe für Hunger. Armut und Hunger bedingen sich gegenseitig und treiben einen Teufelskreis aus Not und Elend an, der für viele Menschen schwer zu brechen ist. In Armut zu leben bedeutet, dass es keinen ausreichenden Zugang gibt zu:

Wer in Armut lebt, hat  große Schwierigkeiten sich und die Familie zu versorgen. Vor allem Fehlernährung spielt in diesem Teufelskreis aus Not und Elend eine entscheidende Rolle. Wer schlecht oder unzureichend ernährt ist, hat ein schwächeres Immunsystem und ist anfälliger für Erkrankungen, wie zum Beispiel COVID-19. Schwächere Bevölkerungsgruppen, dazu gehören immer Kinder, sind generell anfälliger für Krankheiten und ernährungsbezogene Leiden. Dabei ist auch maßgeblich, ob eine gesunde Ernährung möglich ist und wie die Situation einer medizinischen Versorgung aussieht. Fehlernährung ist noch immer die häufigste Ursache für Tod und Krankheiten weltweit, so ein Ergebnis des Global Nutrition Report 2020.

Ein dritter wichtiger Grund für Hunger sind Kriege und bewaffnete Konflikte. Kämpfe zerstören die Infrastruktur und treiben Familien in die Flucht. Lebensmittelpreise steigen ins Unermessliche und oft gelangt keine Hilfe mehr von außen in die Krisengebiete, was – wie beispielsweise in Syrien und dem Jemen – zu einer drastischen Verschärfung der Hungersituation führt. Für Kinder bedeutet das oft doppeltes Leid durch Hunger, und die Strapazen der Flucht oder der Verlust eines oder beider Elternteile durch den Krieg. 

Die Corona-Pandemie lässt auch die Fallzahlen hungernder Kinder steigen 

Die Corona-Krise bedroht viele Kinder. Sowohl das Virus selbst als auch die damit einhergehenden Beschränkungen können zum Hungertod von mehr als 10.000 Kindern pro Monat führen. Bis Ende 2020 leiden laut Schätzungen bis sieben Millionen Kinder unter schwerwiegender Mangelernährung.

Kinder teilen sich Reis von einem Teller in Somaliland, 2018.
Hungersnot in Somaliland durch Dürre: Kinder teilen sich Reis von einem Teller, 2018. © Welthungerhilfe

Hunger trifft Kinder besonders hart 

Kinder sind vor allem deswegen stark durch Hunger gefährdet, weil sie sich, im Gegensatz zu erwachsenen Menschen, noch im Wachstum befinden. Das Fehlen von Nahrung im Kindesalter kann dieses Wachstum nicht nur verzögern, sondern in der Folge zu einer Reihe an irreversiblen gesundheitlichen Schäden führen.

Satt zu werden durch Mais-, Hirse- oder Reisbrei reicht nicht aus, da nicht genügend hochwertige Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe enthalten sind, die für eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Heranwachsen notwendig sind. Einerseits kann sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung zurückbleiben, andererseits können schwerwiegende Krankheiten auftreten.

Ein dauerhafter Vitaminmangel kann beispielsweise zu Blindheit führen. Eine ausreichende und ausgewogene Ernährung in den ersten 1.000 Tagen nach der Geburt eines Kindes sind entscheidend, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Viele Kinder in der Klasse meines Sohnes erschienen nicht zum Unterricht. Sie waren einfach zu schwach.

Dorothy Mulamba, Malawi Jahrelang musste sie mit ansehen wie ihr Sohn und weitere Kinder an Hunger litten. Heute besuchen diese Kinder eine Grundschule, die am Hilfsprojekt der Welthungerhilfe teilnimmt.

Während sich ausgewachsene Menschen von den Strapazen einer Unterernährung durchaus wieder erholen können, sind Kinder oft ein Leben lang durch die Folgen der nährstoffarmen Mangelernährung gezeichnet. Vor allem dann, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird. Oft kommt jede Hilfe zu spät. Die führt zu einer hohen Kindersterblichkeitsrate: Im Jahr 2018 sind 5,3 Millionen Kinder noch vor ihrem fünften Geburtstag aufgrund von Unterernährung verstorben. 

