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  • Klima & Ressourcen
  • 10/2019
  • Marina Zapf

Essen mit Zukunft: aus der Schieflage der Systeme lernen

Studien dokumentieren weltumspannende Folgen der Plünderung unseres Planeten. Die Welthungerhilfe bietet Unterrichtsmaterialien

Die Menschen in Somaliland kämpfen seit Jahren mit einer Dürre, die einfach nicht enden will. Neue Bewässerungsmethoden ermöglichen zumindest spärliche Ernten.

Unsere Art, Nahrung zu produzieren und zu konsumieren, verlangt der Umwelt massive Kosten ab und schafft es dennoch nicht, alle Menschen angemessen und gesund zu ernähren. Fehlernährung ist eine der häufigsten Todesursachen. Zugleich spielt der Welthandel eine zweischneidige Rolle: Zum einen sind die meisten Länder von Importen abhängig, um wenigstens einen Teil ihres Bedarfs an Nahrungsmitteln zu decken. Andererseits bilden die Preise nicht die wahren Kosten ihrer Herstellung ab, denn die Trends der weltweiten Konsummuster und Landnutzung führen zu Entwaldung, Bodendegradierung, Emission von Treibhausgasen und Verlust der Artenvielfalt.

Wissenschaftler befassen sich vor dem Hintergrund der nachhaltigen Entwicklungsziele zunehmend mit den resultierenden Schieflagen. So wurden auf der Grundlage von Leitlinien des Ernährungsforschers Walter Willett (Harvard University) Vergleiche angestellt zwischen den Lebensmitteln, die wir weltweit produzieren, und der Nahrung, die die Weltbevölkerung idealerweise zu sich nehmen sollte. Demnach bringen wir global das Fünffache an rotem Fleisch in die Kühlhäuser und 50 Prozent mehr an Getreidekörnern und Fisch auf den Markt, als uns guttäte. Dagegen klaffen die größten Lücken zu einer gesunden Ernährung bei Nüssen und Samenfrüchten, Obst, Milch und Gemüse.

Je nach Land und Region sind diese Kontraste noch schärfer. Die Ergebnisse ungesunder Ernährung sind derweil alarmierend. Mehr als zwei Milliarden Menschen sind übergewichtig, mit schwerwiegenden Folgen für die öffentliche Gesundheit. Ebenso viele Menschen nehmen nicht ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente zu sich.

Handel mit verarbeiteten Lebensmitteln nimmt zu

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten – ausgenommen der innereuropäische Warenaustausch – im Wert mehr als verdreifacht: auf 1,33 Billionen Dollar. Die Geographie der Warenflüsse hat sich laut einer Studie des Hoffmann Centre am Londoner Chatham House zugleich so verlagert, dass sie auf der Südachse verlaufen und heute etwa ein Viertel des gesamten Agrarhandels weltweit ausmachen. Stark verändert hat sich auch, womit gehandelt wird: Traditionelle Exporte wie Weizen und Kaffee nehmen nur noch langsam zu, um rund zwei Prozent pro Jahr, während Güter wie Palmöl, Fruchtsaft, Softdrinks und andere verarbeitete Produkte um etwa acht Prozent jährlich zulegten.

Dieser Anstieg im Handel mit verarbeiteten Produkten wirft Fragen auf, welchem Druck wir unsere Ressourcen wie Wasser und Böden aussetzen. Zumal die Weltbevölkerung bis 2050 auf etwa zehn Milliarden Menschen anwachsen wird. Der landwirtschaftlichen Expansion ist bereits die Hälfte der Tropenwälder zum Opfer gefallen. Das Tempo der Entwaldung hat sich verlangsamt, aber immer noch verschwinden mehr als sieben Millionen Hektar jährlich, eine Fläche so groß wie Irland. Eine ungebremste Ausweitung der Agrarflächen wird die Umwelt- und Klimaziele unterlaufen.

Alles hängt mit allem zusammen. Unsere Ernährungsgewohnheiten haben Einfluss auf den Klimawandel und damit auch auf die Lebensgrundlagen von Millionen von armen Menschen im Globalen Süden. Für Pädagogen, die dies und Fragen von Lebensmittelverschwendung, Fleischkonsum, Saatgut oder Landwirtschaft mit Zukunft in ihren Schulen thematisieren, bietet die Welthungerhilfe neue crossmedial angelegte Unterrichtsmaterialien an, die im Sinne des globalen Lernens unterstützen können: Schülerhefte und didaktisches Begleitmaterial gibt es unter www.welthungerhilfe.de/unterrichtsmaterial.

Marina Zapf Team Welternährung.de
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Letzte Aktualisierung 26.10.2019

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