Wo Kinder am häufigsten von Hunger betroffen sind 

Der Welthungerindex (WHI) berechnet jedes Jahr den Schweregrad der Hungersituation in betroffenen Ländern. Aufgrund der erhobenen Daten wird jedes Land in eine Kategorie eingeordnet:

Karte Welthunger-Index 2020: Verteilung des Hungers weltweit Welthunger-Index

Der Welthunger-Index berechnet und bewertet die globale Hungersituation.

Drei wichtige Indikatoren im WHI sind die Auszehrung und Wachstumsverzögerung bei Kindern, sowie die Kindersterblichkeitsrate bei Kindern unter 5 Jahren. Der WHI ist damit eine wichtige und zuverlässige Quelle, wenn es um Kinder und Hunger geht.

Laut aktueller Ergebnisse leiden Kinder vermehrt in Entwicklungsländern Subsahara-Afrikas und Südasiens unter Hunger und Mangelernährung. Der WHI bewertet die Situation in Afrika in den Ländern Tschad, Timor-Leste, Madagaskar, Burundi, Zentralafrikanische Republik, Komoren, Demokratische Republik Kongo, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen als sehr ernst. 

Kinderleben retten: Maßnahmen der Welthungerhilfe 

Mangelernährung im Kindesalter muss durch verschiedene Strategien angegangen werden. Sowohl akut und schnell als auch nachhaltig und stetig. In Krisengebieten oder bei einer Hungersnot sichert die Welthungerhilfe die Grundversorgung von Kindern und deren Familien durch die Verteilung von Lebensmitteln, und wenn möglich, durch Saatgut für kleine Küchengärten.

Neben reaktiven Maßnahmen setzt die Welthungerhilfe verstärkt auf Prävention und Hilfe zur Selbsthilfe. Programme zur Katastrophenvorsorge stärken die Widerstandskraft der Menschen und Dorfgemeinschaften in Projektgebieten. So kann den Menschen geholfen werden, im Notfall nicht komplett hilflos ausgeliefert zu sein. Ein weiteres Fundament ist die Stärkung der Zivilgesellschaft durch Projekte zu Bildung, Gleichstellung und wirtschaftlicher Förderung. 

Nutrition Smart Villages: Chronischen Hunger & Unternernährung stoppen

Der Ansatz der Nutrition Smart Villages ist nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe entwickelt worden. Ziele sind unter anderem:

Allerdings passen nicht alle Maßnahmen auf die aktuelle Situation vor Ort. Unterscheiden muss man zwischen kurzfristiger und langfristiger Hilfe. Im akuten Krisenfall, zum Beispiel nach einer Naturkatastrophe, muss schnell und effektiv gehandelt werden. Zeit zum Anlegen von einem Gemüsegarten ist nicht. In der Nothilfe geht es vor allem darum, zu verhindern, dass sich eine ohnehin schon prekäre Ernährungssituation weiter verschlechtert. 

Es gilt den akuten Hunger zu mindern und Auszehrung vor allem bei den Kindern unter 5 Jahren zu vermeiden oder zu vermindern. Langfristig gesehen ist das Ziel der Entwicklungszusammenarbeit, den chronischen Hunger in den Griff zu bekommen. Strukturelle Ursachen müssen aufgedeckt und behoben werden. 

Gegen den Hunger mit LANN+ 

Da Ernährungssicherheit, vor allem für Kinder, nach Ansicht der Welthungerhilfe in der Familie selbst beginnt, wurde das Entwicklungskonzept LANN+ zur integrierten Ernährungssicherheit ins Leben gerufen. Es fördert insbesondere die Schwächsten der Welt. LANN+ steht für "Linking Agriculture and Natural Resource Management towards Nutrition Security" und ist ein ernährungsbasiertes Konzept. Es verbindet die Arbeit in allen wichtigen Sektoren, die für Ernährungssicherheit eine Rolle spielen (Landwirtschaft, Umgang mit natürlichen Ressourcen, Trinkwasser, Hygiene & Sanitation), stimmt diese miteinander ab und integriert sie in ein ganzheitliches Trainingsprogramm.  

Das Ziel von LANN+ ist, Familien dahingehend zu unterstützen, ihr Handeln und Wirtschaften in unterschiedlichen Bereichen auf das Endziel einer gesunden Ernährung auszurichten. Der Fokus liegt hier auf Kindern und vor allem schwangeren Frauen. Denn schon vor der Geburt kann Mangelernährung bei werdenden Müttern zu gesundheitlichen Schäden beim ungeborenen Kind führen. 

Ausgewählte Projekte gegen Hunger

Quellen